Fünf außergewöhnliche Künstler aus dem Bayerischen Wald wollen gemeinsam ein Statement zu Herkunft und Heimat setzen – und beweisen, dass große Kunst nicht nur in Metropolen entsteht

Freyung-Grafenau (obx) – Wassily Kandinsky hatte den „Blauen Reiter“, Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel die „Brücke“ und Otto Dix die „Dresdner Sezession“: Viele große Künstler setzen seit jeher auf die Dynamik des Miteinanders. Die gleiche Kraft wollen auch fünf Kreative aus dem Bayerwald nutzen: Sie gründeten 2016 ihre eigene Künstlergruppe. Sie trägt den Namen „Woyd“. Dahinter steckt ein Wortspiel: Der Titel ist zum einen eine Hommage an das bayerisch ausgesprochene Wort „Wald“ und zum anderen eine Reminiszenz an die Heimatstadt der Künstler, Freyung-Grafenau – deshalb das „Y“ im Namen. Was sie mit ihrem Zusammenschluss zeigen wollen: Große Kunst kann auch abseits der Metropolen entstehen – und dort auch einen Platz finden. Ihre eigene Heimat, der Bayerische Wald, ist Dreh- und Angelpunkt ihres Schaffens. Ihre Bühne aber ist viel größer: In diesem Jahr gelang es „Woyd“ zum ersten Mal, München zu erobern.

Zu „Woyd“ gehören fünf Künstler: Gabi Hanner, Alfons Neubauer, Rudi Ranzinger, Manfred von Glehn und – seit Neuestem -Eva Kühberger. Gabi Hanner ist geborene Münchnerin und Kulturpreisträgerin. Als Malerin und Bildhauerin stellt sie ihre Werke bereits seit vier Jahrzehnten im In- und Ausland aus. Das bevorzugte Thema der Künstlerin ist die menschliche Figur in Skulptur, Grafik und Malerei. Ihre Werke wie die Terrakotta-Figur „Girl“ sind heute begehrte Objekte in Skulpturenparks. 

Bildhauerin Gabi Hanner. Foto: obx-news/Woyd

Alfons Neubauers Inspirationsquelle ist das Kraftfeld zwischen Antike und Gegenwart, Stadt und Land. Der aus Freyung-Grafenau stammende Bildhauer und Restaurator beschäftigt sich intensiv mit der Landschaft. Zwei seiner Werke, der Stadtbrunnen und der Pfenniggeigerbrunnen mit ihren beiden lebensgroßen Bronzefiguren, prägen heute das Zentrum seiner niederbayerischen Heimatstadt. 

Rudi Ranzinger kam über das Kunsthandwerk zur bildenden Kunst. Er beschäftigt sich seit einigen Jahren vorzugsweise mit Zinkblechflächen, auf denen das Wetter und der Gebrauch ihre Spuren hinterlassen haben. Auch die Aquarellmalerei gehört zu seinen Passionen. „Rostblech“ nennt er eines seiner typischen Werke: Es ist gekennzeichnet von Spuren einer natürlichen Abnutzung und Verformung. Farbpigmente, Blattsilber und Blattgold lassen es zu einem ästhetischen Werk werden. 
Auch ein Stück Südamerika findet sich im „Woyd“: Manfred von Glehn wuchs in Brasilien auf und arbeitete als freier Künstler in Genua. Seit zwei Jahrzehnten hat der der Maler und promovierte Soziologe in Niederbayern eine neue Heimat gefunden: Im Mittelpunkt seines Schaffens steht gegenständliche Acryl-Kunst. Auch seine Werke werden im Bayerischen Wald hoch geschätzt: Sie hängen unter anderem in der Rathausgalerie in Hinterschmiding sowie der Galerie „Ars Nova“ in Freyung. 

Eva Kühnerer ergänzt das Gründungsquartett. Foto: obx-news/Woyd

Eva Kühberger bereichert seit kurzem das Gründungs-Quartett: Bei ihr trifft Schauspielerei auf Kirchenmalerei. Die gebürtige Rotthalmünsterin ist Vergolderin und Kirchenmalerin und ergänzt die Künstlergruppe um die Aspekte Wandmalerei, Restaurierung und künstlerische Wandgestaltung. Mit ihrem Können begeisterte sie unter anderem bei einer Einzelausstellung  im Rahmen des Jubiläums „350 Jahre Barock in Passau“. Ihre großen Themen: „Carpe Diem“ (Nutze den Tag), „Memento Mori“ (Bedenke, dass du sterben musst) und „Vanitas“ (Alles ist Eitel). Ihren ersten großen gemeinsamen Auftritt hatte „Woyd“ jetzt in München im Schloss Nymphenburg. Kunst mit „Herkunft und Heimat“ zu machen: Das sieht das Quintett auch als Auftrag für die Zukunft. 

×

(Anzeige)

×