Satirische Zeitkommentare von Eva Priller und Georg Thuringer. Nur bis Ende Januar, nur online

(von Tobias Schmidt)

Passau. 2020 haben wir alle wenig zu lachen. Eine Viruspandemie wirft uns auf uns selbst zurück, und so mancher Zeitgenosse reagiert sich an diesem Zustand ausgerechnet in den viralen Klatschspalten des Internets ab. Nun war SocialMedia ja nie im deutschen Wortsinne „sozial“, kam aber auch selten so humorlos daher wie heuer. Doch ohne Lachen erträgt man die Verrücktheiten dieser Zeit und ihrer diversen Repräsentanten auch nicht. Nun hilft Lachen, aber auch nur wenig gegen eine Corona-Infektion, was also tun?

Die Passauer Künstler Eva Priller und Georg Thuringer gingen es pragmatisch an. Die Galerie in der Höllgasse bleibt geschlossen, dafür zeigen beide noch bis Ende Januar aktuelle Arbeiten ausschließlich im Internet. Der Titel dieser virtuellen Ausstellung „Roter Wolf im Nebel“ verrät es: „Wolfi“, Eva Prillers dem Passauer Stadtwappen entfleuchter heraldischer Isegrimm ist wieder mit von der Partie. Auf ihren Collagen wundert er sich erneut über allerlei geweihte, gewählte oder anderweitig gewichtige Zeitgenossen des Passauer Stadtlebens, der Weltpolitik oder Medienstars. Typen also, die sich gerade heftig im Werfen „geistiger Nebelkerzen“ ergehen. Televisionär-prominente SARS-CoV-2 Verharmloser wie in der Arbeit „Sancta Simplicitas“.

Eva Priller ‚Pseudowolfi‘ (Quelle: ThuriMedia)

Georg Thuringer beschäftigt sich mit Aluhüten. Wissenschaftsferne Kreise mit Neigung zu Verschwörungserzählungen sehen darin ein Mittel zur Abwehr „gedankenmanipulierender Strahlen“. Mit den Jahren wurde so daraus ein Symbol für eine um sich greifende Akzeptanz kollektiver Ängste und ihrer irrationaler Begründungen. Die Corona-Pandemie wird unter anderem dadurch zur Corona-Krise, weil die Ideengeber solcher Verschwörungserzählungen so stark wie nie auf den politischen Diskurs einwirken, und in die gesellschaftliche Mitte drängt. Georg Thuringer findet hier deutliche Worte, macht eine „Durchseuchung mit Dummheit“ aus. Und weil ja bereits von der gesellschaftlichen Mitte die Rede war, zeigt er darum auch, in einer Art satirischem Modekatalog eine „entsprechende Auswahl zweckmäßiger und modischer Kopfbedeckungen für die Leistungsträger der postrationalen Zeit“.

Georg Thuringer ‚Ex Cathedra‘ (Quelle: ThuriMedia)
Georg Thuringer ‚Lady Ascot‘ (Quelle: ThuriMedia)

Die virtuelle Ausstellung „Roter Wolf im Nebel“ wird während ihrer Laufzeit noch erweitert und ist bis Ende Januar Montag bis Sonntag jeweils 0-24 Uhr bei freiem Eintritt zu besichtigen unter: www.roterwolfimnebel.wordpress.com  

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