Auswirkungen der geplanten Personaluntergrenzen

Weißenburg. Die Pflege in unseren kommunalen Kliniken ist hoch professionell und in ihren fachlichen Ansprüchen mehr denn je gefordert. Sie hat den intensivsten Kontakt zu den Patienten und deren Angehörigen. Ein Wirken im Einklang mit allen Berufsgruppen des Klinikalltags ist heute Grundvoraussetzung für eine hohe Patientensicherheit und der Versorgungsqualität.

Wie kann dieser Qualitätsanspruch auch in den kommenden Jahren gesichert werden? Wie müssen die Rahmenbedingungen im Gesundheitssystem gestaltet werden, um künftig wirksame Veränderungen zu bewirken? Wie kann die Leistung der Pflege in unserem System abgebildet werden? Für all diese Fragen suchten beim 4. Krankenhausforum der Klinik-Kompetenz-Bayern eG (KKB) zahlreiche Kommunalpolitiker sowie Vertreter von Klinken und weiteren Institutionen nach Antworten.

Gerhard Wägemann, Landrat des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen, betonte bereits bei der Begrüßung, dass „die Pflege ein toller Beruf ist“. Die Politik stehe in der Pflicht, die optimalen Bedingen dafür zu schaffen. Peter Krappmann, Aufsichtsratsvorsitzender der KKB und Vorstand des Fürther Klinikums, ergänzte: „Die Bürokratie muss weniger werden, das Pflegepersonal muss wieder mehr Zeit für den Patienten haben.“

Zum 1.1.2019 sollen Personaluntergrenzen für den Pflegedienst im Krankenhaus in Kraft treten. Vorgesehen ist, dass Kliniken, die die Untergrenzen nicht einhalten, mit Vergütungsabschlägen sanktioniert werden können. Eine angemessene Personalausstattung ist für die Qualität der Patientenversorgung und die Arbeitssituation der Beschäftigten unabdingbar, allerdings ist der Arbeitsmarkt quasi leergefegt. Manuela Großauer, Pflegedirektorin der Kliniken Südostbayern, merkt kritisch an, dass die Umsetzung leider nicht bis zu Ende gedacht ist. Die Frage, „Wie sollen Kliniken die Fachkräftelücke füllen oder „Woher nehmen, wenn nicht stehlen?“ bleibt unbeantwortet.
Professionelle Pflege kann in den Krankenhäusern nur stattfinden, wenn sich die Rahmenbedingungen grundlegend ändern. „Mehr Qualität kann es nur durch mehr qualifizierte Pflegepersonen geben“, so appelliert die Pflegedirektorin des Klinikums Amberg, Kerstin Wittmann. Aufgrund kultureller und sprachlich Probleme im Klinikalltag sind ausländische Pflegekräfte keine Lösung.

Jürgen Winter, KKB-Vorstandsmitglied und KAV-Mitglied des Gruppenausschusses Krankenhaus, fasst am Ende zusammen: „Die Pflegekräfte in unseren Kliniken leisten eine professionelle Pflege, die hohen qualitativen und ethischen Ansprüchen gerecht wird“. Ein breiter gesellschaftlicher Konsens ist nötig, welche Krankenhausversorgung in Zukunft leistbar ist, eine professionelle Pflege wird es nie zum Nulltarif geben.

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden insbesondere die von Robert Hinke (Gewerkschaft ver.di) vehement geforderten Personaluntergrenzen kontrovers erörtert. Die Klinikvertreter wiesen insbesondere auf die Gefahr hin, dass auch bei kurzfristigen Personalausfällen die Behandlung von Patienten künftig aus Haftungsgründen abgelehnt werden müsste und die Versorgungssicherheit insbesondere in ländlichen Regionen erheblich eingeschränkt wäre.