Die Einsatzkräfte der Polizeiinspektion Grafenau waren im Jahre 2019 wieder rund um die Uhr im Einsatz und sorgten für die Sicherheit der 30.463 Einwohner (Stand 31.12.2018)  in der Stadt Grafenau und den Gemeinden Eppenschlag, Innernzell, Neuschönau, Saldenburg, Sankt Oswald-Riedlhütte, Schöfweg, Schönberg, Spiegelau, Thurmansbang und Zenting (sowie in den gemeindefreien Gebieten Klingenbrunner und Waldhäuser Wald). Betreut wurden 376,5 Quadratkilometer Gesamtfläche mit 860 Straßenkilometern.

Obwohl im Vergleich zum Vorjahr ein relevanter Anstieg der Delikte zu verzeichnen war, nimmt die Polizeiinspektion Grafenau im bayernweiten Vergleich erneut einen Spitzenplatz bei den sichersten Dienstbereichen ein und konnte vor allem eines ihrer Ziele, die Steigerung des subjektiven Sicherheitsgefühls in der Bevölkerung, verdeutlichen. 

I. Kriminalstatistik

Die Polizeiliche Kriminalstatistik enthält die der Polizei bekannt gewordenen rechtswidrigen Straftaten, einschließlich der mit Strafe bedrohten Versuche, die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen und eine Reihe weiterer Angaben zu Fällen, Opfern oder Tatverdächtigen.

Im Inspektionsbereich wurden 2019 insgesamt 742 Straftaten registriert. Dies bedeutet einen statistischen Anstieg um 23 Prozent oder 139 Fälle gegenüber dem Vorjahr. Mit diesem doch erheblichen Anstieg fällt die PI Grafenau im Präsidiumsbereich auf. Allerdings kam es die Jahre davor zu folgenden Rückgängen:

  • 2017: -6 Prozent
  • 2018: -9 Prozent

Der Anstieg der Fallzahlen ist im Wesentlichen in den folgenden Bereichen feststellbar:

– der Körperverletzungs-Delikte (+ 35 einfache Körperverletzungen)

– der Diebstahlsdelikte insbesondere Ladendiebstähle (+ 10) und

– Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz (+ 10)

Die Aufklärungsquote liegt bei 78 Prozent, bayernweit bei 65 Prozent.

Die durchschnittliche Kriminalitätsbelastung pro 100.000 Einwohner, ausgedrückt in der so genannten Häufigkeitszahl (HZ), betrug im Dienstbereich lediglich 2.436. Im Landkreis liegt sie mit 2.678 etwas höher. Um direkt vergleichen zu können, wurde mit der „Einheit“ 100.000 verglichen. In Bayern beträgt die HZ 4.343, in Niederbayern liegt sie bei 3.515 (im Vergleich dazu die Stadt Passau = 8.817, Stadt Straubing = 7.306 und der Landkreis Regen = 2.989).

Nachfolgend wird in einer Übersichtsgrafik prozentual und im Anschluss detailliert dargestellt, wie stark der jeweilige Kriminalitätsbereich betroffen war.

(Quelle: Polizeiinspektion Grafenau)

Gewaltkriminalität

Zur Gewaltkriminalität zählen unter anderem Raubdelikte, schwere Fälle der sexuellen Nötigung, gefährliche und schwere Körperverletzungsdelikte sowie Mord und Totschlag.

Da dieser Deliktsbereich der Schwerstkriminalität zugeordnet wird, ist es umso bedenklicher, hier einen Anstieg der Fallzahlen vermelden zu müssen. Bei einem Anteil an der Gesamtkriminalität von 2,8 Prozent mussten in 2019 insgesamt 21 Fälle in die Kriminalstatistik aufgenommen werden. Das waren sechs Fälle mehr als im Vorjahr. Hiermit nivelliert sich das Ergebnis wieder, weil von 2017 auf 2018 ein Rückgang um sieben Delikte dokumentiert ist. Positiv wirkt, dass 95 Prozent der Gewaltdelikte aufgeklärt werden konnten. Überwiegend waren dies Körperverletzungsdelikte, oft auch unter Alkoholeinfluss und Beteiligung von Jugendlichen oder Heranwachsenden. Öffentlichkeitswirksame Taten, wie Mord und Totschlag, wurden im Dienstbereich der Polizeiinspektion Grafenau nicht verübt.

Straßenkriminalität

Hervorzuheben und erfreulich ist ein neuerlicher Rückgang im Bereich der Straßenkriminalität. Zu diesem Deliktsbereich zählen Straftaten, die ausschließlich oder überwiegend in der Öffentlichkeit begangen werden. Hierunter fallen insbesondere Sachbeschädigungen, Diebstähle oder Körperverletzungsdelikte auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen.

Insgesamt hat die Straßenkriminalität einen Anteil von neun Prozent an der Gesamtkriminalität. Es wurden konkret 67 Fälle verzeichnet. Das waren sieben weniger als noch im Vorjahr. Die in den Vorjahren oftmals registrierten Delikte, wie z. B. Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen oder „Graffitischmierereien“ konnten reduziert werden. Analog zur Gewaltkriminalität handelte es sich bei den Tätern oftmals um Jugendliche oder Heranwachsende und alkoholisierte Personen.

Einige Taten konnten mit Hilfe von Zeugenaufrufen und damit einhergehenden Hinweisen von Mitbürgern geklärt werden. Bei der Berichterstattung wird auch vermehrt der Einsatz von „sozialen Medien“ genutzt, um vor allem auch die junge Generation als Hinweisgeber zu erreichen. All diese Maßnahmen führten im Bereich der Straßenkriminalität zu einem deutlichen Sicherheitsgewinn.

Vermögensdelikte

Der Bereich der Vermögensdelikte nimmt einen nicht unerheblichen Teil des polizeilichen Arbeitsaufkommens ein und bindet die Beamten an den Schreibtisch. Die Täter nutzen vor allem den virtuellen Raum des Internets, um Taten im Schatten der „scheinbaren“ Anonymität zu begehen. Das erfordert ein umfangreiches Fachwissen und auch einen erheblichen Ermittlungsaufwand der Polizeibeamten der Polizeiinspektion Grafenau, insbesondere im Bereich „Cybercrime“. Die Aufklärungsquote ist überdurchschnittlich und liegt bei 86 Prozent im Jahr 2019. Dies spricht insbesondere für die gut beschulten Beamten und deren wertige Sachbearbeitung.

Die Vermögensdelikte stellten im Berichtsjahr 12,5 Prozent der Gesamttaten dar. Das waren 22 Fälle weniger als im Vorjahr und somit 93 Fälle.

Die Polizeiinspektion Grafenau wird auch zukünftig, zum Beispiel mit Präventions-veranstaltungen diesem Phänomenbereich entgegenwirken. Eine Aufklärung über mögliche Gefahren und die Sensibilisierung von potentiellen Opfern soll hier im Vordergrund stehen, um Straftaten möglichst vorab zu verhindern. Zum Opfer kann in diesem Deliktsbereich jeder werden. Kinder, die zu wenig über die Grauzonen des Internets aufgeklärt sind, aber auch Geschäftsleute, die auf immer erfinderischere, betrügerische Maschen hereinfallen sowie gutgläubige Senioren. 

Diebstahl

Bei den Diebstahlsdelikten musste ein Anstieg um 40 auf 147 Fälle verzeichnet werden. Dieser Deliktsbereich hat mit 19,8 Prozentpunkten den zweitgrößten Anteil an der Gesamtkriminalität. Innerhalb dieser Deliktsart ragen wiederum die sonstigen, einfachen Diebstähle sowie die Ladendiebstähle heraus.

Die Polizeiinspektion Grafenau wird auch zukünftig jede Möglichkeit nutzen, um Straftaten zu verhindern und über mögliche Gefahren aufzuklären. Gerade im Bereich Einbruchschutz konnten zuletzt zahlreiche Bürger beraten und sensibilisiert werden. Hier wurden auch Fachstellen, wie die Kriminalpolizei, einbezogen.

Im Bereich der Wohnungseinbruchskriminalität (WED) ist die Polizeiinspektion Grafenau kaum betroffen. In diesem sensiblen Bereich belegt die Polizeiinspektion Grafenau einen Spitzenplatz in Bayern. Mussten im Vorjahr noch fünf Fälle bearbeitet werden, so kam es 2019 nur zu zwei WED. Durch offene Präsenz, insbesondere in Wohngebieten, sollen auch zukünftig Langfinger von ihrem Tun abgehalten werden.

Rauschgiftdelikte

Wie auch im Vorjahr musste im Jahr 2019 ein Anstieg der Deliktszahlen im Bereich der  Rauschgiftkriminalität verzeichnet werden. Gegenüber 47 Delikten im Jahr 2018 waren es im Berichtsjahr schon 57 Fälle und somit 10 Straftaten oder 21 Prozent mehr. Der Deliktsbereich hält einen Anteil von 7,7 Prozent an der Gesamtkriminalität.

Auf die beachtliche Aufklärungsquote von 91,2 Prozent wird verwiesen. Bei den meisten Fällen handelte es sich um allgemeine Verstöße nach dem Betäubungsmittelgesetz, überwiegend mit Cannabis oder Methamphetamin. Diese Fälle wurden in der Regel auch durch die Polizeiinspektion Grafenau endbearbeitet. Einige weitere Fälle des Handeltreibens oder der Einfuhr von Betäubungsmitteln wurden hingegen zur weiteren Bearbeitung an die Kriminalpolizei in Passau übergeben.

Die Polizeiinspektion Grafenau hat sich auch für das Jahr 2020 zum Ziel gesetzt, der Rauschgiftkriminalität im Dienstbereich aktiv entgegenzuwirken. Mit einer möglichst deutlichen Präsenz der Einsatzkräfte und mittels Kontrollaktionen wird gegen Rauschgiftdelikte vorgegangen. Auch die bereits intensiven Präventionsveranstaltungen in diesem Bereich sollen beibehalten werden.

Körperverletzung

Im Jahr 2019 mussten leider 152 Körperverletzungsdelikte angezeigt und bearbeitet werden. Dies entspricht einem Anteil von 20,5 Prozent an der Gesamtkriminalität. Der auffällige Anstieg um 54 Delikte ist im Wesentlichen auf eine Mehrung der Körperverletzungen im Bereich der „Häuslichen Gewalt“ (HGW) und bei den Beziehungsdelikten (ohne HGW) zurückzuführen. Allein die Körperverletzungsdelikte in Zusammenhang mit häuslicher Gewalt stiegen binnen Jahresfrist um 40 Prozent, was einer Mehrung um 16 Delikte entspricht.

Die Aufklärungsquote ist in diesem Bereich mit 94 Prozent außergewöhnlich hoch. Die Körperverletzungen geschahen oftmals im Bereich des sozialen Nahfeldes und teils unter Alkoholeinfluss. Wie bei der Gewalt- und Straßenkriminalität war die Gruppe der Jugendlichen und Heranwachsenden überproportional an den Delikten beteiligt. Die Rolle des Alkohols bei der Delinquenz von Heranwachsenden war zudem als besonders groß zu bezeichnen.

Zusammenfassung

> Anstieg der Gesamtkriminalität um 23 Prozent nach Rückgängen in den Vorjahren

> Anstieg der Körperverletzungsdelikte, insbesondere im Bereich Häusliche Gewalt

> Äußerst hohe Aufklärungsquote im Bereich der Gewaltkriminalität

> Neuerlicher Rückgang der Fallzahlen im Bereich der Straßenkriminalität

> Kaum Wohnungseinbrüche

> Anstieg bei Rauschgiftdelikten

> Dienstbereich der Polizeiinspektion Grafenau ist trotzdem einer der sichersten in Bayern

Statement des Dienststellenleiters, EPHK Brunnbauer:

„Die Sicherheitslage kann trotz der gestiegenen Fallzahlen als sehr zufriedenstellend bezeichnet werden. Die Grafenauer Polizei engagiert sich sehr, um das subjektive Sicherheitsgefühl zu stärken und wird auch weiterhin für größtmögliche Sicherheit seiner Bürger sorgen. Wir sind aber auch auf die Mithilfe der Einwohner angewiesen. Sehr oft kann erst aufgrund von Zeugenhinweisen eine Straftat aufgeklärt werden.“

Ein herausragender Fall 2019 war die Aufklärung einer Diebstahlserie von über 50 Einzeltaten. Damals konnten auch durch den entscheidenden Hinweis eines Bürgers die Täter ermittelt und rund 80 Dekoartikel wieder an die rechtmäßigen Besitzer ausgehändigt werden. Über mehrere Monate hinweg wurden hauptsächlich Vorgärten und Hauszugänge geplündert.

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