Wanderausstellung „In Böhmen und Mähren geboren – bei uns (un)bekannt?“ im Kulturmodell

(von Tobias Schmidt)

Im Passauer Kulturmodell eröffnete am 14. März die Wanderausstellung „In Böhmen und Mähren geboren – bei uns (un)bekannt?“. Vor elf Jahren von Dr. Wolfgang Schwarz, Kulturreferent für die Böhmischen Länder im Adalbert-Stifter-Verein München parallel zu einem gleichnamigen Büchlein erstellt, zeigt die zweisprachige Schau zwölf Lebensbilder durch ihr Lebenswerk einschlägig bekannter Personen. Deren biographische Verortung in Böhmen und Mähren ist jedoch nicht jedermann sogleich bewusst.

Beim Prager Schriftsteller Franz Kafka (1883-1924) oder bei Adalbert Stifter (1805-1868), der den in regionaler Nachbarschaft zu Passau gelegenen Böhmerwald wie ein Maler beschrieb, ja, da mag es noch bekannt sein. Aber bei Kinderbuchautor Otfried Preußler (1923-2013)? Die Motivik seines dem einen oder der anderen aus dem Schulunterricht bekannten „Krabat“ ist dem Landstrich zwischen Jeschkenkamm und Reichenberger Kessel in Nordböhmen entlehnt. Oder dass sich Krankheiten (oder auch Marotten) dem Volksmund nach heute „ausmendeln“, geht zurück auf den Abt des Brünner Augustinerklosters und de-facto Begründer der Genetik Johann Gregor Mendel (1822-1884).

Aber dass der Automobilkonstrukteur Ferdinand Porsche (1875-1951) kein Schwabe, sondern ein Deutschböhme war, der einst in Abendkursen der Staatsgewerbeschule in Reichenberg – heute Liberec – erste Schritte zum späteren Ingenieur und hundertfachen Patentinhaber ging? Dieser Fakt muss durchaus erst einmal „sacken“. Und es geht noch weiter: Der Über-Vater der Psychoanalyse Sigmund Freud (1856-1939) oder der Satiregroßmeister und Publizist Karl Kraus (1874-1936) waren keine gebürtigen Wiener. Was übrigens auch für jene Frau gilt, deren Abbild auf der 2,- EURO-Münze Österreichs (und mithin oft in hiesigen Portemonnaies) zu finden ist: die in Prag gebürtige Pazifistin und erste Friedensnobelpreisträgerin überhaupt Bertha von Suttner (1843-1914).

(Foto: Schmidt)

Für manche Zeitgenossen kommen da Weltbilder ins Wanken, hielt man doch die Spätzeit der europäischen Imperien, in der alle zwölf vorgestellten Personen geboren wurden, lange für wenig weltläufig. Die Vorstellung eines vielsprachigen und alltäglichen Zusammen- oder zumindest Beieinander-Lebens war man im nationalstaatlich geprägten Westen verlustig gegangen. Aber es gab diese Welt, sie lag durchaus in geographischer Nachbarschaft zu Passau, und sie brachte große Geister hervor, die sich bis heute in jedem Schulbuch finden und deren Wirken weltbekannt ist.

„In Böhmen und Mähren geboren – bei uns (un)bekannt?“ ist noch bis 28. März jeweils Donnerstag-Sonntag, 14-17 Uhr im Donauatelier des Kulturmodell Bräugasse bei freiem Eintritt zu besichtigen.