Ostbayerische Wissenschaftler weisen neurologische Schäden durch das Corona-Virus nach. Betroffen sind auch Patienten mit leichten bis mittelschweren Symptomen

Regensburg (obx) – Welche Folgen hat eine Infektion mit dem Corona-Virus auf lange Sicht? Viele der Langzeitfolgen der neuartigen Erkrankung sind bisher unbekannt und unerforscht. Eine Studie an der Regensburger Kinder-Universitätsklinik St. Hedwig kam jetzt zu dem Ergebnis, dass zu den Folgen auch neurologische Beeinträchtigungen gehören: Corona greift das Gehirn an. Norwegische Forscher nennen es das „Covid-19-Brain“: Sie berichten von Patienten, die verwirrt und desorientiert sind. Und auch die Erkrankten selbst erzählen von neurologischen Beeinträchtigungen. Diese reichen von leichten Symptomen wie Kopfschmerzen oder Verlust des Geruchssinns bis hin zu Wahnvorstellungen und Angstzuständen. Die Regensburger Studie bestätigte diese Beobachtungen aus Norwegen jetzt. 

Im Mittelpunkt dieser Studie stand die Frage, wie sich das Corona-Virus auf das Gehirn auswirkt. Das Ergebnis ist besorgniserregend: „Wir haben ausschließlich Patienten mit leichten bis mittelschweren Krankheitsverläufen untersucht, die keine oder nur geringe neurologische Beeinträchtigungen aufwiesen“, sagt Professor Dr. Sven Wellmann, Chefarzt für Neonatologie an der Kinder-Universitätsklinik St. Hedwig und Professor am Lehrstuhl für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Regensburg. „Auch hier mussten wir feststellen, dass COVID-19 nicht nur die Lunge angreift, sondern auch neurologische Schäden verursacht.“ 

Die Ergebnisse der Regensburger Studie mit dem Titel „Association of neuronal injury blood marker neurofilament light chain with mild-to-moderate COVID-19“ wurden im Juli im Fachmagazin Journal of Neurology veröffentlicht. Der Nachweis gelang den Medizinern mit einer erhöhten Konzentration von Neurofilament im Blut. Das Neurofilament ist ein Eiweißmolekül, das nur in Nervenzellen vorkommt und dessen Bestandteile quantitativ bestimmt werden können. Diese Messmethode hat sich bereits bei anderen Erkrankungen des peripheren und zentralen Nervensystems bewährt.

Für die Studie wurden insgesamt 100 Teilnehmer, 84 Frauen und 16 Männer, entsprechend ihres SARS-CoV-2-Infektionsstatus in zwei Gruppen gegliedert: 28 waren positiv getestet worden, 72 negativ. Die Studie zeigt, dass die Konzentration von Neurofilament im Blut bei Corona-Patienten deutlich höher ist als bei der Kontrollgruppe. Welche neurologischen Langzeitschäden durch eine Erkrankung mit dem Corona-Virus entstehen können, ist noch nicht bekannt. „Deshalb ist es so wichtig, dass wir neurologische Beeinträchtigungen, die durch COVID-19 entstanden sind, weiterhin genau beobachten und dass wir im Umgang mit der Corona-Pandemie nicht nachlässig werden“, so Professor Wellmann.

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