Workshopabend zum Thema Afghanistan von Integrationshilfe Passau e.V. am 22. Januar

(von Tobias Schmidt)

Wer über Flucht und Asyl in der Bundesrepublik Deutschland spricht, kommt um das Thema Afghanistan nicht herum. Seit vielen Jahren suchen aus der südasiatischen Islamischen Republik stammende Menschen Zuflucht in Europa; man begegnet ihnen quasi in jeder bundesdeutschen Stadt. Im Rahmen des NATO-Einsatzes „Resolute Support“, der zu Ausbildung, Unterstützung und Beratung der afghanischen Sicherheitskräfte dienenden Nachfolgemission von ISAF, stellt die Bundeswehr seit 2018 das zweitgrößte Truppenkontingent hinter den Vereinigten Staaten.

Die staatliche Entwicklungszusammenarbeitsorganisation der Bundesrepublik, die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH ist im Land aktiv – wird aber für dubiose und einseitige Partnerschaften kritisiert. Und schließlich schiebt die Bundesrepublik seit zwei Jahren aufgrund eines, bislang mit keinem anderen Staat geschlossenen Rücknahmeabkommens allmonatlich afghanische Staatsbürger ab. Im am 7. Januar nach Kabul gestarteten Flugzeug saß auch ein in Passau wohnhafter afghanischer Mann. Was ist das für ein zwischen ethnischen, religiösen und politischen Lagern zerrissenes Land? Was war das für ein als moderner, jedoch beständig zwischen konstitutionell-parlamentarischer und monarchischer Ordnung schwankender Staat, der da nach vielen vorherigen Versuchen 1919 – wie die Weimarer Republik auch – aus der Insolvenzmasse des Ersten Weltkriegs entstand? Wie wurde das Land ein Spielball der Weltmächte – anfangs der Russen und Briten, später dann zwischen der ehemaligen Sowjetunion und den USA?

Der gemeinnützige Verein „Integrationshilfe Passau e.V.“ veranstaltet am Dienstag, 22. Januar um 19 Uhr einen Workshop mit dem Titel „Sicheres Afghanistan? Zwischen Taliban und NATO-Einsatz“ im Evangelischen Zentrum St. Matthäus am Dietrich-Bonhoeffer-Platz. Referent des Abends ist Sayed Nasim Sadat, afghanischer Sozialarbeiter bei der Inneren Mission München. Zuvor arbeitete er in seinem Herkunftsland für ein Telekommunikationsunternehmen, die staatliche Schulbehörde, als Medienverantwortlicher und Dolmetscher für die Bundeswehr sowie in Reintegrationsprojekten der Vereinten Nationen für ehemalige Taliban-Kämpfer. Es soll bei dem Workshop nicht nur um die jüngere Geschichte und Landeskunde Afghanistans gehen, sondern auch Verbindungen zur Lebenssituation in der Bundesrepublik lebender afghanischer Menschen dargelegt werden. Denn: Sicherheit für sie gibt es hier wie dort nicht.

Sicherheit, verstanden als Gewissheit, worauf man sein Leben aufbauen kann und darf. Aufenthaltsrechtliche Fallstricke, die sich konstant verändernde Beschaffung entsprechender Personaldokumente, stehen dem zum Beispiel entgegen. Oder die daraus folgenden Restriktionen bei der Integration am Arbeits- und Ausbildungsmarkt, jenem gerade in Bayern zwischen Ausländerbehörden, Migranten, Unternehmen, Kammern, aber auch ehren- und hauptamtlichen Helfern in der Bundesrepublik „hausgemachten“ Teil einer komplexen Malaise.

Die Workshops von Sayed Nasim Sadat erreichten bislang vor allem im Raum München einige Aufmerksamkeit. Nicht nur bei in der Integrationsarbeit Engagierten, sie richten sich durchaus an eine breitere interessierte Öffentlichkeit. Reger Zulauf ist daher auch dieser Veranstaltung von Integrationshilfe Passau e.V. zu wünschen.

Der Eintritt zu „Sicheres Afghanistan? Zwischen Taliban und NATO-Einsatz“ ist frei. Wer sich über die Arbeit des Vereins näher informieren will, kann dies online unter www.integrationshilfe-passau.com tun. Neben konkreter Beratung von Migranten, hält der Verein auch mit Diskussionen, Vorträgen und Konzerten die Themen Flucht, Asyl und interkulturelles Zusammenleben in Passau im öffentlichen Bewusstsein.