Frauengottesdienst zu Ehren von Maria Magdalena

Sie war eine Frau, die mutig ihre Stimme erhob – in einer Gesellschaft, in der Frauen in der Öffentlichkeit normalerweise schwiegen. Als erste Zeugin der Auferstehung Jesu spielt die Heilige Maria Magdalena für den Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) eine herausragende Rolle. Am Festtag der Apostelin der Apostel (22. Juli) lud der KDFB-Diözesanverband Passau zu einem frauenbewegten Gottesdienst ein.

Passau. Die Idee zu einem Frauengottesdienst zu Ehren von Maria Magdalena war im vergangenen Jahr im Zuge der Aktion „Maria, schweige nicht!“ entstanden. Mit dieser Aktion weist der KDFB auf die verdrängten Frauentraditionen der Bibel hin und führt die Anliegen der Initiative „Maria 2.0“ direkt fort. Der Verband unterstreicht damit sein langjähriges Engagement für eine zukunftsfähige, geschwisterliche Kirche, in der Frauen und Männer gleichberechtigt sind und in gleicher Weise Verantwortung übernehmen. Dazu zählt auch die Frage nach Ämtern und Strukturen der Kirche. „Auch heute schweigen Frauen nicht – genau wie Maria Magdalena. Sie ist ein großes Vorbild. Ihr Wirken ermutigt uns, weiter zu kämpfen“, so die Diözesanvorsitzende Bärbel Benkenstein-Matschiner. Bei der Premiere des Frauengottesdienstes vor einem Jahr gab es viele positive Rückmeldungen. „Unsere Frauen haben uns signalisiert, dass sie gerne alljährlich einen derartigen Frauengottesdienst feiern würden“, sagte KDFB-Bildungsreferentin Tanja Kemper. Diesem Wunsch kommt der Diözesanverband gerne nach. Diesmal wurde der Gottesdienst unter dem Motto „Maria Magdalena: Sie schwieg nicht!“ in der Kirche St. Magdalena in Hausbach bei Vilshofen gefeiert. Wegen der Schutzmaßnahmen und -vorschriften im Zuge der Corona-Krise konnte nur eine begrenzte Zahl an Frauen teilnehmen, was zu einer sehr intimen, andächtigen Stimmung beitrug. Gestaltet wurde der Gottesdienst von Tanja Kemper, Renate Pongratz, Walburga Westenberger und Barbara Winkler sowie Helga Grömer an der Gitarre. Zu Beginn wurde eine Kerze entzündet, die Renate Pongratz eigens für diesen Anlass angefertigt hatte und mit der sie erste Gedanken zu Maria Magdalena zum Ausdruck brachte. Im weiteren Verlauf wurden das Leben und Wirken der Heiligen beleuchtet. Die zentrale Botschaft: „Maria Magdalena hat nicht geschwiegen und ihren Verkündigungsauftrag in die Tat umgesetzt – Gott sei Dank!“ Die Frauen stellten unter anderem heraus, dass dieser Verkündigungsauftrag durch die Bibel beglaubigt wird und alle vier Evangelisten Maria Magdalena als Jüngerin beschreiben, die Jesu von Anfang an nachgefolgt war. „Sie war eine starke Frau, stark im Glauben“, so Barbara Winkler. Im Laufe der Zeit und bis heute werde sie aber oft unbiblisch und völlig falsch dargestellt – als Hure und Sünderin. „Das war sie keinesfalls“, betonte Tanja Kemper. Sie sprach von sexistischen Klischees und Männerfantasien, durch die dieses Bild befeuert worden sei. „Es ist Zeit, auf die biblische Maria Magdalena zu schauen und Position zu beziehen“, forderte sie die teilnehmenden Frauen auf. Viele von ihnen waren weiß gekleidet oder hatten ein weißes Accessoire bei sich. Die Farbe Weiß stehe dafür, „dass wir alle getaufte Christinnen und Christen sind und in der Nachfolge Jesu und der Taufgnade stehen“, so die KDFB-Bildungsreferentin.

Ein weiterer Gottesdienst zu Ehren von Maria Magdalena wurde von KDFB-Frauen im Dekanat Freyung-Grafenau gefeiert. In Waldkirchen kamen rund 80 Frauen am Vorabend des Festtags zusammen, um Gott zu danken für Maria Magdalena, die die Tür zur Frohen Botschaft geöffnet hat. Die große Pfarrkirche St. Peter und Paul machte es möglich, dass problemlos die Corona-Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden und so viele Frauen miteinander Gottesdienst feiern konnten.

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