Einleitungsurkunde an Bürgermeister Pollak übergeben – Projektleiterin ist Maria Stuhlfelner – Jetzt wird eine TG-Vorstandschaft gebildet

Karlsbach. Eigentlich hätte die Dorferneuerung in Karlsbach schon vor einigen Jahren starten sollen. Terminschwierigkeiten auf verschiedenen Ebenen verzögerten aber den Start immer wieder. Doch nun geht’s wirklich los: Roland Spiller, der Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Niederbayern (ALE), übergab im Beisein mehrerer Vertreter von Stadt Waldkirchen und Ortschaft Karlsbach an Bürgermeister Heinz Pollak die so genannte “Einleitungsurkunde“. Damit verbunden ist die Zusage von staatlichen Fördermitteln in einer Gesamthöhe von 1,2 Millionen Euro.

Der kleine Festakt im Gasthaus “Bergschänke“ markierte den offiziellen Start des Projektes, das sich nach Meinung aller Anwesenden sicher über mehrere Jahre hinziehen wird. Ortsvertreter Hans Reischl, der schon bei der Ausarbeitung des Leitbildes beteiligt war, versicherte aber, die Dorfbevölkerung stehe mit großem Engagement hinter der Maßnahme: “Das Dorf wartet darauf.“

Rund zwanzig Jahre habe es gedauert, so Bürgermeister Heinz Pollak, bis aus den ersten Gedanken im Jahr 2015 auch erste konkrete Schritte wurden: Mit Dorfbegehung, Befragung der Dorfbevölkerung und der Erstellung eines Leitbildes.

Bei einem zweiten Informationsabend wurde dann das von einem Team erarbeitete Leitbild wie auch Zukunftsvisionen vorgestellt: Wie das Ortsbild umgestaltet, die Infrastruktur den heutigen Erfordernissen angepasst, die Landwirtschaft gefördert werden kann. Ebenso: Wie kann die Dorfgemeinschaft wieder auf Vordermann gebracht werden?
Damals seien, wie Heinz Pollak weiter darstellte, bereits viele Ideen und Wünsche vorgebracht worden. 2016 wollte man mit der konkreten Planung beginnen, die Vorbereitungen dazu zogen sich aber wieder über mehrere Monate hin. “Doch nun ist klar, dass wir eine Förderung bekommen, und ein Jahr nach der letzten Sitzung können wir sagen: Wir können endlich loslegen“, freut sich der Bürgermeister. Karlsbach werde im Übrigen wohl eine der letzten Ortschaften im Stadtgebiet sein, die auf diese Art und Weise modernisiert wird. Pollak dankte MdL Max Gibis, der sich ebenfalls für eine baldmöglichen Start der Karlsbacher Dorferneuerung eingesetzt habe.

Der Leiter des Amtes für ländliche Entwicklung Niederbayern, Roland Spiller, zeigte anhand einer Luftaufnahme den räumlichen Umfang der Karlsbacher Dorferneuerung auf: Er reicht vom neuen Feuerwehrhaus, dem Kindergarten und den ehemaligen Klärweihern im Süden der Ortschaft über die Dorfmitte zwischen dem Bahngleis im Westen und dem Schinderbach im Osten bis hinauf zum Winzerberg und sogar einem Teil des "Turnerhölzls" (Foto: Duschl)

Der Leiter des Amtes für ländliche Entwicklung Niederbayern, Roland Spiller, zeigte anhand einer Luftaufnahme den räumlichen Umfang der Karlsbacher Dorferneuerung auf: Er reicht vom neuen Feuerwehrhaus, dem Kindergarten und den ehemaligen Klärweihern im Süden der Ortschaft über die Dorfmitte zwischen dem Bahngleis im Westen und dem Schinderbach im Osten bis hinauf zum Winzerberg und sogar einem Teil des „Turnerhölzls“ (Foto: Duschl)

“Sie haben Ihre Hausaufgabe gemacht“, stellte auch der Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Niederbayern, Roland Spiller, heraus. Damit meinte er die diversen Vorarbeiten, die von der Stadt Waldkirchen und der Karlsbacher Dorfgemeinschaft geleistet wurden, insbesondere die Erstellung eines Leitbildes. Da sehe man, dass die Leute dahinter stehen, und da könne man auch seitens des Amtes guten Gewissens einsteigen.
“Was mir sehr gut gefällt: Dass im Leitbild keine Luftschlösser gebaut wurden“, führte Spiller weiter aus, “Sie haben realistisch geschaut: Wie können wir uns weiterentwickeln?“ Dabei stelle auch das Gelände eine Herausforderung dar.

Nun gelte es als Nächstes, eine Teilnehmergemeinschafts-Vorstandschaft zu bilden. Vorsitzende werde dabei Maria Stuhlfelner vom ALE als Projektleiterin sein.
Das ALE werde 1,2 Millionen Euro an Fördermitteln bereitstellen. Damit betrage der Fördersatz für Baumaßnahmen siebzig Prozent. Noch nicht enthalten sei die (zusätzlich zu erwartende) Privatförderung, die zwischen zwanzig und dreißig Prozent liege. “Auch die privaten Anwesen prägen das Erscheinungsbild eines Dorfes, und deren Umbau können wir mit bayerischen Fördermitteln unterstützen“, so Spiller.

Mit der Überreichung der so genannten Einleitungsurkunde wurde die geplante Dorferneuerung Karlsbach offiziell in das bayerische Dorfentwicklungsprogramm aufgenommen, wie Roland Spiller erläuterte. Dazu wünschte der AEL-Chef viel Kreativität und originelle Ideen.
Mit weiteren Urkunden, verliehen an Stadtbaumeister Christian Petzi und Hans Reischl, der das Leitbild in Form gebracht hat, drückte Roland Spiller den Dank des ALE für die bereits geleisteten Vorarbeiten aus.

Bürgermeister Heinz Pollak (links) und ALE-Leiter Roland Spiller (rechts) vertrauten Maria Stuhlfelner die Leitung des Projektes "Karlsbacher Dorferneuerung" an (Foto: Duschl)

Bürgermeister Heinz Pollak (links) und ALE-Leiter Roland Spiller (rechts) vertrauten Maria Stuhlfelner die Leitung des Projektes „Karlsbacher Dorferneuerung“ an (Foto: Duschl)

Die Marschroute für die nächste Zeit gab Projektleiterin Maria Stuhlfelner vor: “Wir werden noch heuer die Vorstandschaftswahl durchführen, mit der zusammen dann die Dorferneuerungsplanung erstellt wird.“ Darin seien alle Maßnahmen aufgelistet, die man umsetzen möchte. “Das wird rund eineinhalb Jahre dauern, bis wir in die Ausführung gehen können.“ Und sie freue sich schon auf ihre Aufgabe, denn sie habe gemerkt, dass hier sehr viel Engagement von den Bewohnern da sei.

Jetzt werde sichtbar ein großer Schritt nach vorne gemacht, beurteilte MdL Max Gibis die Übergabe der Einleitungsurkunde. In der Ortschaft müsse es nun darum gehen, zu überlegen: Wie können wir das Beste daraus machen? – Wesentliche Schwerpunkte müssten unter anderem sein: die demographische Entwicklung, das Vereinsleben, die Schule, die Nahversorgung. Den Karlsbachern riet der ehemalige Bürgermeister aus eigener Erfahrung: “Seid offen für Anpassungen in jeglicher Hinsicht!“ Dorferneuerung enthalte große Chancen für den gesamten Ort. Und Gibis wünschte Geduld und Ausdauer, denn die Maßnahme werde sich sicher über Jahre hin erstrecken.
Die stellvertretende Landrätin und Waldkirchener Stadträtin Renate Cerny hofft in ihrer weiteren Funktion als Vorsitzende des Leader-Gremiums Freyung-Grafenau, dass die vorhandenen Mittel noch aufgestockt werden, “weil sie eine große Hilfe sind“.

Bürgermeister Heinz Pollak erwartet, dass noch in diesem Jahr eine TG-Vorstandschaft zustande kommt. Die zugesagten siebzig Prozent Förderung seien sehr erfreulich. Und im Stadthaushalt sei ebenfalls insgesamt, über mehrere Jahre verteilt, eine Million eingeplant.

(Bild zuoberst: Die Karlsbacher Dorfmitte mit Maibaum und Straßendreieck sowie das Kirchenumfeld bis hinauf zum “Turnerhölzl“ – im Hintergrund – werden in den nächsten Monaten und Jahren im Mittelpunkt der Dorferneuerung stehen – Foto: Duschl)