Die neue Heimat der ältesten jüdischen Gemeinde in Bayern ist auch ein Bürgerprojekt. 

Regensburg (obx) – Es war ein historischer Moment: Fast auf den Tag genau 500 Jahre nachdem das jüdische Leben 1519 in Regensburg erstmals ausgelöscht wurde, begann dort mit der Eröffnung des neuen Gemeindezentrums 2019 eine neue Ära. Damit ging ein Herzenswunsch der Jüdischen Gemeinde Regensburgs in Erfüllung: Das Jüdische Leben in der 2.000-jährigen Stadt an der Donau, in der Deutschlands drittälteste jüdische Gemeinde zu Hause ist, hat mit der neuen Synagoge eine Heimat mit Zukunft.

Die Jüdische Gemeinde in Regensburg ist viel älter als der berühmte gotische Dom, den jährlich Millionen Touristen aus aller Welt besuchen. Um das Jahr 1.000 gibt es bereits eine Synagoge, eine Schule und ein Gericht und einen jüdischen Friedhof einige Kilometer außerhalb der Stadtgrenze. Im elften Jahrhundert blüht das jüdische Leben in Regensburg auf. Anfang des 16. Jahrhunderts werden die Juden aus Regensburg vertrieben, ihr Gotteshaus am Neupfarrplatz niedergebrannt. 
Erst ab Ende des 17. Jahrhunderts kehren wieder Juden nach Regensburg zurück. Als 1907 ihr Betsaal wegen Einsturzgefahr geschlossen werden muss, erlaubt die Stadt den Bau einer neuen Synagoge. Dieses Mal, so ist es überliefert, „für die Ewigkeit“. 1912 wird das neue Gotteshaus eingeweiht. Nur 26 Jahre später wird es in der Reichspogromnacht Opfer der Flammen. Nach dem Krieg entstand nur ein Provisorium. 

Zehn Architekten hatte die Gemeinde 2015 zum Architekturwettbewerb für ein neues Jüdisches Zentrum mit Synagoge geladen. Das Projekt galt von Anfang an als sehr anspruchsvoll: die verfügbare Grundfläche mitten in der Altstadt galt als größte Herausforderung. Der Sieger des Wettbewerbs, das Architekturbüro Volker Staab aus Berlin, löste die Aufgabe nach einhelliger Ansicht der Jury am besten. „Sein Entwurf fügt die moderne Architektur sehr gelungen ins historische Regensburger Weltkulturerbe ein, setzt die Synagoge im Gesamt-Ensemble ins optische Zentrum und zeigt, trotz der leider notwendigen Sicherheitserfordernisse einer jüdischen Einrichtung, eine einladende Offenheit“, lautete 2015 die Einschätzung der Bauherren.

(Foto: obx-news/Marcus Ebener)

Staab Architekten gilt als eines der renommiertesten deutschen Planungsbüros. Was die Gemeinde in Regensburg besonders überzeugte: Die schlichte Gestaltung des Synagogen-Innenraumes durch das Zusammenwirken von Holz, Stein und Licht-Einfall schafft eine meditative Stimmung im Raum. Der neue Gemeindesaal bietet rund 200 Besuchern Platz.

Der Neubau verfügt zudem unter anderem über einen Versammlungsraum für Feiern und Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte und Vorträge. Mit großen Schiebeelementen kann der Raum im Sommer zum Hof hin geöffnet werden. Gebetet wird im ersten Stock. Auch ein Lese- und Studienraum für Jugendliche und Studierende, Besprechungszimmer, ein Spielzimmer für Kinder, ein Unterrichtsraum für Hebräischkurse und das Thorastudium, Küchen für die strikt koschere Zubereitung und Aufbewahrung von Speisen sind Teil des Neubaus.

Finanziell war der Bau der Synagoge, deren Grundstein im Herbst 2016 gelegt und die im Februar 2019 offiziell eröffnet wurde, für die in den vergangenen Jahren durch Neuankömmlinge aus der ehemaligen Sowjetunion über 1.000 Mitglieder gewachsene Regensburger Gemeinde ein Kraftakt. Zwar konnte der Großteil der Baukosten in Höhe von rund neun Millionen Euro über Zuschüsse des Bunds, der Stadt Regensburg und des Freistaats Bayern abgedeckt werden. Einen Teil musste die Gemeinde jedoch selbst aufbringen. Frauen und Männer aus Politik, Wirtschaft, Hochschulen und Stadtöffentlichkeit riefen daher einen Förderverein ins Leben, der viele Regensburger als Partner für die neue Synagoge gewinnen sollte. Mit Erfolg: Rund eine Million Euro kam auf diese Weise mit dem „Bausteinprojekt“ zusammen. Damit ist das neue Gotteshaus auch ein echtes „Bürgerprojekt“. Mehr Informationen, auch zu Besichtigungen:  www.jg-regensburg.de