Nach der musikalischen Reise von Paris nach New York über Alteiselfing ist vor den musikalischen Begegnungen. Ringlstetter & Band melden sich in diesem Sommer mit neuem Album und neuem Programm zurück.

Am 6. Juli erscheint in Zusammenarbeit mit Millaphon Records die neue Platte „Fürchtet euch nicht“. Das Album umfasst eine Vielzahl neuer Songs – mit dabei die bereits 2017 in Oberammergau vorgestellten und gefeierten Titel „A Ruah!“ und „Einfach so“. Zudem haben sich Hannes Ringlstetter und die Ringlstetter-­‐Band Verstärkung einiger namhafter Künstler ins Boot geholt. Stoppok, Max von Milland, Claudia Koreck, Stephan Zinner, die Rapper von dicht&ergreifend und noch einige mehr sorgen für einzigartige musikalische Begegnungen.

Entstanden sind die Titel am Ringlstetterischen Piano, auf Tour und im in Regensburg ansässigen Tonstudio. Die geneigten Zuhörer können sich jedenfalls auf eine bunte Mischung voller neuer Titel freuen. Das Tourprogramm wird natürlich trotzdem einige der beliebtesten Songs aus dem PNYA-­‐Album beinhalten. Fürchten muss man sich also wirklich nicht.

„Es geht darum, mutig zu bleiben!“
Interview mit Hannes Ringlstetter zum neuen Album & neuem Programm „Fürchtet Euch nicht!“

Herr Ringlstetter, Ihr neues Album heißt „Fürchtet Euch nicht!“. Warum?
Hannes Ringlstetter: Der Titel „Fürchtet Euch nicht!“ ist auf der Bühne entstanden. Und zwar bei der Ankündigung unseres Gitarristen Jochen. Der Gute wurde aufgrund seiner beeindruckenden, blonden Lockenpracht immer mit: „Der Herr schickte einen Engel auf Erden und der Engel sprach: ‚Fürchtet euch nicht’ angekündigt.“ Und da haben wir uns auf einmal gedacht: Genau darauf kommt es doch an.

Darauf, sich nicht zu fürchten?
Ringlstetter: Ganz genau. Es geht darum, keine Angst zu haben. Mutig zu bleiben. Neue Sachen auszuprobieren und neue Wege zu gehen. Ich finde, dass Angst in unserer Gesellschaft eine zu große Rolle spielt: Angst vor Fremden zum Beispiel. Ich dachte immer, wir haben jetzt die individuelle Freiheit – und trotzdem machen sich die Leute ins Hemd… Die Idee war also, gegen diese ganze Angstmacherei eine Platte zu machen und diese „Fürchtet euch nicht“ zu nennen. Das finde ich lässig. Und überhaupt: Die Bibel hat ganz gute Sätze, die man verwenden kann. Die funktionieren seit 2000 Jahren (lacht).

Was sollte man Ihrer Meinung noch in der aktuellen Lage tun?
Ringlstetter: Mir fällt bei dem ganzen Hass in der jetzigen Zeit, bei all dem, was passiert, als Gegenpol nur die Liebe ein. Das ist in der jetzigen Zeit das einzig schlüssige Gegenkonzept.

Wie sind die neuen Lieder entstanden?
Ringlstetter: Ganz unterschiedlich. Daheim am Klavier, im Studio, auf der Tour, oder an besonderen Orten. Der Titel „A Ruah!“ ist beispielsweise am Meer sitzenderweise entstanden. Das war bisher das einzige Mal, dass ich am Wasser saß, auf die Wellen geschaut habe und dabei ein komplett fertiges Lied entstanden ist. Das war ein ganz echter Moment. Und den kann ich mir auch herholen, wenn ich spiele.

Ist das Ihr Lieblingsort? Das Meer?
Ringlstetter: Ich habe mehrere Lieblingsorte. Ich bin auch sehr gerne in München bei meiner Familie. Allerdings halte ich es in der Stadt nicht lang aus. Drei Tage, und ich werde ganz unruhig. Dann muss ich raus aufs Land. Dort ist mein Lieblingsort, mein Haus am Fluss. Da ist wirklich sonst nichts.

Wie lange dauert es dort, bis Sie zur Ruhe kommen?
Ringlstetter: Ich glaube, ich wohne genau da, weil es keinen anderen Ort gibt, an dem es schneller geht. Wenn ich ankomme, bin ich für zwei Stunden extrem hibbelig. Ganz einfach, weil es von 100 auf null geht – also wirklich null. Aber dann mache ich ein Feuer im Kamin und sitze da. Etwa zwei Stunden. Dann ist alles gut.

Kochen Sie auch selber?
Ringlstetter: Ich koche selber – und auch gut nebenbei (lacht). Ich koche also, sitze am Feuer, rauche eine Zigarette und spiele ein wenig auf der Gitarre…

… also genau so, wie man es sich bei einem Musiker vorstellt.
Ringlstetter: Das Haus ist in der Tat das Ergebnis einer romantischen Vorstellung. Ich hatte nie einen richtigen Plan, was mein privates Leben angeht. Es gab nur einen einzigen Traum – und der ist so klischeevoll romantisch, dass er fast schon wieder grauenvoll ist: Ich hatte immer dieses Bild von einem Haus an einem Fluss, in dem in der Mitte ein Flügel steht. Und das Witzige ist, dass das nun genauso ist.

Was bedeutet Heimat für Sie?
Ringlstetter: Niederbayern ist Heimat für mich. Weil ich diese Düfte, die Gerüche, die Landschaft in mir habe. Weil ich einfach so bin. Ein Niederbayer halt. Mittlerweile würde ich aber auch sagen, dass Heimat da ist, wo meine Crew ist. Die Leute, die dieses Zigeuner-Leben mit mir leben. Ich bin ja mehr mit den Jungs zusammen als mit meiner Frau. Das ist nun einmal so. Touren kann ich am besten.

Wie viel Niederbayer steckt in Ihnen?
Ringlstetter: Viel (lacht). Ich gehe immer davon aus, dass man alles selber schaffen muss. Und ich bin sehr misstrauisch. So, wie viele Niederbayern. Das hat ganz einfach damit zu tun, dass wir um die eigene Hinterfotzigkeit wissen. Ich kann auch prima hinterfotzig sein. Aber ich bin es halt nicht. Ganz einfach, weil ich anders erzogen bin, weil ich nicht so sein will. Trotzdem weiß man ja nie, ob es die anderen nicht sind. Außerdem sind wir Niederbayern schwer beeindruckbar. Mit Geld und Erfolg zumindest nicht. Mich interessiert nicht, wie viele Häuser und Motorräder jemand auf Ibiza hat. Da werde ich sofort wieder misstrauisch.

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Ringlstetter: Ich hätte gerne, dass man versteht, dass es eine Mischung ist. Eine Mischung aus Humor und sehr direkter Sprache und einer zweiten, größeren Ebene. Ich wünsche mir, dass die Leute auch diese zweite Ebene entdecken. Dann bin ich zufrieden. Außerdem habe ich einfach noch eine kindliche Albernheit in mir. Blödeln ist für mich viel ergiebiger als gscheide Sachen sagen.

Sie sind immer unterwegs: Da ist Ihre Sendung im BR, diverse Solo-Auftritte und nun die Tour im Sommer. Wie lange lässt sich dieses Pensum durchziehen?
Ringlstetter: Das werden wir sehen. Was ich echt versuche – so abgedroschen es klingt – ist: In der Gegenwart zu leben. Nicht in der Zukunft, nicht in der Vergangenheit. Ich denke, das ist das Lehrstück des Lebens. Wenn dir das gelingt, hast du die größte Chance, Glück zu empfingen.

Für Ihre neue Platte haben Sie sich die Unterstützung einiger bekannter Wegbegleiter gesucht. Mussten Sie den ein oder anderen überzeugen, oder waren alle sofort dabei?
Ringlstetter: Glücklicherweise musste ich niemanden überreden. Im Gegenteil. Es hat mich selber überrascht, aber alle waren sofort dabei und haben am kreativen Prozess mitgewirkt. Das hat mich sehr gefreut. So sind wirklich tolle Titel entstanden.

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Am 25. Juli wird er mit seiner Band im Rahmen des Eulenspiegel Zeltfestivals mit seinem aktuellen Programm auftreten. Im Vorprogramm hat er Pam Pam Ida mit im Boot.