Projektkoordinatorin Christina Meisinger (r.) und die Leiterin der sozialpflegerischen Ausbildung Tanja Petzi freuen sich auf viele Anmeldungen zur Online-Schulung für die Redezeit (Foto: Krenn)

Telefongespräche als Weg aus der Einsamkeit

Angebot der Malteser für Interessierte am Ehrenamt

Passau. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Projektes „Miteinander -Füreinander: Kontakt und Gemeinschaft im Alter“ möchten die Malteser ein neues Angebot in der Diözese Passau etablieren. „Redezeit“ heißt der Telefonbesuchsdienst, den sie ins Leben rufen und der die Einsamkeit von vorwiegend älteren Menschen lindern soll. Ehrenamtlichen, die sich dafür engagieren möchten, bieten sie ein neues, interessantes Aufgabengebiet. Für diese wird eine Online-Schulung angeboten, bei der sie auf den Dienst vorbereitet werden.

„Einsamkeit kann jeden treffen. Sie schleicht sich anfangs oft unbemerkt ins Leben und legt sich wie ein Schatten auf das Gemüt. Immer mehr ältere Menschen leben komplett allein, ohne dass sie sich das so ausgesucht haben. Aus verschiedenen Gründen haben sie ihre sozialen Kontakte verloren und niemanden mehr zum Reden“, erklärt Projektkoordinatorin Christina Meisinger. „Mit der Redezeit möchten wir nun vereinsamten älteren Mitmenschen einen Weg heraus aus der sozialen Isolation bahnen.“

Am Beginn der Corona-Zeit haben die Malteser ihre Mitglieder über 80 Jahre angerufen und dabei festgestellt, dass der Bedarf und der Wunsch bei diesen, regelmäßige Telefongespräche zu führen, groß ist. Dementsprechend lange ist die Warteliste für die Redezeit. „Wir wollen und können nicht länger warten. Wir müssen jetzt etwas gegen die Einsamkeit tun. Deshalb freuen wir uns, dass wir nun die Online-Ausbildung anbieten können“, betont Christina Meisinger.

Mögliche Bedenken Interessierter zerstreut die Projektkoordinatorin: „Der Einsatz der Technik wird sich an den Teilnehmenden orientieren, die am wenigsten mit digitalen Medien vertraut sind. Der Datenschutz ist natürlich gewahrt. Wenn Teilnehmer keine E-Mail-Adresse haben, kümmern wir uns darum. Wir kümmern uns überhaupt um alles, um eine reibungslose Teilnahme zu gewährleisten und senden jedem Angemeldeten vorab eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die genau erklärt, wie man teilnehmen kann. Selbstverständlich stehe ich auch telefonisch für Hilfestellungen zur Verfügung.“

„Wir wissen, dass es herausfordernd sein kann, mit einsamen Menschen zu telefonieren. Deshalb werden die Teilnehmer an der Schulung auch auf schwierige Situationen vorbereitet und bekommen einen ganzen Werkzeugkoffer an Tipps und Hilfen“, erklärt Christina Meisinger. So sollen auch diese selbst von ihrem Alltag und ihrer Lebensgeschichte erzählen. „Die Redezeit soll für beide Seiten eine gewisse Leichtigkeit zurück ins Leben bringen und sich nach einer gewissen Zeit anfühlen, als wenn man mit alten Bekannten über Gott und die Welt redet“, sagt Christina Meisinger.

Für die Ehrenamtlichen kann die Redezeit eine sehr erfüllende Aufgabe sein. Auch sie haben dadurch einen Gesprächspartner von „außen“, mit dem sie plaudern können und der sie gerade in der jetzigen Zeit auf andere Gedanken bringen kann. Das bringt Abwechslung in den Alltag. Die Lebensgeschichten und Erfahrungen von alten Menschen können sehr wertvoll sein. „Dabei würden wir uns auch freuen, wenn wir Generationen zusammenbringen, denn dieser Austausch belebt Gespräche ungemein“, ermuntert Christina Meisinger auch junge Leute zum ehrenamtlichen Engagement. Auch für Menschen im Übergang vom Arbeitsleben in den Ruhestand, in der es oft gilt, einen neuen Sinn für das Leben zu finden, sei die Redezeit sehr gut geeignet, die neue freie Zeit sinnvoll zu verbringen.

Christina Meisinger, die den Dienst leiten wird, hat das Ausbildungskonzept erstellt. Inhalte sind unter anderem Technisches beim Telefonieren, Besonderheiten bei Telefongesprächen, Grenzen des Angebots und Grundhaltungen im Gespräch. Das Thema einfühlende Gesprächsführung wird breiten Raum einnehmen.

Bei praktischen Übungen in Form von Rollenspielen können die Teilnehmer verschiedene Gesprächssituationen üben und lernen, wie man bei schwierigen Situationen richtig reagiert. Durch diesen Teil der Ausbildung führt Tanja Petzi, Leiterin der sozialpflegerischen Ausbildung bei den Maltesern, zusammen mit Christina Meisinger. „Ich finde es spitze und absolut notwendig, in dieser Zeit vor allem die Menschen abzuholen und zu begleiten, die einsam und allein sind und die keine Gesprächspartner haben. Mit das Wichtigste bei der Ausbildung ist für mich, bei den praktischen Beispielen verschiedene Situationen einzuüben, damit die Teilnehmer sicher und gestärkt an so ein Telefongespräch herangehen können“, erklärt sie.

Die Telefongespräche sollen regelmäßig stattfinden und der Telefonkontakt langfristig bestehen. Dabei ist die Redezeit kein Krisentelefon. Ein persönliches Kennenlernen der Gesprächspartner ist nicht vorgesehen. Alle Gespräche werden absolut vertraulich behandelt und sind für die Senioren kostenlos. Ein großer Vorteil dieser Art des ehrenamtlichen Engagements ist es, dass die Ehrenamtlichen ihre Zeit völlig frei einteilen können und sie auch vollkommen ortsunabhängig sind.

Die kostenlose Ausbildung dauert rund vier Stunden und wird auf zwei Termine verteilt, wobei sich die Tage und Uhrzeiten nach den Wünschen der Teilnehmer richten. Bei genügend Interesse werden gerne auch mehrere Ausbildungen durchgeführt. „Wir hoffen sehr, dass sich viele Ehrenamtliche finden, die einsamen Menschen durch die Corona-Zeit helfen wollen. Und natürlich auch darüber hinaus“, zeigt sich Christina Meisinger zuversichtlich.

Interessierte können sich gerne bei ihr melden: Tel. 0851 95666 56, E-Mail Christina.Meisinger@malteser.org