Sie lesen unsere Zeitung. Dafür danken wir Ihnen. Übrigens nicht nur unser Verlag, sondern auch die zahlreichen Dienstleistungserbringer in Ihrer Region, Vereine, Gemeinden, Tourismus-Verbände und andere öffentliche Institutionen – diese Aufzählung ist nicht abschließend. Auch unsere kostenlose Wochenzeitung gehört, man mag es nicht glauben, der Gattung der Zeitungen an. Aber um es gleich festzuhalten: Die ‚Neue Woche’ ist schlichtweg ein Anzeigenblatt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Nach der Definition des Bundesverbandes Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) sind Anzeigenblätter Presseprodukte, die kostenlos mindestens wöchentlich und in regelmäßigen Abständen an die Haushalte eines festumrissenen Gebietes flächendeckend verteilt werden.

Der Aufwand für die Erstellung des redaktionellen Teils in Anzeigenblättern ist selbstverständlich geringer, als beispielsweise bei (kostenpflichtigen) Tageszeitungen. Und auch unter all den Anzeigenblättern gilt, wie übrigens auch unter allen übrigen Presseerzeugnissen, dass qualitative Schwankungen das Feld beherrschen –  nach oben und unten.

In Anzeigenzeitungen umfasst der redaktionelle Teil pro Ausgabe zwischen 30 und 40 Prozent des gesamten Seitenumfangs. In Deutschland sind sie damit rechtlich als Presseprodukte anerkannt, ob man das nun gutheißen kann oder eben nicht.

Aber wie steht es nun tatsächlich um den Ruf von Anzeigenblättern in unserem Land, bei Ihnen zu Hause? Der Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter e. V. (BVDA) stellt regelmäßig die Medialeistung von Anzeigenblättern auf den Prüfstand. So wurde auch für den Zeitraum vom 29. März bis 1. Juli 2013 eine weitere und repräsentative Studie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis dieser Umfrage (siehe Info-Kasten) lässt sich wie folgt zusammenfassen: Anzeigenblätter punkten, landauf und landab, weiterhin mit lokaler Kompetenz. Die Befragung belegt ebenso eindrucksvoll die hohe Akzeptanz und Bindung der Leser an ihr Anzeigenblatt wie die intensive Nutzung als Informationsquelle für Kaufentscheidungen.

‚Seit Jahrzehnten bieten die Anzeigenblätter in Deutschland ein fast einmaliges Angebot: Sie verfügen über eine starke Haushaltsabdeckung, bieten eine nahezu flächendeckende Verteilung und sind eng im Lokalen verwurzelt.

Ob in der Metropole oder in der Provinz, Anzeigenblätter begleiten das Leben der Menschen. Sie berichten über die wichtigen Ereignisse im Viertel, im Stadtteil oder im nächsten Dorf – und tragen so auch zur politischen Willensbildung im Lokalen bei.

Anzeigenblätter erreichen rund 80 Prozent der Bevölkerung – das sind mehr als 56 Millionen Menschen ab 14 Jahren. 47 Millionen von ihnen zählen zu den Lesern pro Ausgabe.’

Nun fragen Sie sich vielleicht, dass das alles doch auch Ihre kostenpflichtige Tages- oder Wochenzeitung umsetzt. Schließlich haben auch sie in den letzten Jahren verstanden, wenn auch noch nicht ganz, dass man sich vom globalen und bundesweiten (Welt-) Geschehen vermehrt wieder dem lokalen Journalismus zuwenden sollte. Das mag wohl stimmen und sollte auch nicht in Abrede gestellt werden. Aber anders als bei den klassischen Anzeigenblättern finanzieren sich diese Verleger mittels kostenpflichtigen Einzelausgaben oder Abo-Preisen. Hinzu kommen dann noch die (ganzseitigen) Inserate, die durch die Gewerbetreibenden – von nah und fern – in Auftrag gegeben werden. Übrigens reicht das alleine schon längst nicht mehr aus, um die Jahresbilanz eines Zeitungsverlags in die schwarzen Zahlen schieben zu können. Schon längst verdienen sich die großen Zeitungsverleger das Geld nicht mehr ausschließlich damit, Ihnen eine Zeitung präsentieren zu können. ‚Fremde Geschäfte’ beherrschen auch hier das Tagesgeschäft, von Börsen- und Immobilien-Spekulationen bis hin zu (undurchsichtigen?) Finanztransaktionen. Nur so können sich die meisten Zeitungsverleger überhaupt noch über Wasser halten. Oder glauben Sie tatsächlich, dass Sie jedem geschriebenen Artikel in der (kostenpflichtigen) Zeitung oder Zeitschrift vorbehaltslos Glauben geschenkt werden darf? Oder könnte es nicht sein, dass dieser eine Bericht doch irgendwie quer- und hoch subventioniert wurde, durch wen auch immer und warum auch immer? Würde es bei diesen literarischen Ergüssen ab und an auch nicht verkehrt sein, wenn ganz oben ‚Anzeige’ stehen würde?

Was mich als Schreiberling aber bei dieser ganzen Diskussion um ‚Wir machen wirklich Zeitung’ stört ist, mit welcher Regelmäßigkeit aus der eigenen Branche mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. So ganz nach dem Motto: ‚Ihr seid ja gar keine richtigen Journalisten und im Grunde genommen alle gekauft’. Letzteres mag wohl auch irgendwie stimmen, wenn es darum geht, im Anzeigenblatt einen PR-Artikel zu verfassen; für die Metzgerei um die Ecke, den Schreinermeister oder Neueröffnung eines Schuhgeschäftes in Ihrem Dorf. Denn dann haben wir schlichtweg das Verhältnis zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer. So wie es sich halt überall in der Wirtschaft gehört. Persönliche Ansichten und Meinungen werden – übrigens nicht immer – beiseite gelassen, der PR-Artikel so verfasst, dass es ‚Passt’. Oder haben Sie sich schon einmal für einen neuen Webauftritt ihrer Werbeagentur entscheiden, der Ihnen überhaupt nicht gefällt und Ihren Ansprüchen nicht gerecht wird? Es ist das – unser – tägliches Brot eines Schreiberlings für ein Anzeigenblatt. Unbestritten. Aber das ist nur ein weiteres Puzzle seiner journalistischen Arbeit. Daneben hat er freie Hand, wenn es darum geht, was vor der eigenen Haustür passiert. Wenn es darum geht Themen nachzuspüren, über die man mit dem Nachbarn spricht.

Was mich betrifft, so sehe ich das so. Ich bin 41 Jahre alt. Ich zähle mich weder zum alten noch zum neuen Eisen. Die digitale Revolution habe ich damals in jungen Jahren miterleben dürfen. Immer weniger Menschen sind dazu bereit, für Nachrichten (Content) zu bezahlen. Das gilt für das klassische Printerzeugnis wie auch für digitale Inhalte. Das ist Fakt und ein Trend, der unaufhaltsam seines Weges geht. Schuld daran (aber ich nenne es ‚Zeitgeist’ und eine Entwicklung, wie sie sich eben nun mal präsentiert) ist wohl in erster Linie dieses Internet und natürlich auch all die Sozialen Medien und Plattformen, ganz zu schweigen von den immer steigenden privaten Bloggern, die uns Informationen vermitteln, meist noch bevor die bekanntesten (Tages-) Zeitungen davon berichten können. Spätestens in 20 Jahren (mein Sohn ist jetzt 2 Jahre alt) wird niemand mehr bereit dazu sein, für Informationen, egal ob es sich nun um PR-Artikel oder eigene Meinungsäußerungen dreht, zu bezahlen; ob im digitalen Netz oder im Printsektor. Die Ausgangslage für kostenlose Anzeigenblätter gestalten sich unter diesem Aspekt nicht einmal so schlecht. Stimmen dann noch die (freien) redaktionellen Beiträge, dann umso mehr.

Überlegen Sie es sich einmal, wenn in absehbarer Zeit alle kostenlosen Zeitungen aus Ihrem Umfeld verschwinden würden. Da wäre dann vielleicht nur noch dieser einzige Monopolist, der Sie über das (Welt-) Geschehen – und wohl weniger aus Ihrem Dorf- aufklären möchte. Böse Zungen behaupten, die Preise der Einzelausgaben würden noch mehr steigen, ganz zu schweigen vom Jahresabonnement. Und könnte sich der ‚kleine’ Handwerker und Dienstleistungserbringer überhaupt noch eine Anzeige in der Zeitung leisten? Wie steht es dann mit all den Pressemitteilungen und übrigen Informationen, die bislang kostenlos publiziert werden konnten und im gesamten Landkreis (frei Haus) verteilt wurden?

Wir als Werbeagentur und Medienhaus haben uns bereits vor 20 Jahren dazu entschieden, mittels finanzierten Anzeigen eine regionale Zeitung den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landkreises zur Verfügung stellen zu können; ein Finanzierungsmodell so gut wie jedes andere auch. Und um vielleicht der Konkurrenz – wenn auch im ganz kleinen Rahmen – Paroli bieten zu können, so dass der sogenannte Qualitätsjournalismus im gesamten Rahmen besser werden möge.

Noch immer ist das unser Antrieb. Am Ende entscheiden Sie, geschätzte Leserin und Leser, was Sie tatsächlich interessiert und Sie für ‚Gut’ befinden – und nur Sie.

ps; Diese Kolumne – hoffentlich als Stammleser – wurde nicht subventioniert. Weder von Außen, noch von Innen. Selbstverständlich würden wir es begrüßen, in Zukunft einen Sponsor dafür zu finden. Was aber nicht bedeuten würde, dem Schreiberling dieses Artikels keinen freien Lauf mehr zu lassen.