35. Inntöne-JazzFestival heuer Mitte August

(von Tobias Schmidt)

Diersbach/OÖ. Heuer fällt er aus, der Eingangsverweis auf die Parallele zwischen dem pfingstlichen, in der Musik gern besungenen creator spiritus, dem Schöpfergeist und Jazz als Musik der Freigeister. Denn das INNtöne Jazzfestival findet wegen der Corona-Epidemie heuer von Freitag, 14. bis Sonntag, 16. August statt. Natürlich weht der Geist wieder am Buchmannhof von Festivalmacher, Posaunist und Biobauer Paul Zauner in Diersbach. Der uns folgendes zu diesem in seiner mittlerweile 35. Ausgabe selten so herbei gesehnten und doch „etwas anderen“ Jazzfestival, mitteilte: „In der großen Scheune geht es wegen der Auflagen für Veranstaltungen nicht. Statt dessen errichten wir eine überdachte Open Air Bühne hinter der Scheune, mit einem nummerierten Sitzplatzraster, um die Abstände einzuhalten.“ Die Gastronomie im Hofbereich wird platztechnisch entzerrt, auch das zur Erleichterung der Masken- und Abstandspflicht. Ein Betreten des Festivalgeländes wird nur mit gültiger Registrierung möglich sein, diese erfolgt am Eingang. Genaueres richtet sich nach den auf der Website des Festivals veröffentlichten Regularien. Eines steht jedenfalls fest: Die malerische Szenerie des Sauwalds kommt heuer noch besser zur Geltung, und verhungern muss definitiv auch niemand.

Doch welche „Nahrung“ erwartet die Livekultur-entwöhnte Seele? Weil Abstandsregeln auch auf der Bühne gelten, sind es vorrangig kleine Formationen. Einige davon mit tollen Frontfrauen. Paulette McWilliams zum Beispiel, die Anfang der 1970er die Sängerin der Band Rufus war (also VOR Funkröhre Chaka Khan). In ihrem aktuellen Programm „A Woman’s Story“ berichtet sie vom Leben als Backgroundsängerin von Soulgrößen wie Marvin Gaye, Luther Vandross, Aretha Franklin und anderen. Doch hier bekommen die gut bekannten Songs eine bislang nicht gehörten Jazztouch verliehen. Und weil sich McWilliams dem Produzententalent Kamau Kenyattas (u.a. Gregory Porter) anvertraute, klingt das Ganze auch richtig gut.

Elina Duni & Robert Luft (Foto: Pedro Velasco)

Das Spannungsfeld zwischen Folk und Jazz loten die albanisch-schweizerische Sängerin Elina Duni im Duett mit Gitarrenpartner Rob Luft und Maria Mazzotta mit Bruno Galeone am Akkordeon aus.

Die polnische Sängerin Aga Zaryan begleitet das  Festivalfreunden gut bekannte Trio von Dexter Gordon-Pianist Kirk Lightsey. Sängerin und Kuratorin Mira Lu Kovacs hat ihre bei uns gut bekannte Band Schmieds Puls ad cta gelegt und wartet mit deutlich elektronischeren Klängen unter dem Signet 5K auf.

Louis Sclavis (Foto: Luc Jennep)

Und ebenfalls aus Österreich kommen e c h o boomer das siebenköpfige „Art Pop-Orchester“ um Beate und Astrid Wiesinger. Wir sind gespannt auf diese jungen österreichischen Formationen – und man kann es nicht oft genug sagen: hier hat das Festival (neben dem Passauer Café Museum) Schaufenstercharakter nach Deutschland hinein.

Auch Männer singen diesmal beim Festival: La Scintilla Nell’Ombra („Der Funke im Schatten“) heißt das gemeinsame Programm von Sänger und Mundpercussionist Andreas Schaerer und Luciano Biondini am Akkordeon. Beide kennen und schätzen den verrückten Entdeckergeist im Großformat ihrer Band Hildegard lernt fliegen –hier also einmal im intimen Duoformat nachts am Eröffnungsabend des Festivals.

Luciano Biondini & Andreas Schaerer (Foto: Reto Andreoli)

„Nordisch verhangen, doch ohne Bangen“ kommen jene Töne daher, die Hildegunn Øisetht der Trompete und dem Ziegenhorn entlockt. Was uns zu den Bläsern geleitet: Mit den Duos von Stefano Bataglia und Mirco Mariotini sowie Louis Sclavis und Benjamin Moussay stehen zwei Hochkaräter der Klarinette und Bassklarinette mit jeweils eigener Klangfärbung auf der Bühne. Die (in unseren Breiten viel zu raren) Ausflüge in den faszinierenden französischen Jazz sorgten in den vergangenen Jahren immer wieder für Highlights.

Und weil das jetzt viele ältere, gestandene Musiker waren, seien unbedingt noch Die JT Replacements erwähnt. Mit dem furchtlosen Londoner Trio von Pianist Elliot Galvin, Jamie Murray am Schlagzeug und Eric Harlands Russland-stämmigen Saxophonisten Zhenya Strigalev schauen die INNtöne wie bereits in den vergangenen Jahren über den Ärmelkanal, wo ein faszinierendes Jazz-Pop-Amalgam immer wieder spannende Formen bildet und ganz neue Publikumsschichten erschließt.

Louis Sclavis & Benjamin Moussay (Foto: Bruno Rumen)

Das Festival bleibt also eine Gelegenheit für aufgeschlossene Ohren und Herzen, den Puls der Zeit zu spüren. Für das weitere Programm, zu Kinderprogramm und den AfterHours-Shows im überdachten Bereich bitte jeweils aktuell www.inntoene.com konsultieren. Bei Redaktionsschluss gilt in Oberösterreich wieder eine Maskenpflicht, deren Modalitäten sich noch ändern können.

Der Kartenvorverkauf hat online bereits begonnen, neben Tageskarten sind 3-Tages-Festivalpässe erhältlich. Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit oder können auf das nächste Jahr umgetauscht werden.

Paulette McWilliams (Foto: McWilliams)
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