Von Mimikri-Pop bis Mutmach-Lyrics beim 5. Passauer Impuls Festival

(von Tobias Schmidt)

Zum insgesamt fünften Mal ging am vergangenen Wochenende das Passauer Impuls Festival Passau erfolgreich über insgesamt sieben Bühnen im Stadtgebiet. 25 Musikacts spielten sich am Freitag- und Samstagabend in Redoute, Zeughaus, Zauberberg, Café Museum, Heiliggeist-Kirche, dem Jugendtreff Domino in der Guntherburg und der Soiz Galerie quer durch alle Genres. Vorgeschaltet war die mit Workshops und Liederwettbewerb angefüllte Popkulturwoche. Dank geschickter  Themenwahl war das Passauer Showcase-Festival so auch heuer wieder zum einen  Branchentreff für Musikschaffende, aber auch für kreative Geister im Publikum abseits der Bühne ein Gewinn.

Warum solche Formate, die Popkultur als regionale Gestaltungsaufgabe feiern wichtig sind? Weil der popsozialisiserte Bevölkerungsanteil unserer Gesellschaften wächst, die Marktstrukturen der Popwelt aber nicht mehr so wie einstmals funktionieren. Dabei ist in Sachen Clubkultur gerade in der süddeutschen Provinz eine Menge geboten. Selbermachen und sich zeigen lautet darum die Devise. Zu sehen waren am Wochenende aufstrebende und bereits in Nachwuchsförderprogrammen wie BY-On etablierte Acts. Und spannende Musik? Na, sagen wir „interessant“, wirklich große Überraschungen bekam unsere Redaktion heuer nicht zu Gehör.

Matija (Foto: Schmidt)

Black Orbit ein Progressiverock-Trio aus dem Raum Passau etwa. Wem bisweilen nach Neoklassik-Shredsounds ist, hier geht es an E-Violine und Gitarren mit auch mal mehr als sechs Saiten ordentlich zur Sache. Und wer zu weniger komplexen Taktarten ordentlich Mitstampfen wollte – wurde bei der Folkrock Formation John Garner fündig. Zweimal Songwriter mit sphärischen Electrosounds beziehungsweise Beatbasteleien gab es bei LoriiA und Ant Antic. Allein, beide für die klanglich wieder formidable Heiliggeistkirche gebuchten Acts zündeten nicht bei allen Zuhörern so recht.

The Dirt (Foto: Schmidt)

Dafür etwa Fischer & Rabe, Karin Rabhansls neues Duoprojekt sehr wohl. Ist also bei den singenden Wortschmieden weniger Arrangement mehr? Jein, lässt sich die Antwort mit der Wiener Rapperin Yasmo formulieren. In Passau wurde Yasmin Hafedh, alias Yasmo, von DJane Nika unterstützt, doch standen die von nonchalant bis rotzig-humorigen Texte der mehrfachen Siegerin deutscher und österreichischer PoetrySlams und Kuratorin des Popfests Wien 2019 ganz klar im Mittelpunkt. Und mithin Mutmach-Lyrics einer großartigen Performerin.

LoriiA (Foto: Schmidt)

Zu lachen gab’s auch einmal etwas beim Augsburger Mimikri-Pop von Roberto Bianco & Die Abbrunzati Boys, die Italienromantik aus dem Schlager liebevoll und mit großer Geste verhackstückelten. In Passau bereits bekannt war Matija, und auf deren zweites Album man sich freuen darf. Das Münchner Trio ist stilistisch schwer einzuordnen, erinnert beim Gesang stellenweise an den Kanadier Patrick Watson, beherrscht Ohrwürmer mit Mitsingqualitäten, Staunen machende Instrumentalsoli ohne Poserattitüde, aber eben auch die große, dramatische Mörderballade – ein Erlebnis!

Yasmo feat. DJane Nika (Foto: Schmidt)

Allemal ein gelungener Musik-Auftakt für die 2020er Jahre. Mal sehen, welche „Impulse“ uns künftig erwarten.  

Auch das Publikum war begeistert an der Sache (Foto: Schmidt)