Tierisch komplex, diese Gegenwart!

    Aktuell.

    Online-Vortrag: „Der erste Löffel Brei“

    Dienstag, 14. Dezember 2021 Passau. Vor und mit der Geburt...

    #werglaubtistnieallein

    Bistum Passau stellt Angebote für Advent & Weihnachten online Passau....

    ‚Experimentierwerkstatt Ländliche Verbraucherpolitik‘ zeigt Verbesserungspotenzielle auf

    Rita Hagl-Kehl, MdB und Parlamentearische Staatssekretärin: "Durch die Experimentierwerkstatt...

    Sitzung des Sicherheitsbeirats der Stadt Passau

    Corona lässt Gesamtkriminalität sinken Passau. Auf Einladung von Oberbürgermeister Jürgen...

    Umtausch der Führerscheine startet 2022

    Jahrgänge 1953 bis 1958 müssen dies baldmöglichst beantragen -...

    Teilen

    Lesung mit Eva Menasse am 27. September 2017 im Scharfrichterhaus

    (von Tobias Schmidt)

    Acht Kurzgeschichten enthält „Tiere für Fortgeschrittene“, der aktuelle Erzählband der Schriftstellerin und Journalistin Eva Menasse.
    Und um es gleich vorweg zu nehmen, nur dreimal spielen Tiere auch eine entscheidende Rolle – zweimal real, einmal in Plüsch.
    Doch ist jeder Geschichte eine Agenturmeldung über bestimmte Tiere voran gestellt. Haie, die bei einer Brandkatastrophe im Tierpark ums Leben kommen; Enten, die gleichzeitig schlafen und nach Feinden Ausschau halten; durch Plastikmüll einer Schnellimbisskette verendete Igel; Raupen, die beim Fressen ungewollt Feinde anlocken, und was man sonst noch in naturkundlichen Magazinen erfahren kann.

    Wie Tierfabeln gelesen, macht Eva Menasse aus diesen Meldungen Metaphern für Exemplare der Gattung Mensch der Jetztzeit. Vermeintlich Irrationales, Fragiles kommt hier ans Licht: über das Herdentier Mensch in der modernen Kommunikationsgesellschaft, über die Unbarmherzigkeit der Zeit gegenüber denen, die nicht mehr recht in ihr zu leben verstehen; Lebensumbrüche, und was sie mit den Zurückgebliebenen machen. Man liest von einer Patchworkfamilie im Cluburlaub – eine Geschichte erzählt, wie der aufmerksam umehr-, doch angesichts des Todes eines Jugendfreundes auch immer wieder abschweifende Blick der Mutter.
    Von der nächtlichen Autofahrt eines Theaterregisseurs – unstet wie das eigene Leben. Von Familienreisen, in denen Erinnerungen an Kindertransporte jüdischer Vorfahren während des Nationalsozialismus, einem Film gleich, untergründig „mitlaufen“.

    Man blickt ins Innere von Teilnehmern eines fiktiven Experiments in einer abgeschotteten Kolonie, von Eltern, die sich in der Grundschule gegen ein arabisch stämmiges Kind verbünden, oder eines Mannes, der seine demente Frau pflegt, doch dessen Leben gescheiterter Enkel der Großmutter viel besser als er selbst erreicht.

    Wer genau hinschaut, sieht in manchen Seettings in Wien oder dem Berliner Umland autobiographische Konnotationen Eva Menasses, do ist dies allenfalls ein Zusatzgewinn, dieser bisweilen melancholischen, witzigen, stets aber sehr gut lesbaren Prosasammlung.
    Schlaglichtartig und doch analytisch erzählend, legt die Autorin hier acht kleine Anamnesen von Paarbeziehungen oder Familienstrukturen der Gegenwart vor.
    Tierisch komplex, diese, unsere Zeit!
    Doch was nach einem familiensoziologischen Standardwerk, oder dem großen Roman über die Zeitläufe der 2010er Jahre klingt, steht in Eva Menasses „Tiere für Fortgeschrittene“ stilistisch der Reportage nahe.
    Darum sei es gerade Freunden von „Langstreckenpublikationen auf Zeitungspapier“ besonders empfohlen.

    Am Mittwoch, 27. September liest die Autorin ab 20 Uhr aus ihrem Buch im ScharfrichterHaus. Karten zu der von Passauer Pegasus und Bücher Pustet präsentierten Veranstaltung kosten 10 Euro (ermäßigt 8 Euro) und sind unter Telefon 0851 56089 13 oder per Email an passau@pustet.de reservierbar.

    (Bild: Eva Menasse, österreichische Schriftstellerin, geb. 1970 – Foto: juergen-bauer.com)

    HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

    Hinterlassen Sie bitte einen Kommentar!
    Hier bitte Ihren Namen hinterlassen

    spot_img