Friedrich Hirschl (Foto: Schmidt)

Der Sprachschleifer

Lesung mit dem Passauer Autor Friedrich Hirschl zum 65. Geburtstag

(von Tobias Schmidt)

Passau. Am 15. Oktober wird der Passauer Schriftsteller Friedrich Hirschl 65 Jahre alt. Die bisweilen an japanische Haikus erinnernden sprachlich pointierten Naturbilder seiner Lyrik wurden in den letzten Jahren einem immer größeren Leserkreis bekannt. Ob das nur an Rezensionen in renommierten Medien des gesamten deutschsprachigen Raums zu den letzten beiden seiner insgesamt acht Büchern und Veröffentlichungen in Ahtologien und Jahrbüchern liegt? Wohl nicht, doch dazu schaue man in die beiden erwähnten Erfolgstitel „Flussliebe“ (Stutz Verlag, 2012, 2. Aufl. 2013) und „Stilles Theater“ (edition lichtung, 2017) hinein: Der Leser entdeckt hier geschliffene (nicht geschraubte!) Metaphern, mal groß in ihrer Schlichtheit, mal mit beinahe zärtlicher Ironie gebrochen.

Mit den Jahren hat der studierte Theologe und Philosoph, der sich einst an der seelischen Düsternis eines Georg Trakl abarbeitete, dem passionierten Stadtspaziergänger und Naturbeobachter Platz gemacht. Der wiederum versteht es, Alltagsphänomene metaphorisch zu deuten und im Lauf der Jahreszeiten darzustellen. Und dabei mit lakonischen Worten dem Leser allzumal ein versöhnliches Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Dabei versteht es Hirschl durchaus, auch ganz ernst nach dem aus den Fugen geratenen Verhältnis von Mensch und Natur zu fragen, jedoch immer in einer Form abseits tagespolitischer Erregung. So ist das, wenn man der Sprache als Werkstoff und Werkzeug Respekt entgegen bringt.

Zum täglich am Schreibtisch eingeübten „Schliff“ der Sprache, gehört gerade auch das Weglassen, die lakonische Andeutung und das beredte Schweigen. Was ja oft nachhaltiger wirkt, als der erhobene Zeigefinger. Was im Kulturbetrieb den Nerv einiger Entscheider traf: 1992 erhielt Friedrich Hirschl die ELK-Feder des Ernste-Lyrik-Kreises München. 2011 wurde Hirschl nominiert für den E.ON Kulturpreis Bayern. 2015 bekam er den Kulturpreis des Landkreis Passau verliehen, 2018 den Kulturellen Ehrenbrief der Stadt Passau.

Friedrich Hirschl (Foto: Nicole Schaller)

Unsere Redaktion (MuW Medienhaus) wünscht Friedrich Hirschl jene Ruhe, um an neuen sinnigen, hintersinnigen und doch fortdauernden Sprachbildern zu arbeiten. Und jenes Quantum Unruhe, das es braucht, um unserer schneller gewordenen Welt sprachlichen Sinn zu schenken. Jawhl, zu „schenken“, denn weder „stiftet“ dieser Autor, noch „ringt“ er mit großer Geste „ab“.

Zum 65. Geburtstag veranstaltet die Stadt Passau eine „Im Fluss der Zeit“ betitelte Lesung mit Friedrich Hirschl am Donnerstag, 21. Oktober um 19.30 Uhr im Kulturmodell Bräugasse mit einer lyrischen „Aus- und Querlese“ aus mehreren Gedichtbänden. Dr. Stefan Rammer wird ins schriftstellerische Werk einführen. Der Eintritt ist frei.
Übrigens: Friedrich Hirschl verriet uns, dass voraussichtlich im Spätsommer/Herbst 2022 in der viechtacher edition lichtung ein neuer Lyrikband von ihm erscheinen wird.