Freyung. Die Regionalgruppe Niederbayern-Oberpfalz der Seliger Gemeinde begab sich mit ihrer Vorsitzenden – der Parlamentarischen Staatssekretärin und SPD-Bundestagsabgeordneten Rita Hagl-Kehl – auf „Spurensuche“ um die Geschichte der sudetendeutschen Sozialdemokraten auf deutscher und auf tschechischer Seite zu ergründen. Die Seliger-Gemeinde ist nach dem ersten Vorsitzenden der damaligen DSAP (Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei) in der Tschechoslowakei, Josef Seliger, benannt und versteht sich als Gesinnungsgemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten.

Im Winterberger Heimatmuseum in Freyung informierten sich die Teilnehmer in Begleitung von Wilfried Stadlbauer über die Geschichte Winterbergs und stellten diesem auch die eigene zweisprachige Ausstellung zur Geschichte der DSAP vor. Seit 2003 besteht zwischen der Stadt Freyung und Winterberg/ Vimperk eine Städtepartnerschaft. Die Ausstellung wurde vom Verein „Heimatsammlung Winterberg“ zusammengestellt und enthält Fotos, Urkunden und Ausstellungsobjekte von der Glaskunst über Bein- und Elfenbeinschnitzereien bis hin zu Druckerzeugnissen des Steinbrenner-Verlages. Besonders erfreut zeigten sich die Genossinnen und Genossen über die Dokumentation der DSAP-Fahne und des Arbeiter- und Turnvereines. Im Mittelpunkt des Museums steht die Vertriebenenproblematik nach dem 2. Weltkrieg. Unzählige Bewohner der ehemals blühenden Industriestadt Winterberg mussten ihre Heimat verlassen, ihre Häuser zurücklassen und konnten lediglich ein paar Habseligkeiten mitnehmen. Natürlich wurden die damalige Vertreibung und deren Ursachen diskutiert. „Wir sehen hier wie es damals war. Flucht und Vertreibung, Bücher voll von Kriegstoten – das darf nie wieder geschehen“, so Rita Hagl-Kehl. „Unser Verhältnis zu unseren tschechischen Nachbarn muss gepflegt werden, hier sind wir auf einem guten Weg. Es gibt zahlreiche Projekte, Partnerschaften und Freundschaften und das ist gut und richtig. Nur Austausch schafft Verständnis auf beiden Seiten“, so Rita Hagl-Kehl weiter. Als Verwaltungsratsmitglied des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds erläuterte Rita Hagl-Kehl, dass mit der Restaurierung der 1933 von einer deutschen Familie errichteten Kapelle auf dem Brantlhof in Winterberg ein Denkmal am Leben erhalten wird, das einen Ort der deutsch-tschechischen Geschichte verkörpert. Der Verein Vimpersko hat zusammen mit der „Heimatsammlung Winterberg“ in Freyung einen umfassenden Plan zur Neunutzung die Kapelle vorgelegt und der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds unterstützt gerne solche Projekte. „Zur Aussöhnung und Völkerverständigung sowie guten nachbarlichen Beziehungen gehört auch, das gemeinsame Kulturgut zu erhalten“, stellte die Bundestagsabgeordnete fest. Abschließend bedankte sich Rita Hagl-Kehl bei Wilfried Stadlbauer für sein Kommen: „Ihr ehrenamtliches Engagement kann man nicht mit Geld bezahlen. Ich bin als Historikerin sehr froh, dass es Menschen wie Sie gibt, die sich darum kümmern, dass uns die örtliche Geschichte erhalten bleibt. Natürlich werden wir die Ergebnisse unserer Spurensuche Ihrem Verein sehr gerne zur Verfügung stellen.“

Die Seliger setzen sich heute für Völkerverständigung und Frieden ein. „Wir halten es für unsere Pflicht, jetzt in einer Phase der europäischen Geschichte, wo immer weniger Zeitzeugen und Mahner unter uns sind, vor dem Zerfall Europas und den Schrecken des Krieges zu warnen.“ (Europa-Proklamation der Seliger)