Arbeiten aus zwei Werkzyklen des Berliner Fotografen Andreas Trogisch in der Soiz-Galerie

(von Tobias Schmidt)

Bilder eines Spätentdeckten sind im September und Oktober in der auf zeitgenössische Fotografie spezialisierten Soiz Galerie zu sehen. Andreas Trogisch, 1959 in Riesa geboren, und zur Wendezeit in Berlin frisch examinierter Grafikdesigner, arbeitete seit Ende der 1980er Jahre als freier Fotograf und war Mitinhaber eines Grafikbüros. Neben einigen Ausstellungsbeteiligungen waren vor allem Modefotografie oder Plakatgestaltung seine Metiers. Mitte der 2000er Jahre machten dann einige Fotomappen unter Bildagenten und Verlegern die Runde, die sein lang erprobtes, stilistisch vielseitiges und eben auch lange übersehenes Talent offenbarten. Nach einer Gastprofessur an der Berliner Kunsthochschule Weißensee inne, zeigt Andreas Trogisch seit 2010 seine Werke in Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen (unter anderem derzeit auf der Hamburger Triennale der Photographie) und publiziert sehr erfolgreiche Fotobücher beim Berliner Verlag Peperoni Books.

“Hennigsdorf 1986“ aus der Serie “Replies“ (Andreas Trogisch)

„Roads not taken“ lautet der englische Titel der Passauer Schau. Wer hier an Sujets der street photography denkt, ist auf dem – pardon – Holzweg. Es sind dies auch nicht die „unbefahrenen Straßen“, sondern vielmehr „nichteingeschlagene Pfade“. Ein dargestellter Gegenstand hätte auch ganz anders aussehen können, eine fotografierte Szene mag ganz anders verlaufen sein, wenn nicht die Akteure vor und hinter der Kamera eine ganz bestimmte Wahl getroffen hätten. Das Potenzial der Andersartigkeit, die Wandelbarkeit von Personen, Gegenständen und Formen ist das Langzeitthema dieses Fotografen. Wobei diese Personen, Gegenstände und Formen aber fast nie Resultat eines spezifischen Ereignisses sind. Andreas Trogisch erarbeitet eine prozessuale Bildkunst, die dennoch allen dokumentarischen Anspruch vermeiden will. Trogischs Bilder aus den späten 1980er und 1990er Jahren sind Phantasmen-Spiele, in denen „Wandelbarkeit“ durchaus als „Verwandlung“ deutbar ist. Die in Passau gezeigten Exponate aus dieser Werkphase sind dem 2014 in Buchform veröffentlichten, aber als noch nicht abgeschlossen betrachteten Zyklus „Replies“ (dt. „Antworten“) entnommen. Der zweite Ausstellungsteil nimmt die die „Straßen“ oder „roads“ des Ausstellungstitels wörtlich. Die Bilder aus der Serie „Asphalt“ analysieren Texturen des Straßenbelags, der dort enthaltenen Pfeil- oder Zahlenmarkierungen und der Wandelbarkeit solcher zivilisatorischer Zeichen und Regularien in Gestalt ihrer Ab-Nutzung. Doch es gibt auch Neuschöpfungen aus diesen teer- und bitumenlastigen Close-Ups, mittels derer Trogisch den Anschluss seiner Fotokunst ans Grafikdesign vollzieht: großflächige Rollbahn- und Straßenmarkierungen werden in hunderten Einzelaufnahmen „gescannt“ und zu faszinierend detailreichen wandteppichartigen Bildern zusammengesetzt. So wird dann aus der Markierung einer maltesischen Straßenkreuzung ein rätselhaft schimmernder Planet.

„Berlin 2007“, aus der Serie „Asphalt“ (Andreas Trogisch)

Die Ausstellung „Roads not taken“ mit Arbeiten von Andreas Trogisch eröffnet am Freitag, 14. September um 19 Uhr und ist danach bis 19. Oktober 2018, jeweils Mittwoch bis Freitag 15–19 Uhr und Samstag 11–15 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung unter Tel. 0851 21051990 in der Soiz Galerie, Schustergasse 19, bei freiem Eintritt zu besichtigen. Nähere Informationen auch unter: www.soiz.de und www.andreastrogisch.de.

„Berlin 2007“, aus der Serie „Asphalt“ (Andreas Trogisch)