Die Nachfrage nach nachhaltigen Lebensmitteln aus der eigenen Umgebung steigt. Jedoch finden viele Verbraucher oft nicht zu den Anbietern in ihrer Nähe. Internetrecherchen zu Hofläden, kleinen Handwerksbetrieben, Dorfläden oder regional beziehenden Gastronomen sind aufwändig – und die auffindbaren Informationen oft recht dürftig. Dabei ist Regionalität das zweitwichtigste Kriterium für Kaufentscheidungen.

Als Ausgründungsprojekt der Universität Passau entwickelt die Regiothek eine Plattform mit einigen Ambitionen. Entstehen wird der zentrale Ort im Internet für sinnvoll produzierte Lebensmittel aus der eigenen Umgebung.

Die Regiothek entwickelt ein Online-Portal, das den Ursprung von Lebensmitteln bis ins Detail nachvollziehbar macht. Kleine, engagierte Betriebe erhalten dadurch die notwendige Präsenz in der digitalen Welt. Und Verbraucher können die Welt der Lebensmittel jenseits der Supermarktregale entdecken. Wie in einer Bibliothek können die Verbraucher gezielt nach regionalen Lebensmitteln suchen oder sich inspirieren lassen.

Gestützt auf die sogenannte „Cross-Channel-Strategie“, die von einer EY-Studie als das zukunftsweisende Modell der Lebensmittelbranche angesehen wird, können Anbieter die Plattform nutzen, um ihre Produkte online zu bewerben und offline zu verkaufen. Die Informationen über die Herkunft der Lebensmittel wird zentralisiert gesammelt, aufbereitet und öffentlich dargestellt und personalisiert zu interessierten Verbrauchern geliefert. Verbraucher müssen nicht mehr lange selbst nach Informationen suchen, relevante Infos kommen automatisiert zu ihnen.

Regionalität wird immer wichtiger
In Niederbayern hat in Punkto nachhaltige Erzeugung vor allem der Biokreis e.V., gegründet 1979 in Passau, schon seit langem Pionierarbeit geleistet. Auch die Gründer der Regiothek teilen ein Ideal, das vielen Verbrauchern und Erzeugern heute am Herzen liegt: Eine kleinparzellige Landwirtschaft mit umweltbewusstem Wirtschaften, ein auf altes Können bedachtes Lebensmittelhandwerk und eine Gastronomie, die auf Kochkunst setzt statt auf Convenience.

Die Regiothek will den Verbrauchern vor allem Transparenz bieten: Betriebe, die gerne genaue Auskunft über die Herkunft ihrer Produkte geben sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Lieferbeziehungen angemessen zu kommunizieren: „Unseres Wissens nach gibt es weltweit keine Plattform, auf der öffentlich sichtbar Wertschöpfungsketten der Lebensmittelwirtschaft zutatengenau visualisiert werden können,“ so Anton Kohlbauer vom Gründerteam.

Vernetzt werden kleine Betriebe aus Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Gastronomie sowie Verbraucher, die Wert auf eine nachhaltige Lebensmittelwirtschaft und Regionalität legen. Dabei steht besonders Transparenz im Mittelpunkt. Verbraucher können Informationen zum individuellen Angebot und Engagement für Nachhaltigkeit direkt vom Erzeuger erhalten und somit leichter nachhaltige Konsumentscheidungen treffen.

Gründung
Hinter der digitalen Informations- und Netzwerkplattform stehen drei Passauer Existenzgründer: Alexander Treml (30), Anton Kohlbauer (32) und Simon Nestmeier (29), verstärkt durch Bastian Kühnel. Ihre Vision: „Wie Millionen von Verbraucher wünschen auch wir uns eine umweltfreundliche, gesunde und vielfältige Land- und Lebensmittelwirtschaft“, sagt Alexander Treml.

Schon die Gründungsidee entstand „direkt beim Erzeuger“: Während seines Studentenjobs bei einer regionalen Bäckerei bemerkte Alexander Treml, einer der Regiothek-Gründer, wie viel Arbeit hinter der nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion steckt und dass die Kommunikation der Betriebe zu den Verbrauchern dabei häufig in den Hintergrund rückt. Die Gründung der Regiothek ist für die Anbieter die Antwort auf die zunehmende Wichtigkeit transparenter Kommunikation. Durch das Online-Kommunikationstool können kleine Betriebe eine große Reichweite erreichen – und für Verbraucher werden Informationen zum Angebot an nachhaltigen und regionalen Nahrungsmitteln übersichtlich und verständlich präsentiert.

„Wir möchten das Großartige sichtbar machen, weil daheim am besten schmeckt.“

Aktueller Stand
Derzeit ist der Prototyp online, welcher mit Realdaten weiterentwickelt wird. Für Anbieter ist der Service bislang kostenlos. Der offizielle Launch findet ab Oktober 2018 statt und führt kostenpflichtige Features ein. Ab 8,90€/Monat können Anbieter dann erweitere kostenpflichtige Features nutzen, um ihre Reichweite zu erhöhen.