„Oide Dult“ war der Hit! Aber woher hat der Pemperlprater eigentlich seinen Namen?

(von Tobias Schmidt)

Passau. Gerade ist im Passauer Klostergarten die „Oide Dult“ zu Ende gegangen. Der in Passau aufgewachsene Impresario Till Hoffmann (Eulenspiegel Concerts, Millaphon Records) hat diesen traditionellen Jahrmarkt organisiert. Mit unverstärkter Blasmusik im Biergarten, wo die kühle Blonde noch in Keferloher Steingutkrügen ausgeschenkt wird, mit Zuckerwatte, Hau-den-Lukas und mit traditionellen Fahrgeschäften wie Schiffschaukeln oder Karussells.

An einem ganz speziellen Kinderkarussel hängen gerade die älteren Passauer ganz besonders: dem Pemperlprater. Was man bei der Oiden Dult besonders zum Abend hin gut beobachten konnte, wenn mehr und mehr ältere Dultbesucher oft strahlend und laut juchzend das Karussell bestiegen, ihre Runden „wie früher“ drehten… Und sich im Ringelstechen übten: Wer einen goldenen Ring während der Fahrt aus dem Maul einer Fischattrappe angelte, bekam eine Freifahrt.
Im Jahr 1829 baute der Passauer Schuhmacher Engelbert Zirnkilton dieses vermutlich weltweit älteste und fast durchgängig bewirtschaftete Kinderkarussell seiner Art. Lange vor der Hochphase deutscher Karussell-Manufakturen in der Gründerzeit. Und wie sich auf der Oiden Dult wieder der Pemperlprater drehte, machte sich ‚Die Neue Woche‘ Gedanken über die Herkunft des Namens: „Prater leitet sich vom lateinischen „pratum“, also „Wiese“ oder „Anger“ her. Was erst einmal nur einen möglichen Standort jedes Kinderkarussells näher bezeichnet. Die Drehbewegungen des Karussells steckt im älteren bayerischen Begriff „Praterer“, der wohl von italienischen „brandire“, also „schwingen“ abgeleitet wurde. Analog zum englischen „to swing“ bedeutet „brandire“ auch „sich verlustieren“, also einer fröhlichen, mit Bewegung verbundenen, Sache nachgehen (aber nicht: „bewegt sein“!). Und „Bembberl“ ist auf Bayerisch alles, was „irgendwie Kinderkram“ ist. Genutzt wird es in Komposita und leider fast ausschließlich in abschätzigem Sinne. Was man in Passau offenbar nicht einsieht. An „Italiens nördlichstem Außenposten“ liest man nämlich noch die italienischen „Bambini“ aus diesem Wort heraus. Und so kommt es, dass besonders gern die „Großen“ Passauer im „ältesten Kinderkarussell der Welt“ fahren.
Nun auch wortkundlich informiert – und am liebsten nicht nur zur „Oiden Dult“.

(Bildnachweis: Schmidt)

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