Kerstin Weiß, die stv. Elternbeirats-Vorsitzende der St.Gotthard-Grund- und Mittelschule schilderte MdL Alexander Muthmann, wie Kinder und Jugendliche unter geschlossenen Schulen leiden (Foto: Heidi Wolf)

„Dieses Schuljahr ist weitgehend gelaufen!“

Stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende Kerstin Weiß schildert MdL Muthmann, was Corona mit Kindern und Eltern macht

Kirchberg im Wald. Kerstin Weiß, Mutter von fünf Kindern, ist wütend. Seit einem Vierteljahr hat die St.-Gotthard-Grund- und Mittelschule auch in Kirchberg wegen der Corona-Epidemie geschlossen – ein unhaltbarer Zustand, wie die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende anprangert.

Mitte März 2021 schilderte das Gremium in einem Brandbrief an Landes- und Regionalpolitiker die Situation und verlangte eine umgehende Öffnung. MdL Alexander Muthmann aus Freyung hatte dieses Schreiben auch erhalten und traf sich deshalb kürzlich mit Kerstin Weiß, um sich aus erster Hand über die drängendsten Probleme zu informieren.

Dieses Schuljahr ist weitgehend gelaufen. Die Kinder, die im September 2019 in die Schule kamen, konnten wenigstens bis zur ersten Corona-Welle im März 2020 Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Dieses Ziel haben die ABC-Schützen vom September 2020 sicher nicht erreicht, denn für sie war am 16. Dezember schon wieder Schluss. Sie hatten nur dreieinhalb Monate Zeit. Der Distanzunterricht ersetzt keinen Präsenzunterricht, vor allem nicht in der Grundschule.

Kerstin Weiß, stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende

In kleinen Gebieten müsse es doch möglich sein, regionale Lösungen zu finden, unabhängig vom jeweiligen Inzidenzwert, ist Alexander Muthmann überzeugt. Anders als in Ballungszentren sei eine Schule mit 250 Kindern aus 200 Familien wie in Kirchberg viel übersichtlicher, was die Bekämpfung der Pandemie leichter mache. Alles sei einfacher zu organisieren: der Transport in Schulbussen, unterschiedlicher Unterrichtsbeginn und -ende zum Beispiel: „Schade, dass diese Chancen nicht genutzt werden!“ Einen Schritt nach vorne erwarten sich Kerstin Weiß und Alexander Muthmann von den Impfungen, die allen Lehrerinnen und Lehrern im Landkreis Regen angeboten wurden – und von regelmäßigen Tests auch für Schülerinnen und Schüler.

„Es gibt viele sachliche Gründe, warum Kinder in die Schule müssen. Sie brauchen die Begegnung mit anderen“, sagte Alexander Muthmann, der ein doppeltes Bildungsgefälle befürchtet: In gebieten mit niedriger Inzidenz ist Schulbetrieb möglich, in solchen mit hoher Inzidenz bleiben die Schulen geschlossen. Bildungschancen werden verspielt; auf der Strecke bleiben vor allem die Kinder und Jugendlichen, die zu Hause keine oder nur wenig Unterstützung bekommen oder bekommen können. „Eltern und Geschwister sind keine Lehrer; der Distanzunterricht ersetzt keinen Präsenzunterricht“, fasste Kerstin Weiß ihre Erfahrungen zusammen. Ihr siebenjähriger Sohn hat in dieser Misere noch Glück: Er besucht die zweite Klasse der Grundschule und hat eine engagierte Lehrerin, die jeden Tag von 08.30 bis 09.30 Uhr alle 27 Kinder am Bildschirm unterrichtet. Nach einer Pause geht es online noch in kleinen Gruppen weiter. „An der Ausstattung fehlt es nicht. Alle Kinder haben selbst ein Notebook oder können ein solches bei Bedarf ausleihen, denn die Gemeinde hat genug Geräte angeschafft“, berichtete Kerstin Weiß. Trotzdem sei der größte Wunsch ihres Sohnes: Endlich wieder in die Schule zu gehen, Freunde treffen! Deshalb ihre Forderung: Die Schulen öffnen, nicht nur für Abschlussklassen!

„Ich weiß, dass die Situation für Eltern und noch mehr für Alleinerziehende ungeheuer belastend ist. Ich habe großen Respekt, wie Sie das schultern“, sagte Alexander Muthmann, der für den Elternbeirat Kirchberg im Wald ein Ansprechpartner bleiben will: „Diese Einblicke in die Realität sind mir sehr wichtig!“