Stadtkapelle gab ihr Jahreskonzert – Motto: „Feuer trifft Wasser“ – 350 begeisterte Besucher – Auszeichnungen für treue Musiker

Waldkirchen. Gegensätzlicher konnte das diesjährige Programm des Stadtkapellen-Konzertes kaum sein, bei dem Feuer und Wasser (musikalisch) unter einen Hut zu bringen waren. Doch wer bei den einzelnen Musikstücken genau hinhörte, konnte in beiden Elementen ganz ähnliche Bewegungen wahrnehmen: Leise züngelnde Flämmchen und sanft dahinplätscherndes Wasser, aber dann auch wieder wild auflodernde Feuerzungen und brausender Wasserfall. Dass den rund fünfzig Musikern auf der Bühne des Bürgerhauses dieser Spagat ausgezeichnet gelungen ist, zeigte ein ums andere Mal der stürmische Applaus der 350 begeisterten Zuhörer.

Unter den Besuchern des bis auf wenige Plätze ausverkauften Konzertes hat der Moderator, Gymnasiallehrer Dr. Claus Kappl, Ehrengäste wie den evangelischen Diakon Johannes Strecker, MdL Bernhard Roos, die stellvertretende Landrätin Renate Cerny, Bürgermeister Heinz Pollak, den früheren Bürgermeister Peter Jarosch, die Waldkirchener Ehrenbürger Heinrich Schmidhuber und Franz Huber sowie Rainer Poxleitner vom Musikbund Ober- und Niederbayern (MON) ausgemacht.

Zum Stadtkapellen-Konzert gehören traditionell auch Ehrungen besonders treuer Musiker (vorne von links): Regina Reischl, Michelle Bauer, Andrea Pilsl, Martina Silbereisen, Johanna Maier und Norbert Weber (rechts).
Geehrt wurden von Bürgermeister Heinz Pollak (3.v.l.) und Dirigent Christoph Lorenz (hinten links) auch Moderator Dr. Claus Kappl (2.v.r.) und Organisator Michael Hobelsberger (hinten rechts) – Foto: Fl. Duschl

Was den Konzertbesuchern spätestens nach einem entsprechenden Hinweis von Claus Kappl auffiel, war das ungewohnte Outfit der Musiker: Die Damen im Kleinen Schwarzen oder schwarzer Hose, die Herren, wie der Moderator vermutete, im Konfirmations- oder Hochzeitsanzug, dazu mit orangefarbener Fliege.
Schon der spritzige Auftakt mit der „Unity Fanfare“ des österreichischen Komponisten Otto M. Schwarz samt einem „Finale Furiosa“ ließ die Zuhörer aufhorchen: Da scheint heute besonders viel Power im Programm zu stecken!

Und dann folgte sogleich ein besonderes musikalisches Glanzlicht innerhalb des elfteiligen Programms: Die „Wassermusik“ mit ihren fünf recht unterschiedlichen Sätzen, von Georg Friedrich Händel für den englischen König Georg I komponiert. Man meinte, die verschieden starken Strömungen, das Plätschern und den Wellenschlag des Flusses Themse aus dem wechselnden Spiel der Instrumentenregister und diversen Tempi herauszuhören – die Interpretation der Musiker auf der Bühne und des Dirigenten Christoph Lorenz schien perfekt.

Nicht minder eindrucksvoll dirigierte nach der Pause Christoph Metten, zweiter Dirigent der Stadtkapelle, Österreichs heimliche Nationalhymne, den Walzer „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauß Sohn. Bekanntermaßen wird er alljährlich auch zur Eröffnung des Wiener Opernballes intoniert. Erneut zeigten die Musiker ein feinfühliges Spiel, zu dem man sich als Zuhörer auf den wogenden Wellen der Donau schaukeln lassen konnte. Nach dem letzten Takt brandete stürmischer Applaus auf. Was wohl die meisten Konzertbesucher bis dahin nicht wussten: Es gibt den Donauwalzer auch als Lied – mit einem unglaublich trivialen Text, den Claus Kappl in Auszügen zitierte.

Die beiden Highlights sollen die neun weiteren Musikstücke in ihrer Darbietung keinesfalls hintanstellen, jedes einzelne jedoch detailliert zu beschreiben, würde den Rahmen eines Zeitungsartikels bei weitem sprengen. Deshalb seien sie nur in der gebotenen Kürze angeführt.

Wie der eben erwähnte Donauwalzer stammt auch die Schnellpolka „Unter Donner und Blitz“ von Johann Strauß Sohn. Dann ebenfalls noch einmal Otto M. Schwarz, diesmal mit „Terra Vulcania“, in der der Komponist die Musiker die Genesis, die Entstehung der Welt, (in seiner Heimat Steiermark!) beschreiben lässt: Ausbrechende Vulkane und glutheiße Lava, die zischend ins Meer fließt. „Elf Minuten Höchstleistung der Musiker“ kündigte Moderator Dr. Kappl an und machte darauf aufmerksam, dass für dieses musikalische Epos ein eigenes Register aufgebaut werden musste: Zwitschernde Vögel, in Ton gesetzt mit Vogelpfeifchen.

Seit zehn Jahren moderiert Gymnasiallehrer Dr. Claus Kappl die Konzerte der Stadtkapelle (Foto: Fl. Duschl)

Szenenwechsel in die russische Taiga, an den Wolgastrand: Hans Kodlitz und Bernd Egidius haben wunderbare Melodien wie die Filmmelodie aus „Doktor Schiwago“, „Katjuschka“, Alexandras unvergessenes Taigalied und einen rasanten Säbeltanz zu einem herrlichen Medley verbunden.
Der Konzertmarsch „Die Sonne geht auf“ von Rudi Fischer leitete den zweiten Teil der Aufführung ein, bei der meist Christoph Metten dirigierte. Er ist übrigens im Musikbund MON stellvertretender Bezirksjugendleiter.

„Sea Songs“ – „Meereslieder“- betitelte Ralph Vaughan Williams seine Komposition, ein Arrangement von drei britischen Meeresliedern.
Welche Organisation hat gleichzeitig mit den Elementen Feuer und Wasser mehr zu tun als die Feuerwehr? Deshalb durfte ein Musikstück wie die Feuerwehrpolka von Jaroslav Zeman natürlich im Programm nicht fehlen. Die Zuhörer sollten, so Moderator Dr. Kappl, diesen Beitrag als musikalisches Dankeschön der Stadtkapelle Waldkirchen an die Feuerwehren verstehen. Gerade die Katastrophenfälle der letzten Jahre hätten eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig und wertvoll die Wehren in ihrem unermüdlichen und unentgeltlichen Einsatz seien.
Den Frauen aller Musikanten gewidmet ist die Polka „Musikantenfrauen“ von Norbert Gälle, der im vergangenen Jahr sogar schon einmal in Waldkirchen war, wo bei einem Frühjahrskonzert der Stadtkapelle seine Polka „Böhmischer Traum“ aufgeführt wurde.

Auf eine stürmische Rafting-Tour nahm die Stadtkapelle ihre Zuhörer beim letzten Programmpunkt mit: „Into the Raging River“ von Steven Reineke entführte die Konzertbesucher klangmalerisch zur rasanten Fahrt auf einem Fluss mit wilden Stromschnellen und schließlich einem Sturz über den tosenden Wasserfall.
Wie schon mehrfach erwähnt, wusste Dr. Claus Kappl als versierter Moderator die Zuhörer zu sämtlichen Musikstücken mit zahlreichen Informationen, Bonmots und kleinen Geschichtchen zu versorgen.

Traditionell gehören zum Jahreskonzert der Stadtkapelle auch Ehrungen und Auszeichnungen. Eine Urkunde für langjährige Zugehörigkeit zum Ensemble überreichten Dirigent Christoph Lorenz und Bürgermeister Heinz Pollak an Johanna Maier (10 Jahre), Regina Reischl (20 Jahre), Martina Silbereisen, Norbert Weber(beide 25 Jahre) und Andrea Pilsl (30 Jahre).
Ein „Jubiläum“ konnte auch Dr. Claus Kappl feiern: Er moderiert schon seit zehn Jahren die Konzerte der Stadtkapelle „in toller Manier und mit großem Zeitaufwand“, wie Dirigent Christoph Lorenz formulierte. Denn Dr. Kappl bereite sich jeweils mit umfangreichen Recherchen auf seine Moderation vor und sei auch bereits im Vorfeld der Konzerte bei allen Proben dabei.
Mit einem Präsent wurde auch Citymanager (und Mitglied des Ensembles) Michael Hobelsberger bedacht, der sich, so Lorenz, um die gesamte Organisation in der Vorbereitung der Konzerte kümmere.

Klarinettist Jan (links) und Schlagzeuger Simon (rechts) gehören zur Nachwuchs-Generation der Waldkirchner Stadtkapelle (Foto: Fl. Duschl)

Eine weitere Ehrung, die allerdings erst am 24. Februar stattfindet, kündigte Christoph Lorenz bereits jetzt an: Die „Probst-Buam“ aus Ensmannsreut, Mitglieder des Stadtkapellen-Ensembles, werden mit dem Förderpreis des Landkreises ausgezeichnet. Laudator wird dann Christoph Lorenz selbst sein.
Dankesorte richtete der Dirigent auch an weitere Unterstützer der Stadtkapelle, wie etwa Stefan Krist, der Pächter des Bürgerhaus-Restaurants, die Stadt Waldkirchen mit Bürgermeister Heinz Pollak an der Spitze, die Familien der Musiker, die viel Verständnis für die vielen Proben und Auftritte zeigen und das Ganze mittragen, nicht zuletzt die Musiker, „die er manchmal ganz schön gestresst“ habe. Doch die Arbeit habe ihm auch wahnsinnig Spaß gemacht, und Lorenz fügte an: „Ich bin stolz, bei euch zu sein.“

Natürlich kamen die Musiker nicht um eine Zugabe herum. Dabei wollte der Dirigent den Marsch „In die weite Welt“ der mittlerweile achtzigjährigen Margret Einzenhammer gewidmet wissen, die viele Jahre lang der Stadtkapelle angehört hat. Und die Zuhörer klatschten begeistert im Rhythmus der Melodie mit. „Des Großen Kurfürsten Reitermarsch“ von Huno Graf von Moltke mit einem tollen Trompetensolo schloss sich an.

Doch die begeisterten Konzertbesucher hatten immer noch nicht genug. Für die dritte Zugabe griffen die Musiker ins Programm des Tages zurück und brachten noch einmal die „Schiwago“-Melodie und danach den russischen Säbeltanz als rasanten „Rausschmeißer“ zu Gehör.

(Titelbild: Rund fünfzig Musiker umfasst das Ensemble der Waldkirchner Stadtkapelle – Foto: Fl. Duschl)