Bezirkstagspräsident Heinrich zu Fachgespräch bei IHK

Wo liegen die Schnittstellen zwischen Tourismus, Politik und Wirtschaft? In deutlich mehr Bereichen, als zunächst gedacht. Das hat ein Tourismusfachgespräch in Passau zwischen Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, Vertretern der IHK Niederbayern um Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner sowie Alexander von Poschinger vom Tourismusverband Ostbayern gezeigt. IHK-Tourismusreferentin Daniela Hausteiner erläuterte anhand von Zahlen der Kammer die Bedeutung des Hotel- und Gastgewerbes für Niederbayern. Über zwölf Millionen Übernachtungen und 3,2 Millionen Ankünfte pro Jahr brächten etwa 2,6 Milliarden Euro Wertschöpfung in die Region. Davon profitierten nicht nur Hotels und Gasthäuser: 31 Prozent der Wertschöpfung kommen laut Hausteiner dem Einzelhandel zu Gute, Dienstleister sind mit 22 Prozent beteiligt. Neben wirtschaftlichen Effekten und der Schaffung von Arbeitsplätzen wirke sich der Tourismus zudem positiv auf die Infrastruktur aus. Heinrich betonte, dass viele Angebote an die Bevölkerung von öffentlichem Nahverkehr bis Besuchereinrichtungen ohne den Tourismus nicht in dieser Tiefe angeboten werden könnten.

Die bestehenden Schnittmengen noch zielgerichteter ausweiten, dieses Anliegen formulierte IHK-Hauptgeschäftsführer Schreiner. Er plädierte für größere Planungseinheiten statt Kirchturmpolitik sowie einen sinnvollen Einsatz von Fördermitteln, auch mit Blick auf die Neuerungen in der EU-Förderung, die nach 2020 zu erwarten sind. Gerade Punkte wie Fachkräftemangel und Digitalisierung wirkten sich in den niederbayerischen Tourismusbetrieben genauso aus, wie etwa in Fördergebieten in Osteuropa.

In diesen wie in vielen anderen Themen erwarte sich die Wirtschaft eine Rückkehr zur sachorientierten Diskussion, in der Emotionen nicht die Fakten ersetzten, sagte Schreiner. Die Runde kam hierzu beispielsweise auf die Flächennutzung zu sprechen. Heinrich, zugleich Bürgermeister in Freyung, verwies darauf, dass für die dort anstehende Landesgartenschau in einem Bebauungsplan eine ökologisch wertvolle Park- und Naturfläche beplant werde. Statistisch werde diese Natur der „verbrauchten Fläche in Bayern“ zugesprochen und damit wie eine versiegelte Asphaltfläche behandelt – ein verzerrtes Bild. „Wenn von dem Ziel gesprochen wird, dass weniger Fläche verbraucht werden soll, dann muss mit ehrlichen und zutreffenden Zahlen gearbeitet werden und eben nicht nur mit der Fläche, die ein Bebauungsplan umfasst“, forderte Heinrich. Peter Sonnleitner, IHK-Branchenbetreuer für Infrastruktur und Verkehr, sprach die derzeitige Diskussion um Kreuzfahrtschiffe an. Man könne und müsse über Verbesserungen sprechen und dazu Lösungen suchen, dürfe aber gleichzeitig nicht vom Tisch wischen, dass die Schifffahrt bereits jetzt eine ausgesprochen umweltverträgliche Art des Reisens darstelle, große wirtschaftliche Bedeutung für die gesamte Region habe und eine nicht hoch genug einzuschätzende Imagewerbung darstelle.