Die orangefarbenen Autos haben Mehdi Mahfoud neugierig gemacht. Der 33-jährige Marokkaner macht zurzeit ein Praktikum bei der Straßenmeisterei Passau des Staatlichen Bauamts Passau. Die Arbeit macht ihm Spaß, auch wenn sie ganz anders ist als sein erlernter Beruf: Mehdi Mahfoud ist eigentlich Orgelbauer

Passau. „Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich“, sagt Mehdi Mahfoud. Auf seinem Handy hat er jede Menge Fotos von den Arbeiten, die er seit seinem ersten Praktikumstag erledigt hat. Rasengittersteine verlegen, den Grüntrupp beim Grasmähen unterstützen, Sträucher schneiden, beim Müllsammeln entlang der Straße helfen – „wo er gebraucht wird, setzen wir ihn ein“, sagt Hauptstraßenmeister Gerhard Heigl. Der Leiter der Straßenmeisterei Passau ist froh über die zusätzliche Hilfe für ihn und seine Kollegen: „Mehdi packt ordentlich mit an und weiß sich zu helfen.“

Handwerkliche Arbeit ist der 33-Jährige durchaus gewohnt. Er kam 2004 nach Italien, um dort den Beruf des Orgelbauers zu erlernen. Fünf Jahre dauerte dort seine Ausbildung. „Orgelbau ist meine große Leidenschaft, der Neubau ebenso wie die Restauration von Orgeln“, sagt er. Nach seiner Ausbildung arbeitete er in Italien und Frankreich als Orgelbauer. „Das filigrane Arbeiten und die Konzentration auf das Ergebnis haben mir immer sehr viel Freude gemacht“, erzählt der 33-Jährige. Auch Holzarbeiten für den Orgelbau führte er aus. Im Juli 2015 kam er zu einem Passauer Orgelbauer, wo er bis Oktober 2019 arbeitete.

„Aber jetzt will ich einmal etwas anderes machen“, sagt Mehdi Mahfoud. Am Beruflichen Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft (bfz) macht er am Kompetenz-Center für Migranten jetzt Qualifizierungskurse, unter anderem für Lager, Bau und Metallbearbeitung. Die Straßenmeisterei Passau als Praktikumsplatz hat er sich selbst ausgesucht. „Ich habe immer die orangefarbenen Autos an der Straße gesehen und wollte wissen, was dahintersteckt.“

Seine Betreuerin am bfz fragte bei der Straßenmeisterei an, Hauptstraßenmeister Gerhard Heigl sagte gerne zu. Er hat in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen mit Praktikanten gemacht: Vor zwei Jahren arbeitete ein junger Afghane in der Meisterei mit, der über die Berufsschule II vermittelt wurde. „Er war ein ganzes Schuljahr lang jeweils zwei Tage in der Woche bei uns“, sagt Gerhard Heigl. Inzwischen ist sein ehemaliger Schützling Auszubildender in einer Passauer Baufirma. Im vergangenen Schuljahr war ebenfalls ein Schüler der Berufsschule II zweimal wöchentlich in der Meisterei. „Wenn junge Leute etwas lernen und ausprobieren wollen, unterstützen wir das gern“, erklärt Heigl.

Mehdi Mahfoud lernt an seiner Praktikumsstelle jeden Tag etwas Neues. „Heute hab ich gelernt, was ein Waschl ist“, sagt er und schaut seinen Kollegen an, ob er das Wort auch richtig ausgesprochen hat. Dann packt er die breite Malerbürste und reinigt den Randstein, den er kurz zuvor zusammen mit seinem Kollegen an einer Einmündung in die B 12 gesetzt hat.

Bayerische Ausdrücke sind dem 33-Jährigen manchmal noch ein Rätsel, doch er lernt schnell. Seine Muttersprache ist Arabisch, er spricht zudem fließend Französisch und Italienisch und hat Grundkenntnisse in Deutsch. Wenn sein Praktikum an der Straßenmeisterei nach sechs Wochen beendet ist, wird er am bfz weitere Qualifikationskurse belegen und dann hofft er auf eine Arbeitsstelle, die ihm ebenso viel Spaß macht wie sein Praktikum in der Straßenmeisterei Passau.

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