Bisheriger Nutzgrund wird naturschutzfachlich entwickelt

Durch einen Grundstücktausch konnte die Stadt Passau am Breiteichweg in Grubweg eine 2,2 Hektar große Fläche zur Erweiterung des Erdbrüst-Feuchtgebiets erwerben, das seit 2009 durch Ankäufe und Landschaftspflegemaßnahmen entwickelt wurde. Oberbürgermeister Jürgen Dupper machte sich vor Ort ein Bild von dem Naturschutzprojekt.
„Es ist ein großer Glücksfall, wenn die Stadt Passau Flächen mit besonderer Artenvielfalt nicht nur erhalten, sondern sogar schrittweise erweitern kann. Beim Erdbrüst-Feuchtgebiet ist uns das gelungen. Ich danke allen Mitstreitern, die sich schon in der Vergangenheit für dieses Refugium engagiert haben und uns auch jetzt bei der Renaturierung der neuen Fläche unterstützen werden“, so das Stadtoberhaupt.

Das Grundstück, das zuletzt in intensiver Landwirtschaft genutzt wurde, ging durch die Bereitstellung einer wertgleichen Tauschfläche in das Eigentum der Stadt Passau über. Diese musste im Vorfeld jedoch erst gekauft werden. Gemäß den Landschaftspflege- und Naturpark-Richtlinien konnte man sich dafür eine staatliche Förderung in Höhe von 90 Prozent des Grundstückspreises sichern. Für die geplanten naturschutzfachlichen Verbesserungsmaßnahmen besteht ebenfalls eine hohe Förderquote von 80 Prozent. Die weiteren Mittel stellt die Stadt Passau zur Verfügung. Die Umsetzung übernimmt zum überwiegenden Teil der Landschaftspflegeverband Passau.

Das Projekt „Renaturierung Erdbrüst-Feuchtgebiet“ kann somit bachaufwärts fortgesetzt und ergänzt werden. Davon profitieren auch die Lebensräume des bisherigen Projektgebiets, das größtenteils der Stadt Passau und zu einem kleinen Teil der Kreisgruppe Passau des Bundes Naturschutz gehört. Vorrangig ist die Renaturierung des Bachlaufs des Erdbrüstbachls unter Nutzung der Geländesenken des ehemaligen Laufs. Die Gewässerstrecke und der Gewässerlebensraum werden damit erheblich verlängert, die entstandene Eintiefung wird rückgängig gemacht. Der hier lebende und stark gefährdete Steinkrebs profitiert davon, weil die entwässernde Wirkung des begradigten Erdbrüstbachls dadurch entfällt. Zugleich wird die Retentionsfunktion des Talgrundes deutlich gestärkt. Die wieder entstehenden Feuchtstandorte im Talgrund werden vorwiegend in Feuchtwiesen mit vielen Binsen und Seggen rückgewandelt und als solche gepflegt. Am Bach sind Uferbegleitgehölze mit zahlreichen Schwarzerlen geplant, die dem vom Aussterben bedrohten Grubenlaufkäfer zugutekommen. Die trockeneren, hängenden Wiesenabschnitte werden über geeignete Entwicklungsmaßnahmen und die gezielte Ergänzung durch einheimische Ausbreitungseinheiten in artenreiche magere Glatthaferwiesen mit hohem Blühangebot überführt, was zusätzlichen Lebensraum für die ebenfalls stark gefährdete Schlingnatter schafft. Für den bewaldeten Streifen ist eine natürliche, künftig nutzungsfreie Waldentwicklung vorgesehen, sofern keine Verkehrssicherung erforderlich ist. Derartige „Naturwaldbereiche“ existieren bereits im ursprünglichen Projektgebiet.

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