Weltstars, spannender Nachwuchs und zwischendrin ein wenig Alte Musik. Vielseitigkeit pur an Pfingsten beim 34. Inntöne-Festival.

(von Tobias Schmidt)

Diersbach/OÖ. Pfingsten naht. Jazzfreunde nah und fern wissen dann: es ist wieder Zeit für das Inntöne Festival. Drei Tage lang Musik, Auftanken zu blue notes mit Groovebeigabe, dazu Speck von hauseigenen Biosauen und andere Leckereien am Buchmannhof im oberösterreichischen Diersbach inmitten des Sauwalds. Dort ist Inntöne-Festivalorganisator, Jazzverleger, Posaunist und Biobauer Paul Zauner daheim.

Die Erkennungsmelodie der Inntöne-Hausband Paul Zauner‘s Blue Brass ist das fröhliche „African Market Place“, geschrieben Ende der 1980er Jahre von Abdullah Ibrahim, dem Doyen der seit den 1950ern wegweisende Impulse setzenden südafrikanischen Jazzdiaspora. Am Freitag, 7. Juni, dem ersten Festivalabend, wird der 84-jährige Pianist ein Solokonzert bei den Inntönen spielen – Wahnsinn!

Abdullah Ibrahim (Foto: Shanna Jones)

Tags darauf übrigens ein zweites Solorecital mit dem amerikanischen Tastenmann Brian Marsella. Durch den großen Richie Beirach erfolgreich vom Cembalo und der Klassikfraktion abgeworben und mit einigen spannenden Veröffentlichungen unter anderem bei John Zorns Tzadik-Label im Gepäck, sollte man diesen Musiker unbedingt kennenlernen.

Noch dazu, wo heuer sehr viele musikalische Gäste zum wiederholten Mal, jedoch meist in neuen Ensembles vorbei schauen: Anna Lena Schnabels wunderbarer Pianist Florian Weber z.B. mit eigenem neuen Quartett, oder – auf andere Weise verrückt an den Tasten – der Wiener David Helbock mit Random Control. Die Tenore Goine aus Sardinien und ihren Kehlkopfgesang sind nach zehn Jahren wieder zu Gast, Bass Gavino Murgia begleitet seine Sänger jedoch diesmal zusätzlich auf dem Saxophon und mit Jazzquartett. Nein, wir wissen auch noch nicht, wie diese Melange klingen wird, aber diese Überraschungen unter alten Bekannten ist ja auch das Schöne an diesem Festival.

Stéphane Belmondo & Sylvain Luc (Foto: Alexandre Lacombe)

Der Tubist Theon Cross und seine aktuelles Album „Fiya“ sei noch empfohlen. Da klingt bisweilen urbaner Reggae mit, was bei Cross‘ letztjährigem tieftönenden Einstand mit den Sons of Kemet so gar nicht der Fall war. Gegenwärtig entwickeln ja junge Musiker eine Afrofuturismus-Sound für das 21. Jahrhundert, Cross ist einer von ihnen, die an dieser spannend groovenden „Post-Sun Ra Musik“ mitwerkeln.

Ebenfalls „Wiederholungstäter“ aus der Blechbläserfraktion ist der französische Trompeter Stéphane Belmondo (ein Ton, zum Weinen schön!), der am Samstagnachmittag im Duo mit dem Gitarristen Sylvain Luc in der „Musikantenscheune“ des Buchmannhofs auftreten wird.

Am Pfingstsonntag ist an diesem Nachmittagsspot der brasilianische Weltstar des Bossa Nova-Jazz Toninho Horta zu hören, ebenfalls im Duo mit dem Österreicher Rudi Berger an der Violine. Kein Jazzfestival ohne „reeds men“ – heuer stoßen bei den Inntönen Azar Lawrence und Jean Toussaint ins tenorsaxophonische Horn. Was es 2019 nicht gibt, ist eine Jazzdiva mit Great American Songbook unterm Arm (bzw. in den Stimmbändern). Statt dessen Gospel und Soul mit The Como Mamas aus Mississippi und…   …gesignt bei Daptone Records, also dort wo Amy Winehouse Platten aufnahm, und wo Charles Bradley und Sharon Jones ihre musikalische Heimat hatten. Zuletzt soll noch jenes Konzert am Samstagabend erwähnt werden, was vielleicht am ehesten abseits aller „Jazz“-Kategorien firmiert.

Brian Marsella (Foto: Piccasa)

Der Nyckelharpaspieler Marco Ambrosini (Passauer Jazzclubbesuchern kein Unbekannter), und die Obertonsängerin und Harfenistin Anna-Maria Hefele sind mit ihrem um Maultrommel, Kannel und Cembalo ergänzten Quintett Supersonus zu Gast. Das ist, wie schon einmal vor zehn Jahren bei den Inntönen, ein Beitrag mit „auf zeitgenössisch gedrehter Renaissancemusik“, die sich ja mit dem Jazz einen ähnlichen Zugang zur Improvisation teilt. Fein, dass es das wieder gibt.

Tenore Goine di Nuoro & Gavino Murgia Blast Quartet (Foto: INNtöne+Tiziana Pala)

Der bewährte Festivalrahmen mit Kinderprogramm, Ausstellung, den eingangs erwähnten regionalen Köstlichkeiten und Aftershow Gigs im umfunktionierten und ironisch nach einem Club in Harlem „St. Pig’s Pub“ umbenannten Schweinestall sei ebenfalls noch erwähnt. Das Festivalgelände auch wieder per Busshuttle von Passau und Schärding aus erreichbar. Genaueres zu Programm, Rahmung und Kartenvorverkauf online unter www.inntoene.com.

Theon Cross (Foto: Schmidt)