Neubau der Werkstatt am Bahnhof in Altötting – 72 Arbeitsplätze

Diözesan-Caritasdirektor Michael Endres: Inklusion für Menschen mit psychischer Behinderung

Altötting (can). Die Caritas schafft Arbeitsplätze für Menschen mit seelischer Behinderung. Am Dienstag, 16. April, war Spatenstich für die Werkstatt am Bahnhof (WaB) in Altötting. Die Einrichtung, die zu den Ruperti Werkstätten gehört, soll 72 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 15 in der Begleitung tätigen Personen Platz bieten.

Caritasvorstand und Diözesan-Caritasdirektor Michael Endres betonte dabei: Man wolle Menschen „in die Mitte unserer Gesellschaft holen, die ohne Hilfe am Rande und abseits unserer Arbeitsgesellschaft stehen“. Dem Caritasverband für die Diözese Passau e.V. als Träger sei es ein großes Anliegen, „Menschen, die von einer seelischen Behinderung oder einer psychischen Erkrankung betroffen sind, ein Angebot zu machen“, um über eine berufliche Beschäftigung in einer Werkstatt Teil der Gesellschaft zu bleiben. Der Spatenstich in der Mitte der Stadt am Bahnhof setze ein konkretes Zeichen für Inklusion, unterstrich Caritasdirektor Endres vor Vertretern aus Politik und Behörden sowie am Bau beteiligter Planer und Firmen den gesamtgesellschaftlichen Auftrag.

Mit der neuen Werkstatt, so der Caritasvorstand Michael Endres, ermögliche der Diözesan-Caritasverband arbeitstechnisch und pädagogisch maßgeschneiderte Hilfen zur Rehabilitation und Integration von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen und seelischen Behinderungen in das Arbeitsleben. Dies bei einem geplanten Budget von 4,7 Millionen Euro.

Auf rund 850 qm Arbeitsflächen in dem zweigeschossigen Neubau mit einer Gesamtnutzfläche von rund 2300 qm entstehen entsprechend den Eignungen der Mitarbeitenden sowie den Anforderungen an Platz und Sicherheit neue Arbeitsplätze. Der Bedarf dafür ist hoch und steigt. Die ursprünglich 45 Plätze sind derzeit bereits überbelegt. In den letzten Jahren gab es, so der Leiter der Ruperti-Werkstätten, Ludwig Haunolder, Wartezeiten von bis zu einem Jahr, obwohl die Aufnahme in die WfbM nach der Entlassung aus einer Fachklinik sofort notwendig gewesen wäre. Für Menschen mit psychischer Erkrankung müssten zeitnah Lösungen gefunden werden, um ihnen einen geregelten Tagesablauf, eine Aufgabe und Anerkennung zu bieten. Ohne Arbeitsplatz verschlechtere sich das Krankheitsbild. Die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt werde zunehmend schwieriger. Umso mehr freut ihn jetzt der Start des Neubaus. Die Fertigstellung des ersten Bauabschnittes  und der Umzug sind für Frühjahr 2020 geplant, die endgültige Fertigstellung für den Herbst 2020.

Beim Spatenstich ging Caritasdirektor Michael Endres auch darauf ein, dass die Belange und Anliegen der Nachbarschaft trotz baurechtlich bereits fixer Planungen aufgenommen wurden. Man habe gemeinsam eine Lösung gesucht und gefunden. Der Architekt Robert Maier erläuterte die funktionale Bauweise des schlanken zweigeschossigen Baukörpers mit einem eingeschossigen kürzeren nördlichen Anbautrakt. Das sei eine Lösung, die den Bedürfnissen der Nutzer als auch dem Schutzinteresse der Anlieger gerecht werde.

In der Werkstatt am Bahnhof, 1993 als Teil der Ruperti Werkstätten und eine der ersten Einrichtungen für psychisch belastete Menschen in Bayern gegründet, wird für regional und international tätige Firmen konfektioniert, verpackt und montiert. Arbeitsplätze werden im Bereich Elektromontage, Laserbearbeitung, Gravur, Brailleschrift, Metall und beim Arbeiten mit vollautomatischem Cutter angeboten. Es stehen zudem Hauswirtschaft, Lager und Verwaltung zur Verfügung. Die Mitarbeiterinnen werden vom Sozialpädagogischen Dienst individuell begleitet und gefördert.

Neubau ist eine „zukunftsweisende Einrichtung“

Den Neubau haben Vertreter aus der Politik ausdrücklich gewürdigt. Stephan Mayer, der parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister des Innern für Bau und Heimat, erklärte, dass die Erfolgsgeschichte der Caritas für Menschen mit Behinderung in Altötting im Zentrum fortgeschrieben werde. Er nutze den Anlass, um generell darauf hinzuweisen, wie die politisch Verantwortlichen sich der Belange annehmen würden. Er begrüßte unter dem Beifall der Gäste nachdrücklich die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes, dass Menschen mit Behinderung, für die eine rechtliche Betreuung in allen Angelegenheiten eingesetzt ist, bereits zur Europawahl das Wahlrecht erhalten. Für den Staatssekretär zeigte auch die Debatte um die Zulassung von nichtinvasiven Pränataltests (NIPT) als Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung und damit verbunden die Frage nach Hinweisen auf Trisomie 21, wie grundsätzlich sich die Politik über Probleme von Menschen mit Behinderung über Parteigrenzen hinweg austausche.

Josef Mederer, der Bezirkstagspräsident von Oberbayern, sprach von einer „Weichenstellung für Menschen mit Handicaps“ und einer „zukunftsweisenden Einrichtung“, die Teilhabe ermögliche. Die Lage im Zentrum unterstreiche dies. Für eine richtig verstandene Inklusion, seien auch solche Werkstätten für Menschen mit Behinderung nötig. Der Landtagsabgeordnete Dr. Martin Huber, unterstrich die selbstverständliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die neue Einrichtung biete dafür eine Grundfeste im wahrsten Sinn des Wortes. Hier würden die betroffenen Menschen erfahren, dass sie ein „wertvoller und wertschöpfender Teil der Gesellschaft sind, sagte der frühere Zivildienstleistende in den Ruperti-Werkstätten. Landrat Erwin Schneider betonte die dringend nötige Aufstockung der Plätze. Die Einrichtung sei eine große Hilfe für die Betroffenen. Mit Blick auf die Planungsphase dankte er der Caritas dafür, die Anliegen der Nachbarn einbezogen zu haben.

Für Wolfgang Sellner, den 2. Bürgermeister der Stadt Altötting, ist der Neubau ein weiteres Beispiel dafür, wie die Caritas für die Menschen baue. Am Bahnhof entstehe mit der Werkstatt eine Heimat für Menschen mit Handicap.

Der Wallfahrtsrektor und Stadtpfarrer, Prälat Günther Mandl, würdigte den Platz, den Menschen mit Handicap in Altötting, dem „Herzen Bayerns“, hätten. Mit vielen Einrichtungen sei die Caritas für sie da. Er erbat Gottes Segen für das Gelingen der Bauarbeiten.