„Politik lässt uns im Regen stehen!“ kritisiert Ralf Müller, Geschäftsführer der Johannesbad Hotels, die Staatsregierung und fordert Hilfspaket für Hotellerie

• Kostendeckender Betrieb von Hotels unter aktuellen Vorgaben unmöglich
• Forderung nach finanzieller Hilfe wie in Baden-Württemberg
• Breit angelegtes Hygienekonzept für sicheren Urlaub

München/Bad Füssing. Noch blickt Ralf Müller positiv in die Zukunft. Und dass, obwohl er sieben Hotels leitet, fünf davon stehen im bayerischen Bad Füssing. Sie alle lassen sich unter den aktuellen Vorgaben zur Minimierung des Infektionsrisikos nicht kostendeckend führen. „Ich bin nur deshalb noch optimistisch, weil ich hoffe, dass die bayerische Staatsregierung ein Einsehen hat und der einheimischen Hotellerie durch diese nicht selbst verschuldete Krise hilft“, erklärt er, „Bayern braucht den Tourismus, um die wirtschaftliche Delle nach dem Lockdown durch die Corona-Pandemie wieder ausgleichen zu können.“ Baden Württemberg habe beispielsweise ein Hilfspaket über 330 Millionen Euro für Hotellerie und Gastronomie aufgelegt. In Bayern dagegen – einem der beliebtesten deutschen Reiseziele – sei noch keine staatliche Unterstützung in Sicht. „Man kann nicht Fluggesellschaften und Reiseveranstalter retten, aber die eigene Hotelbranche im Regen stehen lassen“, ärgert sich der Hotelier, und fügt an: „der Tourismus in Bayern ist für die Wirtschaftskraft des Landes elementar.“ Von daher müsse es doch im Interesse des Freistaats sein, dass Hotels nicht pleitegehen. Wie der Bundesverband DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) hatte sich auch der Hotelier weitaus mehr vom Konjunkturpaket der Bundesregierung erhofft. Er schließt sich der Forderung an: „Die geplanten Summen sind zu gering. Überbrückungshilfen für drei Monate greifen deutlich zu kurz. Diese müssen mindestens auf sieben Monate ausgeweitet werden.“ Seine Forderung: „Ein breit angelegter Rettungsschirm für die bayerische Hotellerie, damit wir auch morgen dahoam noch Urlaub machen können!“

Sicher urlauben in Deutschlands Urlaubsland Nummer 1

Rund 34 Milliarden Euro gaben Touristen 2019 in Bayern aus; das sind 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Freistaats. Nach Angaben des bayerischen Wirtschaftsministeriums hängt das Einkommen bei bis zu 600.000 Einwohnern in Bayern vollständig vom Tourismus ab; der Anteil Bayerns an der touristischen Wertschöpfung in Deutschland liegt demnach bei 20 Prozent. Im Jahr 2019 erzielte das Reiseland Bayern einen historischen Gäste- und Übernachtungsrekord: Mehr als 40 Millionen Gäste besuchten den Freistaat und tätigten dabei allein in den Unterkünften mit 10 und mehr Betten über 101 Millionen Übernachtungen. Das bayerische Wirtschaftsministerium spricht damit von Bayern als eine der „führenden Ganzjahres-Destinationen in Europa und Tourismusland Nummer 1 in Deutschland“. Deutschlandweit ist die Branche mit insgesamt rund drei Millionen Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber.

Hygienemaßnahmen steigern Kosten um 15 Prozent

Dagegen stehen enorme Umsatzeinbußen im Jahr 2020. Der Deutsche Tourismusverband (DTV) nennt in einer Hochrechnung für März und April in deutschen Destinationen fehlende Umsätze in Höhe von 24 Milliarden Euro. Gerade jetzt brauche die heimische Tourismusbranche Unterstützung. „Wir haben höhere Kosten für Personal und Hygiene bei gleichzeitig geringerer Auslastung“, erklärt Ralf Müller. Denn die Mindestabstände müssen eingehalten werden; „das erlaubt uns eine Auslastung von maximal 60 Prozent“, erklärt er und ergänzt: „Und die Verdopplung der Reinigungszyklen erhöht die Kosten um 15 Prozent.“

In den Häusern der Gruppe setzt Ralf Müller Hygienemaßnahmen nach medizinischen Standards um. Immerhin 18 Prozent hatten laut einer Umfrage von YouGov Anfang Juni die größte Sorge vor einer Ansteckung am Urlaubsort. „Es ist mir wichtig, dass wir alles tun, um unsere Gäste sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor einer Ansteckung zu schützen“, betont er. Er hofft jetzt auf einen guten Sommer für den bayerischen Tourismus und ein Einsehen der Staatsregierung: „Die Deutschen urlauben in diesem Jahr lieber im eigenen Land, wie aktuell festzustellen ist. An Nord- und Ostsee wird es schon eng. Wir im Süden haben viel Platz; Bayern hat neben Bergen und Seen einiges zu bieten.“ Der Hotelexperte sagt: Doch auch wenn so viel Gäste kommen, wie wir beherbergen können, ist ein kostendeckender Betrieb unter den aktuellen Bedingungen einfach nicht möglich.“

Der Gast ist König – das gilt in den Johannesbad Hotels. Eine Online-Befragung der Johannesbad Hotels unter rund 3.000 Gästen hat ergeben: 65 Prozent wünschen sich weiterhin Büfetts, jedoch nur mit einer Begrenzung der Personenzahl. Mehr als 70 Prozent sprachen sich für einen Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Tischen aus. Auch mehrere Essenszeiten, um die Anzahl der Gäste im Restaurant zu begrenzen, wurden positiv gesehen (64 Prozent). „In allen Johannesbad Hotels mit Ausnahme des Ludwig Thoma bieten wir Frühstückbüfetts an – allerdings bedient“, erklärt Ralf Müller, „die Gäste suchen sich aus, was sie essen möchten. Das Angebot ist durch Plexiglasscheiben geschützt; Mitarbeiter füllen die Teller.“ Im Johannesbad Hotel Ludwig Thoma stehen sieben verschiedene Frühstücksangebote à la carte zur Auswahl. Die Essenszeiten werden in allen Häusern auf vier Stunden ausgedehnt. „Das erhöht natürlich den Personalbedarf und somit auch die Kosten“, fasst er zusammen. Ralf Müller verspricht den Gästen: „Die Preise für unsere Gäste bleiben stabil. Die Mehrkosten müssen wir selbst irgendwie tragen, unseren Part die Situation zu meistern nehmen wir ernst und engagieren uns. Umso schwieriger ist das, wenn uns die Politik dabei ganz im Regen stehen lässt. Lange kann das kein Hotel durchhalten.“

Investition in den Urlaub dahoam

Unterstützung bekommen die Johannesbad Hotels von anderer Stelle: „Für unsere eigenen Häuser ist die Sache klar, aber auch unsere Verpächter stehen hinter uns. Sie helfen, wo sie können“, sagt Ralf Müller. „Gemeinsam werden wir diese Herausforderung bewältigen.“ Der Hotelier zeigt sich dankbar – die gute Zusammenarbeit in der Krise folgere aus dem gewachsenen Vertrauensverhältnis zwischen Johannesbad Gruppe und ihren Geschäftspartnern. „Wir engagieren uns gemeinsam für die Standorte Bad Füssing und Bad Hofgastein.“ Dazu trägt auch bei, dass die Johannesbad Hotels auch in diesem Jahr investiert haben – in Renovierungen und neue Angebote für Wellnessgäste und speziell für Familien. „Nur so können wir unseren Gästen Urlaub für Körper und Seele ermöglichen“, sagt Ralf Müller, der rechtzeitig zur Öffnung der Hotels an Pfingsten den erweiterten Wellnessbereich im Johannesbad Hotel Königshof präsentiert hat. Er verfügt über neue Angebote zum Inhalieren, ein Kneippbecken, neue Saunen in einem abgetrennten Bereich sowie Salzreinigung im Hallenbad – das Ganze auf insgesamt 500 Quadratmetern. Allein in diese Neuerung hat die Johannesbad Gruppe 1,8 Millionen Euro investiert.

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