Paul Zauner’s Blue Brass hat eine CD mit dem Grammy-prämierten Saxophonisten David Murray aufgenommen. Live-Präsentation am 5./6. November

(von Tobias Schmidt)

Der Posaunist, Jazzimpresario, Musikverleger und Biobauer Paul Zauner aus Diersbach/OÖ. hat seine Mitstreiter der Band Paul Zauner’s Blue Brass wieder zusammengetrommelt. Seit 2007 produziert Zauner mit Wolfram Derschmidt (Kontrabass), Dusan Novakov (Schlagzeug), Clemens Salesny (Altsaxophon) und einer personell wechselnden Blechblas- und Saxophonfraktion Programme mit sehr eigenen Interpretationen von Jazzstandards. Anfangs instrumental, waren später dann US-amerikanische Sänger zu hören – Mansur Scott, den Zauner in Harlem hörte, ist da zu nennen. Mit diesem von Krankheit gezeichneten, fast 70-jährigen Mann nahm Zauner 2012 dessen Debütalbum auf. Es landete in den Top10 der JazzTimes, die sich verwundert die Augen rieb, warum man denn diesen Sänger so lange ignoriert habe. Scott veredelte später noch zwei CDs der Blue Brass. Eine davon: „Voices of Harlem“, das bislang letzte und in Übersee ebenfalls beachtete Album der Band, stellte MEIN PASSAU 2014 vor. Dort war der auch dem Poppublikum bekannte Gregory Porter mit von der Partie. Ist doch der Hüne mit der Fellmütze und dem sanften Bariton auch eine Entdeckung von Paul Zauner. Im November erscheint nun eine neue CD von Paul Zauner’s Blue Brass. „Roots & Wings“ wird sie heißen und wieder gänzlich instrumental sein. Es ist das erste Blue Brass-Album, welches überwiegend Eigenkompositionen enthält. Einige davon stammen von Clemens Salesny, der Hauptteil, suitenartig angelegte Stücke vom Stargast auf dem Album: David Murray. Seit den 1970er Jahren füllt dieser amerikanische Tenorsaxophonist, Bassklarinettist und Bandleader seinen ganz eigenen Platz zwischen der Jazzavantgarde und Mainstream. Er macht sich den schwindelerregenden Eskapismus eines Albert Ayler, aber eben auch den Swing Tenor-Sound eines Coleman Hawkins zu Eigen. Gern übrigens in kleinen bis mittelgroßen ungewöhnlich instrumentierten Ensembles. Orgel-Trios, Oktetts mit und ohne Klavier, das World Saxophone Quartet, welches Murray mitbegründete, kann da schon fast als eines seiner konventionelleren Ensembles gelten. Mit den Marsalis-Brüdern huldigte er in den 1990ern dem Hardbop-Neoklassizismus, mit James Blood Ulmer (war ebenfalls bereits in Passau zu Gast) einem Blues mit Ecken und Kanten, und mit seinem Oktet dem Saxophongiganten John Coltrane. Dafür gab’s einen Grammy. Aber da arbeitet David Murray bereits am nächsten Projekt einer Tributplatte für und mit Musikern der Rockband The Grateful Dead, deren Liveklang und Jamrock-Attitüde ihm imponierten.

Wurzeln, die Flügel verleihen: „Roots & Wings“

Dieser reeds man ist auf etwa 250 Jazzalben zu hören; seit zwei Tourneen und Aufnahmen mit der Band „Last of the Hipmen“ Ende der 1980er Jahre kennen sich David Murray und Paul Zauner auch persönlich. Im Sommer 2017 wurde eine Tournee mit Paul Zauners mittelgroßem, bisweilen auch mal für ungewöhnlich tönendem Ensemble, seinen Blue Brass organisiert. „Die lief einfach famos“, berichtet Zauner, die Financial Times nannte das Konzert in London gar „episch“. „Da machte David Murray den Vorschlag, dieses beeindruckende Zusammenspiel auf Tonträger zu dokumentieren. Er werde etwas komponieren und ist dann später extra für die Aufnahmen aus New York angereist“. Man kann „Roots & Wings“ als ein Album „mit Anliegen“ betrachten: Traditionslinien gehören immer wieder einmal abgelaufen, um zu sehen, ob und wie sie einem jene Flügel verliehen, mit denen einer dann zur Lebensreise aufbricht. Mit nun auch schon 64 Jahren schaut Murray auf die diversen Wurzeln seiner musikalischen Sozialisation, und wohin sie einen geleiten, wenn man sie gemeinsam mit einigen sehr viel jüngeren Musikern von Paul Zauner’s Blue Brass zum Abheben bringt. Das Album erscheint im November. Eine Tournee in kleiner Besetzung führt Paul Zauner’s Blue Brass featuring David Murray am Montag, 5. November und am Dienstag, 6. November jeweils ab 20 Uhr zur Livepräsentation des neuen Albums ins Café Museum, Bräugasse 17. Kartenreservierung und weitere Informationen unter www.cafe-museum.de.