ILE Nationalparkgemeinden starten in langfristig angelegte Digitalisierungsstrategie

Spiegelau. Startschuss in den ILE Nationalparkgemeinden: Nachdem der kommunale Verbund vor gut drei Wochen den Zuschlag zum Integrierten Digitalen Entwicklungskonzept (IDEK) des Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr erhalten hat, wurden erste Schritte des Projekts nunmehr auf den Weg gebracht und die Digitalregion der Nationalparkgemeinden damit um einen weiteren wichtigen Baustein ergänzt. An der Auftaktveranstaltung, die passend zum Thema virtuell stattfand, nahmen Vertreter aller zwölf bayerischen Modellkommunen teil. Seitens der ILE waren dessen Vorsitzender Karlheinz Roth und sein Stellvertreter Fritz Schreder, Handlungsfeldbürgermeister Alfons Schinabeck, Spiegelaus Geschäftsführer Xaver Ebner und Prof. Wolfgang Dorner von der Technischen Hochschule Deggendorf online.

„Die Teilnahme am IDEK ist für uns eine großartige Auszeichnung und aufbauend auf unseren Erkenntnissen aus dem Digitalen Dorf Spiegelau-Frauenau ein weiterer Meilenstein in Richtung Zukunft“, bekräftigt Karlheinz Roth. Im Rahmen des Modellprojekts „Smart Cities, Smart Regions“ gehe es darum, mit Machbarkeitsstudien den digitalen Mehrwert für die Region herauszuarbeiten und dazu eine gemeinsame Zukunftsstrategie zu entwickeln. Besonders bei baulichen und infrastrukturellen Herausforderungen sieht der Spiegelauer Bürgermeister gute Chancen, mithilfe neuer Technologien zu schnelleren Lösungen zu finden: „Die ILE begreift sich als wichtiger Baustein städtebaulicher Entwicklung. Darin wollen wir auch weiterhin Pionierarbeit leisten.“ Der ganzheitliche Planungsansatz mit klarem räumlichem Bezug stehe im Zentrum einer erfolgreichen Arbeit, erklärt Prof. Wolfgang Dorner, der die ILE wissenschaftlich und in Fragen zur Digitalisierung und Technologie begleitet.

Beim Projektaufbau und der Erarbeitung einer Digitalisierungsstrategie erhalten die sechs ILE-Gemeinden Spiegelau, Neuschönau, St. Oswald-Riedlhütte, Frauenau, Lindberg und Bayerisch Eisenstein künftig fachliche Unterstützung. Von wem, wird noch in diesem Jahr über eine Ausschreibung ermittelt.

Zunächst wird in den Kommunen sondiert, in welchen Aufgabengebieten durch Digitalisierung mehr erreicht werden kann. „Hier ist genaues Prüfen notwendig, da im Unterschied zu einem Unternehmen eine Gemeinde einem Gemischtwarenladen gleicht“, weiß Wolfgang Dorner. Mit Büroorganisation, Infrastruktur, räumlicher Planung oder Verkehr würde zwar ein bunter Strauß an Themen abgedeckt, „allerdings mit viel zu wenig Personal“. Umso wichtiger sei vorerst die penible Analyse möglicher Themen zur Digitalisierung, bevor in einem zweiten Schritt die Bürger eingebunden werden. Ihre Partizipation an den Planungsprozessen hält Dorner für entscheidend für die spätere Glaubwürdigkeit. „Gerade im Vorfeld großer Infrastrukturprojekte sollen die Menschen inhaltlich abgeholt werden, ohne sie zu bevormunden.“

In einem Workshop im Rahmen des Projekts „Smart District Data Infrastructure“ (SDDI) des Zentrums Digitalisierung Bayern berieten Bürgermeister, Verwaltungsmitarbeiter, Touristiker, Geodatenexperten und Digitalisierungsspezialisten bereits vergangene Woche, aus welchen kommunalen Informationen sich ein so genannter „Digitaler Zwilling“ entwickeln lässt. Mithilfe dieser Computermodelle könne man bestimmte Sachverhalte leichter analysieren – etwa im Tourismus. „Es sind ja bereits jede Menge Daten vorhanden“, weiß Prof. Dorner, „aber noch nicht nutzbar aufbereitet oder auf verschiedene Institutionen verteilt“. Daher verständigten sich die Teilnehmer zunächst darauf, wo man unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Vorgaben Daten herbekommt und auf welche Weise diese erfasst und gespeichert werden, um sie später effektiv verwenden zu können – in der virtuellen Welt genauso wie in der realen.

Das Influencer-Wesen im Tourismus und dessen Auswirkungen standen zudem mit auf der Agenda. „Wie Trends in den Sozialen Medien gesetzt werden und welche Konsequenzen sie haben können, haben wir uns genauer angeschaut“, erzählt Wolfgang Dorner – gerade auch im Hinblick auf das momentan hohe Besucheraufkommen in der Nationalparkregion. Hier könnten digitale Daten helfen, Hotspots aufzulösen und Besucher stattdessen in Gebiete abzulenken, die noch Kapazitäten vorweisen, weiß der Experte – und: „Da ist es dann gut, die Daten vorab und nicht erst in der Extremsituation aufbereitet zu wissen.“

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