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IHK-Gremium sammelt Erfahrungen und Forderungen der Unternehmen aus FRG

Eine erste vorsichtige Zwischenbilanz der Corona-Krise haben die Unternehmer im IHK-Gremium Freyung-Grafenau gezogen. Mit umfassendem Hygienekonzept und ausreichend Abstand trafen sich die Unternehmer um die Gremiumsvorsitzende und IHK-Vizepräsidentin Elisabeth Hintermann vergangene Woche zu einer Sitzung in der IHK-Geschäftsstelle in Passau. Im Gremium kommen Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größenklassen aus dem Landkreis zusammen – entsprechend breit war die Summe ihrer Erfahrungen mit Pandemie und Shutdown. „Viele der regionalen Betriebe haben die vergangenen Monate einigermaßen überstanden, einigen wenigen hatte die Pandemie sogar kaum Probleme gemacht, etwa im Baubereich oder in der IT. Es gibt aber genauso Unternehmen und Branchen, die es weiterhin sehr schwer haben, etwa in Bereichen wie Gastronomie und Hotellerie, Reise und Tourismus, Sport, Event oder Veranstaltungen.“ Aber auch in der Industrie laufe noch nicht alles wieder rund, betonte Hintermann und nannte allgemein den Export, den Maschinen- und Anlagenbau sowie insbesondere die Automobilindustrie. „Corona hat die Herausforderungen und den tiefgreifenden Wandlungsprozess in der Automobilbranche noch verstärkt“, sagte die Gremiumsvorsitzende. Dieses differenzierte Bild deckt sich mit den Umfragen und Bewertungen der IHK zur Krise: „Die Zeichen stehen auf Erholung, aber nicht auf Entwarnung“, mahnte IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner.

Einige der Unternehmer im Gremium gehen davon aus, dass die großen Schwierigkeiten erst noch kommen werden, etwa wenn Beschäftigte aus Kurzarbeit zurückkehren, aber Umsatz und Auftragslage weiterhin nicht angezogen haben. Die jetzt verstärkt genutzten Bank- oder Hilfskredite seien eine weitere Belastung und ein Bonitätshemmnis für Investitionen in der Zukunft. Dass die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht verlängert werden soll, kritisierte das Gremium in diesem Zusammenhang deutlich – besser sei, sanierungsfähige Unternehmen zu retten, aber gleichzeitig die Geschäftspartner als Gläubiger eines von der Unternehmenspleite betroffenen Betriebs durch ein geordnetes Insolvenzverfahren zu schützen.

Das Instrument der Kurzarbeit wird von den Unternehmern im Gremium hingegen als sinnvoll und wichtig erachtet, um die Krise zu durchstehen, viele haben dieses Instrument genutzt. Allerdings sorge die Kurzarbeit in Verbindung mit der allgemein schwachen Wirtschaftsleistung beispielsweise auch für Lieferschwierigkeiten, was einen kraftvollen Neustart verhindere. Ebenso wurde das fehlende regionale wie internationale Messegeschäft von einigen Unternehmen als Problem genannt – gerade die im Landkreis stark vertretene Industrie vermisst diesen Vertriebskanal. „Allein mit Videokonferenzen kommen wir nicht in die Märkte hinein“, bekräftigte Hintermann. Mit Blick auf die Phase des Shutdowns kritisierten die Gremiumsmitglieder die teilweise schlechte Erreichbarkeit der Behörden. Speziell die Händler beklagten den Totaleinbruch während des Shutdowns – diese Verluste könne man nicht mehr aufholen. Andererseits haben beispielsweise die Modehändler von den gestiegenen Gästezahlen im Bayerischen Wald während der Sommerreisesaison profitiert, was die Rolle des Tourismus als „Querschnittsbranche“ verdeutlicht.

Besonders betroffen war gerade der Wirtschaftsraum Freyung-Grafenau zudem von den anfangs ebenso unklaren wie einschneidenden Regelungen zum Grenzübertritt, schließlich beschäftigen die heimischen Betriebe viele Mitarbeiter etwa aus der Tschechischen Republik. Für Hintermann war dies nur ein Beispiel dafür, wie schlechte Informationspolitik, Rechtsunsicherheit und Ungleichbehandlung die Krise für die Unternehmen noch verschärfen: „Die Politik muss alles dafür tun, wirtschaftliche Schieflagen zu vermeiden. Die Unternehmen brauchen faire und klare Regeln in der Corona-Pandemie sowie gute Standortbedingungen, um mit mehr Eigenverantwortung die Krise durchzustehen“, forderte die Gremiumsvorsitzende.

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