Auftaktveranstaltung am Kaltensteiner Burgberg – Stichprobenverfahren der „Waldinventur“ vorgestellt

Kaltenstein. Gemäß Artikel 32 des Bayerischen Jagdgesetzes ist für die Abschussplanung des Rehwildes in dreijährigem Turnus die aktuelle Situation der Waldverjüngung zu erheben und anschließend in einem Forstlichen Gutachten („Verbissgutachten“) darzustellen. Zur Auftaktveranstaltung der diesjährigen Situationserhebung waren 25 Vertreter der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt Freyung-Grafenau, Leiter der FRG-Hegegemeinschaften, der Jägerschaft, der Jagdgenossenschaften, des Jagdbeirates, der Waldbauernvereinigung, des Bauernverbandes und des Forstbetriebes Neureichenau gekommen.

Zu Füßen der Burg Kaltenstein bei Röhrnbach stellte Forstoberrat Gerhard Lichtenwald das anstehende Verfahren vor, das seit dem Jahr 1986 zum zwölften Mal durchgeführt wird. Heuer sei das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten/Außenstelle Waldkirchen – Bereich Forsten – beauftragt, auf Landkreisebene die für das Stichprobenverfahren erforderlichen Außenaufnahmen durchzuführen.

Dahinter, so betonte Lichtenwald, steckten keine Weltanschauung und keine Ideologie. Man biete vielmehr eine gute Kooperation mit den Jägern an, deren Mithilfe man im Zeichen des erheblichen Windwurfes durch den Sturm „Kolle“ dringend brauche. Denn man müsse in dieser Zeit vielfach ohne Zäune auskommen.

Dabei erzwingen laut Darstellung des Forstoberrates der erheblich verringerte Personalstand und die in der Regel kurze Zeitspanne zwischen Ausaperung und Vegetationsaustrieb eine zielgerichtete, zügige Aufnahme. Sie bedeute letztlich eine wichtige Entscheidungshilfe zur Erstellung sachgerechter und gesetzeskonformer Abschusspläne. Die örtlichen Teams werden heuer bei der Bestandsaufnahme von auswärtigen Bewertungsgruppen unterstützt. Auch interessierte Personen können die Teams bei ihrer Arbeit begleiten. Bisher liegen bereits rund neunzig Anmeldungen vor.

Förster Simon Hackl (links) und Forstoberrat Gerhard Lichtenwald (2.v.l.) erläuterten bei der Auftaktveranstaltung für den Beginn des Aufnahmeverfahrens, wie aus Quadranten, in die die Landkreisfläche auf einer Landkarte unterteilt ist, einzelne Aufnahmepunkte ausgewählt werden (Foto: Duschl)

Bei der Begutachtung von Verbissschäden sei langjährige Erfahrung von besonderer Wichtigkeit. Denn der Verbiss kann von ganz unterschiedlichen Tieren verursacht worden sein: Neben dem Schalenwild stehen nämlich auch Hase, Maus, Eichhörnchen und auch Vögel auf der Verursacherliste. Da muss manchmal sogar mit der Lupe ganz genau hingeschaut werden.

„Bei der Verjüngung des Waldes und beim Aufbau von gemischten Baumbeständen sind wir auf einem guten Weg“, stellte Gerhard Lichtenwald heraus. Das Gutachten sei in diesem Zusammenhang auch ein wichtiges Instrument des Monitorings. „Wir wollen den Wert des Waldes beibehalten, und dazu gehört, dass wir die Zusammensetzung des Baumbestandes selbst wählen können, und zwar weitgehend ohne Verbissbeeinträchtigung.“

Im Herbst werden dann im Amt die Gutachten angefertigt und anschließend den Hegegemeinschaften zugestellt, wie der Forstoberrat weiter darstellte. Aus dem Gutachten wird schließlich die Rehwild-Abschussplanung für die Jahre 2019 bis 2021 abgeleitet.

Förster Simon Hackl (Mitte, mit Meterstab) vermisst die einzelnen Baumpflanzen und stellt eventuelle Verbissschäden fest. Forstrat Wolfgang Kreuzer (rechts, mit Schreibtafel) notiert die Ergebnisse der Untersuchungen (Foto: Duschl)

Das praktische Verfahren der Bestandsaufnahme stellten Forstrat Wolfgang Kreuzer und Förster Simon Hackl vor. So würden pro Hegering dreißig bis vierzig Flächen ausgewählt, auf denen dann jeweils fünf Stichproben vorgenommen werden. Eine dieser Flächen liegt am Osthang des Kaltensteiner Burgberges. Dort setzten die beiden Forstbeamten fünf Signalstöcke, fein säuberlich in einer Reihe, im Abstand von jeweils einigen Metern. Laut Simon Hackl beträgt die Gesamtstrecke bei diesem Verfahren, je nach Gelände, zwischen vierzig und hundert Meter.

Anschließend wurden rund um jeden Stock im Abstand von etwa einem Meter zwanzig kleine Baumpflanzen ausgewählt und mit Wäscheklammern markiert. Der Reihe nach arbeitete dann das Duo die einzelnen Bäumchen ab: Baumart, aktuelle Wuchshöhe, eventuelle Verbissmerkmale. So entstand nach und nach eine lange Liste, die dann später als Grundlage für das Forstgutachten dient. -flo