Heute ist alles hochprofessionell

Passau. Im Juni 1980 hat der Rettungsdienst Bayern den Maltesern den ersten Rettungswagen zur Verfügung gestellt. Ein Grund für die katholische Hilfsorganisation, Rückschau zu halten auf sehr bewegte 40 Jahre und sich Gedanken über die aktuelle Situation zu machen.

Schon fünf Jahre vor dem ersten Rettungswagen, im Jahre 1975, schlossen der Rettungszweckverband Passau und der Malteser Hilfsdienst erstmals einen Vertrag, wonach die Hilfsorganisation in den öffentlichen Rettungsdienst eingebunden wurde. Drei Jahre später kam der erste Krankenwagen vom Rettungsdienst Bayern. Damals besetzten ausschließlich Ehrenamtliche die Rettungswachen im Caritashaus Passau am Steinweg und in Büchlberg-Witzingerreut, und zwar anfangs nur am Wochenende. 1980 dann stellte der Rettungsdienst Bayern den Maltesern den ersten Rettungswagen zur Verfügung.

Max Behringer, einer der Rettungsdienst-Pioniere von damals, erzählt von den Anfängen: „Einen Rettungswagen im heutigen Sinne hatten wir damals nicht. Wir fuhren mit einem umgerüsteten VW-Krankenwagen zu unseren Einsätzen. Ich kann mich noch gut an einen Verkehrsunfall auf der Passauer Hängebrücke im Winter erinnern. Es schneite und war sehr kalt. Mit unserer ‚Einsatzkleidung‘, einem langen weißen Mantel und Jeans, haben wir ganz schön gefroren. Das vergesse ich mein Leben lang nicht.“ Heilfroh seien er und die anderen Rettungsdienstler gewesen, als die Bekleidung Mitte der 1980er Jahre durch eine beige Einsatzjacke für den Winter ergänzt wurde.

Im Laufe der Jahrzehnte änderte sich natürlich noch viel mehr. So wurde und wird ein großes Augenmerk auf die Sicherheit der Mitarbeiter gelegt. „Wir haben modernste Kleidung, die höchste Sicherheitsklasse bei Jacken und Hosen. Wir sind ja viel in Gefahrenbereichen unterwegs. Nach schweren Unfällen, die in Bayern passiert sind, wurden die Fahrzeuge im Patientenraum mit diversen Sicherungstechniken ausgestattet. Und alle unsere Rettungswägen haben Allrad-Antrieb. Das ist ein großes Plus“, betont Rettungsdienstleiter Werner Kloiber. Auch die Technik habe sich sehr verändert. Er nennt einige Beispiele: „Die Einsätze kommen per Datentelegramm von der Integrierten Leitstelle (ILS). Die wiederum kann die Fahrzeuge orten. Durch elektronische Datenerfassung kann der Patient zeitnah am Zielkrankenhaus angemeldet und EKG-Bilder aus dem Rettungswagen können direkt an das Klinikum übertragen werden.“

„Das ist alles hochprofessionell. Für mich haben wir hier die höchsten Standards in ganz Europa“, so Werner Kloiber weiter. Das sah freilich vor 40 Jahren ganz anders aus, wie Max Behringer etwa über die Qualifikation der Einsatzkräfte berichtet: „Anfangs genügte die Ausbildung als Sanitäter. Aber das reichte schon bald nicht mehr.“ So wurde 1980 der erste Rettungssanitäter-Lehrgang durchgeführt, an dem auch Max Behringer teilnahm.

Eine Rettungswagen-Besatzung mit ihrem Fahrzeug im Jahr 1987 vor dem Seminar St. Max neben dem Dom. Ihre Dienstbekleidung nannten sie „Weißzeug.“ Fotos: Archiv Malteser (Foto: Krenn)

Später folgte das Berufsbild des Rettungsassistenten und seit 2014 ist der Notfallsanitäter die höchste Qualifikation für Rettungsdienst-Mitarbeiter. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Zum Vergleich: Der Sanitäter von 1975 kam schon nach 12 Doppelstunden Ausbildung zum Einsatz.

Der Notfallsanitäter ist der Verantwortliche auf dem Rettungswagen (RTW). Die Ausbildung schließt mit einem Staatsexamen. 21 Rettungsassistenten, teils mit jahrzehntelanger Berufserfahrung, haben noch einmal die Schulbank gedrückt und zwischenzeitlich erfolgreich die Ergänzungsprüfung absolviert, die sie zu Notfallsanitätern macht. „Alle haben die Prüfung bestanden“, erklärt Werner Kloiber stolz.

1980, im selben Jahr, als die Malteser ihren ersten Rettungswagen erhalten haben, wurde mit Reinhard Merz der erste hauptamtliche Mitarbeiter im Rettungsdienst in Passau angestellt, der später auch der erste Rettungsdienstleiter wurde. Reinhard Merz, der leider schon verstorben ist, hat im Jahr 2004 einige beeindruckende Zahlen zusammengetragen.

40 Einsätze wären im Jahr 1975 von den Rettungswachen Passau und Büchlberg insgesamt gefahren worden, steht in den Annalen. „Seit 1975 wurden in Passau ca. 2,5 Mio. km bei 74.167 Einsätzen gefahren“, schreibt Reinhard Merz 2004. „So wie schon zwischen 1975 und 2004, hat es auch später signifikante Änderungen gegeben“, erklärt Werner Kloiber. Die damaligen Zahlen über einen Zeitraum von fast 30 Jahren würden nunmehr in rund fünf Jahren erreicht. Allein im vergangenen Jahr verzeichneten die Malteser mehr als 11.000 Einsätze, davon rund die Hälfte Notfälle, und legten dabei mehr als 370.000 Kilometer zurück.

Der Malteser-Rettungsdienst ist natürlich auch Arbeitgeber. 55 Mitarbeiter sind aktuell beschäftigt: 24 Notfallsanitäter, 3 Rettungsassistenten, 17 Rettungssanitäter, 1 Rettungsdiensthelfer, 6 Auszubildende zu Notfallsanitätern und 4 Bundesfreiwillige. Außerdem engagieren sich zahlreiche qualifizierte Ehrenamtliche.

Waren es anfangs zwei Rettungswachen, von denen aus die Malteser Menschen in Not halfen, so sind es aktuell sieben Standorte: Passau, Haidmühle, Annathal sowie Hutthurm, Aidenbach, Fürstenzell und Neureichenau, die letzten vier im Wechsel mit den Kollegen des BRK.

Meilensteine waren auch die Bestellung der Passauer Rettungswache – nun schon in der Vilshofener Straße in Hacklberg – zur Lehrrettungswache im Jahre 1993, die Einführung des bundesweit ersten Qualitätsmanagements im Malteser-Rettungsdienst 1998 und das erste Audit sowie die erste flächendeckende Patientenbefragung 2003. Seit 2012 stellen die Malteser auch ehrenamtliche Einsatzleiter Rettungsdienst im Bereich Passau, seit 2016 auch im Landkreis Freyung-Grafenau. Dass das alles möglich wurde, dafür haben Männer wie Max Behringer vor mehr als 40 Jahren den Anstoß gegeben.

Der Rettungsdienst fährt auf höchstem Niveau. Doch bei der bestmöglichen Ausbildung, Ausstattung und Ausrüstung darf die oft große psychische Belastung nicht vergessen werden, der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in jeder Schicht ausgesetzt sind. Sie erleben viele schöne Momente, wo sie helfen und Leben retten können. Doch es gibt auch Tage, an denen sie Erlebnisse haben, die sie prägen und für lange Zeit belasten.

Rettungsdienstleiter Werner Kloiber (v.l.), sein Stellvertreter Daniel Bauer, der Auszubildende zum Notfallsanitäter Dominik Mischko – beide in der neuesten Rettungsdienst-Bekleidung – sowie Max Behringer. Er trägt die beige Einsatzjacke aus den 1980 er Jahren, über die er damals so froh war und die er bis heute aufbewahrt (Foto: Krenn)

Werner Kloiber hat das schon oft am eigenen Leib erfahren und berichtet über einen seiner ersten Einsätze vor fast 30 Jahren, an den er sich auch heute noch ganz genau erinnern kann. „Das war für die Kollegen und mich ganz schwer“, sagt er. „An der Löwenwand gab es einen Verkehrsunfall mit mehreren Toten. Später wurden wir noch einmal zur Unfallstelle gerufen. Ein alkoholisierter Autofahrer hatte die Straßensperrung ignoriert und war unter einen Abschleppwagen gefahren. An der Unfallstelle hat es furchtbar gequalmt und es war dichter Morgennebel. Wir sahen die Toten, die zugedeckt waren, und den Leichenwagen. Das bekommen wir normalerweise nicht mit, weil der Rettungswagen zu dem Zeitpunkt schon weg ist. Das war für mich prägend und hat die ganze Rettungswagen-Besatzung sehr belastet.“ Der Autofahrer hatte im Übrigen Glück und keine schweren Verletzungen davongetragen. Er konnte selbst in den Rettungswagen gelangen.

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