Kapellenhof

Es ist schon erstaunlich was eine extensiv bewirtschaftete Weide an Artenreichtum aufweisen kann. Davon konnten sich die zur Naturwanderung auf den Weideflächen am Kapellenhof in der Gemeinde Ringelai gekommenen Gäste mit eigenen Augen überzeugen.

Gerhard Falter von der Ökomodellregion Ilzer Land führte die Gruppe zusammen mit Karel Kleijn vom Bund Naturschutz und Gisela Thuringer über die Weideflächen des Kapellenhofs, welcher 2008 von der Zeitschrift „Pegasus“ mit dem Preis „Artenreichste Pferdeweide Deutschlands“ ausgezeichnet wurde. Über 180 verschiedene Gräser, Kräuter und Blumen wurden von den Biologen auf den extensiven Weiden gefunden, die von Frau Thuringer nach den Richtlinien des bayerischen Kulturlandschafts- und Vertragsnaturschutzprogrammes bewirtschaftet werden.

Die Teilnehmer der Naturerlebniswanderung am Kapellenhof bei der Erkundung der „artenreichsten Pferdeweide Deutschlands“ (Foto: Ilzer Land e.V.)

Naturnahe Weidewirtschaft ist das Erfolgsgeheimnis

Die unglaubliche Vielfalt liegt neben der extensiven Beweidung und dem Verzicht auf frühe Mähtermine sowie zugekauften Dünger und chemischen Spritzmitteln. Zwanzig Pferde leben auf dem rund 20 Hektar großen, idyllisch gelegenen, früheren Milchviehbetrieb, an den Hängen des Ohetals zwischen Ringelai und Perlesreut, den Gisela Thuringer seit vielen Jahren mit großem Engagement als Reiterhof bewirtschaftet.

Vielfalt durch Bewirtschaftung 

Bei der Erkundung der Weideflächen zeigte Karel Kleijn die vorhandene Pflanzenvielfalt in dem Mosaik von trockenen und feuchten Bereichen sowie an den Randbereichen zu Gebüschen, Feldgehölzen, Wildrosen, Schlehen und verstreut vorhandenen Einzelbäumen wie Walnuss oder Obstbäumen auf. Anhand vieler Beispiele erklärte Kleijn die Zusammenhänge von natürlich vorkommenden Pflanzen und den darauf angewiesenen Schmetterlingen, Bienen und anderen Insekten auf. Die hier vorkommende üppige Pflanzen- und Insektenvielfalt, ergänzte Falter, komme von der naturnahen, extensiven Bewirtschaftung der Flächen. Die Sicherung und Förderung einer extensiven Weidewirtschaft durch Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde und mehr seien außerdem mögliche, interessante  Zukunftsperspektiven, sowohl als Hobby als auch als Zusatzeinkommen, die es künftig wieder zu erkennen und zu nutzen gelte.

Ökonomie und Ökologie verbinden

Für Gerhard Falter den Projektmanager der Ökomodellregion sind sowohl der landwirtschaftliche Pachtbetrieb von Frau Thuringer als auch die Hotelpension „Kapellenhof“, hervorragende Beispiele von engagierten Menschen für eine gelungene Verbindung zwischen Ökonomie und Ökologie sowie für neue Wege in der Vernetzung von Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus, die auch andere Menschen inspirieren können.

Der Naturerlebnisspaziergang endete zu aller Freude mit der Sichtung eines über der Gruppe kreisenden Rotmilan, einem seltenen imposanten Greifvogel, sowie bei einer leckeren Biobrotzeit oder Kaffee und Kuchen im Hotelgasthof von Hannelore Hopfer.