Miles Davis-Saxmann Bill Evans mit neuer Band samt Drummer Wolfgang Haffner in Passau

(von Tobias Schmidt)

Schauen Sie doch einmal daheim im CD-Regal nach! Gibt’s da vielleicht etwas von Countrygrandseigneur Willie Nelson? Mick Jaggers Debütalbum, oder etwas aus dem Spätwerk der Allman Brothers? Die wenig erquickliche Wiederauflage von John McLaughlins Mahavishnu Orchestra tut’s auch; oder etwas aus den Achtzigern, als Jazztrompeter Miles Davis, den „Decoy“, den Lockvogel für Leute wie Mike Stern, Gitarre, Percussionist Mino Cinelu und Bassmann Marcus Miller gab.

Wenn Sie auf einem dieser Tonträger ein Tenor- oder Sopransaxophon hören, dann hören sie sehr wahrscheinlich Bill Evans zu. Auf den ältesten dieser Aufnahmen war er Anfang zwanzig, spielte seither über 25 eigene Alben ein, schrammte dafür mehrmals haarscharf an Grammy-Weihen vorbei. In den frühen 2000er Jahren sah man ihn auch auf deutschen Bühnen häufiger, „Soulgrass“ hießen Album und Ensemble damals und die Stilmelange aus Bluegrass und Souljazz ließ aufmerken.

Nun besucht Bill Evans wieder einmal Passau. Am Montag, 15. Juli, stellt er im Jazzclub Café Museum seine jüngste Band „The Spy Killers!“ vor. Auf Funk gedrehten Souljazz an Groove mit der gehörigem Portion Dreck unterm Daumennagel. Wofür exzellente Mitspieler verantwortlich zeichnen: Chaka Khan, Klaus Doldingers Passport, Götz Alsmann und viele andere Namen hat Jazzdrummer Wolfgang Haffner in seinem Lebenslauf stehen. Auf über 400 Alben ist er zu hören. Nach der letztjährigen JazzBaltica empfahl Haffner Evans den 21-jährigen Keyboarder und Hammondorganisten Simon Oslender. Er war das fehlende Puzzleteil für den damals noch unvollständigen Bandsound. Das wurde auf der gemeinsamen Tour durch Australien schnell klar. Und während noch die damals erstellten Tonaufnahmen CD-tauglich gemischt wurden, stellte sich Oslender zu Jahresbeginn mit guter Resonanz auch bei der diesjährigen Jazzwoche Burghausen vor.

Bill Evans & Spy Killers (Foto: Bill Evans)

Für aufmerksame Jazzfreunde wird es also ein Wiedersehen. Das Quartett rund macht Gary Grainger, in saxverstärkten Gitarrentrios von John Scofield bis Ulf Wakenius langzeitgestählter Bassist. Mit einem schönen Nebenjob: Grainger ist (einziger) Hausdesigner für Bassgitarren der weltweit renommierten E-Gitarrenwerkstatt von Paul Reed Smith im US-Bundesstaat Maryland – wo ja bei der „Dünndrahtzupferfraktion“ unter anderem Carlos Santana ein und aus geht.

Ein hochkarätiges Jazz-Kleeblatt also, auf das man sich freuen darf. Konzertbeginn ist um 20.30 Uhr im Café Museum, Bräugasse 17, Passau. Kartenreservierung auch online möglich unter: www.cafe-museum.de