Eine bayerische Glas- und Porzellanmalerin in der Schweiz

(von Doris Blöchl)

Wie fühlt man sich als „Bayerin“ ohne Brez’n und Weißwurst? Wenn sich Petra Leuthold-Plöchinger, die in Hutthurm aufgewachen ist, auch äußerst wohl fühlt in ihrer Wahlheimat Schweiz, so haben ihr diese kleinen, alltäglichen udn eigentlich belanglosen Dinge anfangs doch gefehlt. Beruflich hat sie sich inzwischen mit einem eigenen Atelier für Glaskunst im Engelbergertal einen Namen gemacht. Das Rüstzeug dafür bekam sie in der Glasfachschule Zwiesel, wo sie den Beruf des Glas- und Porzellanmalers erlernte.

Petra Leuthold ging als gelernte Glaskünstlerin in die Schweiz und betreibt dort erfolgreich ein Atelier (Foto: Privat)

„Eigentlich wollte ich immer schon weg, etwas Neues sehen, meinen Horizont erweitern“, erklärte Petra Leuthold gleich zu Beginn unseres Gesprächs. Begonnen hatte alles damit, dass sie in der Zwieseler Glasfachschule den Beruf des Glas- und Porzellanmalers erlernte und damit den Grundstein legte für ihren weiteren Berufsweg. hier hatte sie zuerst eine Aufnahmeprüfung zu bestehen, bei der zeichnerische und gestalterische Fähigkeiten eine große Rolle spielten. Die Ausbildung dauerte drei Jahre. „Im Anschluss arbeitete ich direkt in Zwiesel bis sich irgendwann die Gelegenheit ergab, in einer Schweizer Glashütte anzufangen. In der Schweiz geht es bei der Glaskunst hauptsächlich um Kirchenfenster und Wappenscheiben, die dort eine lange Tradition haben.“ Bei einem Schweizer Glasmaler erlernte sie weitere Techniken und vertiefte ihr Wissebn. „Die Gestaltung von Glasobjekten oder die Fertigung von Glasschmuck an sich ist in der Schweiz nicht so weit verbreitet. Insofern kam mir meine Ausbildung zugute und ich konnte etwas ‚Besonderes‘ anbieten.“

Auch privat war Petra Leuthold angekommen in der neuen Heimat. Sie lernte ihren Mann kennen und gründete eine Familie. Doch auch in der Zeit, als die Kinder noch klein waren, widmete sie sich – wenn auch in kleinerem Rahmen – der Glaskunst: „Da herrschte schon oft Chaos in der Wohnung. Es war eine Mischung aus Werkstatt, Ausstellungsraum und privatem Bereich.“ Langsam baute sich die Künstlerin jedoch einen Kundenkreis auf und eröffnete schließlich einen eigenen Laden mit Werkstatt. Durch ständige Weiterbildungen lernte Petra Leuthold dazu. „Oft habe ich etwas Neues ausprobiert und bei diesen Versuchen ging auch vieles zu Bruch, wenn beispielsweise die Temperatur beim Brennen nicht stimmte. Da flossen schon manchmal Tränen.“

Inzwischen hat sie sich einen enormen Erfahrungsschatz angeeignet, wovon sie nun profitert. Den Sitz des Ateliers hat sie in ein ehemaliges Schulhaus verlegt, wo sie mehr Ruhe zum Arbeiten hat. Ein Großteil von Petra Leutholds Kunden sind Therapeuten, die die symbolkräftigen Objekte in ihre Praxis integrieren. Außerdem fertigt sie Gravuren.

Ist Petra Leuthold-Plöchinger nach 31 Jahren nun eine echte Schweizerin geworden? „Nein, das würde ich nicht sagen. Ich fühle mich wohl dort und die Mentalität ist der bayerischen sehr ähnlich. Insofern habe ich mich nicht schwergetan, mich in der Schweiz einzuleben. Anfangs habe ich mich über das hohe Lohnniveau gefreut, musste jedoch erkennen, dass auch die Lebensmittel viel teurer sind. Das gleicht sich aus. Auch nach dieser langen Zeit überkommt mich dennoch manchmal das Heimweh nach dem Bayerischen Wald. Die eigenen Wurzeln vergisst man eben nicht. Ich spreche auch immer noch meinen bayerischen Dialekt, Schweizerdeutsch verstehe ich zwar, würde mich aber komisch dabei fühlen, es ständig selbst zu sprechen“, erzählt sie. Außerdem gefalle den Schweizern der bayerische Dialekt. Überhaupt mögen sie die Bayern gern. „Und inzwischen gibt es auch Weißwürste und Brez’n, wenn diese auch extrem teuer sind“, erklärt Petra Leuthold und lacht, „eine Maß Bier gibt’s aber hier immer noch nicht. Da besteht noch Nachholbedarf!“

Weitere Informationen zum Atelier von Petra Leuthold-Plöchinger: www.petra-glas.ch

(Fotos: Privat)