Schönberg. Mit vielen Klebezetteln hat Nico Simeth seine Lernmaterialen bestückt und in seiner Tasche verstaut. Das Lernpensum ist hoch, aber die ersten Monate des Projekts „Gemeinsamer Auszubildender ILE Ilzer Land“ haben gezeigt: Die Idee geht auf. Nico Simeth bereitet sich gerade schon auf die Zwischenprüfungen im Ausbildungszweig zum Verwaltungsfachangestellten für allgemeine und innere Verwaltung in den bayerischen Kommunen vor. Er ist ein Umschüler und muss daher die dreijährige Ausbildung in zwei Jahren absolvieren. „Normalerweise steht diese Zwischenprüfung erst nach eineinhalb Jahren Ausbildung an, Herr Simeth muss sie bereits nach einem halben Jahr absolvieren – zu den Konditionen, wie sie auch alle anderen haben. Das ist auf jeden Fall eine Herausforderung“, betont der Schönberger Bürgermeister und VG Vorsitzende Martin Pichler die besondere Situation des Azubis.

Die VG Schönberg fungiert als Ausbildungsbetrieb, auch weil Bürgermeister Josef Kern das Projekt initiiert hat. Er war es auch, der die Idee in die ILE Ilzer Land eingebracht hat und nun kooperieren die zwölf Kommunen auch in der Ausbildung von Herrn Simeth. Die Paxisanteile verbringt er je nach Ausbildungsblock in einer der zwölf Kommunen. „Angefangen habe ich im Markt Hutthurm“, erzählt Simeth „dort konnte ich schon zu Beginn sehr vielfältige Aufgabenbereiche kennenlernen und bin mir seither sehr sicher, dass diese Ausbildung und auch die Form immer wieder den Einsatzort zu wechseln, genau das richtige für mich ist.“ Nach der Station Hutthurm wechselte er in die Stadtverwaltung nach Grafenau und dann in den Markt Schönberg und als nächstes geht es nach der Zwischenprüfung in den Markt Röhrnbach. „Viele Aufgaben überschneiden sich, aber dennoch ist es interessant auch jeweils neue Verwaltungsstrukturen kennenzulernen“, sagt Simeth. „Die Arbeit in der öffentlichen Verwaltung ist einfach sehr vielfältig. Es geht um Bauanträge, Flurpläne und Genehmigungsverfahren, genauso wie um Personenstandsdaten, Auskünfte und auch Veranstaltungen, die organsiert werden. Das macht es so reizvoll und spannend hier die Ausbildung zu machen und später auch vor Ort in einer Kommune zu arbeiten.“ In Hutthurm gab es während seines Einsatzes etwa ein Bürgerbegehren. Bei der Organisation und Durchführung konnte er sich bereits einbringen.

Daneben hat Simeth ein großes Lernpensum zu absolvieren. In den letzten Monaten hat er nach einem Vorbereitungskurs so viele Bausteine an der Berufsschule in Passau aus Jahr 1 und Jahr 2 der Ausbildungszeit absolviert, wie im Zeitplan möglich war. Die restliche Zeit war er in den ILE Kommunen im Einsatz. Nicht alle Kommunen bilden selbst Auszubildende aus und haben auch die Kapazitäten dafür frei. Die VG Schönberg ist allerdings auf diesem Gebiet hervorragend aufgestellt.

Neben Simeth beschäftigen sie zwei weitere reguläre Auszubildende im Moment. Dennoch ist den Ilzer Land Kommunen sehr deutlich, dass in einigen Jahren viele der Beschäftigten in Ruhestand gehen werden und Nachwuchs daher dringend gebraucht wird. Das Handlungsfeld „Interkommunale Zusammenarbeit“ der ILE Ilzer Land hat daher schon länger darüber nachgedacht, wie man auch im Bereich von kommunaler Ausbildung zusammenarbeiten kann. „Die Ausbildung von Herrn Simeth ist für uns ein Pilotprojekt. Bis jetzt sind wir und ich hoffe auch er sehr zufrieden. Die Noten stimmen auf jeden Fall und wir haben hier ein Projekt, von dem alle Seiten direkt profitieren“, erklärt Josef Kern. Die kommunikative Art von Simeth und seine Erfahrung auch in seiner Zeit bei Bundeswehr und als Fahrlehrer haben ihn gut auf diese anspruchsvolle Aufgabe mit wechselnden Arbeitsorten umzugehen, vorbereitet.

Als Ausbildungsleiter fungiert Adolf Hackl, der für Personalangelegenheiten in der VG Schönberg zuständig ist. Gemeinsam mit der Geschäftsleitung der ILE Ilzer Land Carolin Pecho hat Hackl den Ausbildungsplan zusammengestellt. Die ILE ist außerdem auch Thema in der Berufsschule und Simeth wird in einem Referat in ein paar Wochen über die Funktionsweisen der Zusammenarbeit berichten. „Wir freuen uns sehr, dass wir die Gelegenheit haben das Projekt so durchzuführen und unterstützen ihn selbstverständlich auch bei den Präsentationen mit Informationsmaterial“, berichtet Pecho. „Die Unterstützung von der Geschäftsleitung und auch meine intensive Zusammenarbeit mit Herrn Hackl tut mir sehr gut. Auch Frau Weigl von DAA unterstützt mich bei allen Fragen. Man muss immer am Ball bleiben, aber mittlerweile macht sogar Rechnungswesen richtig Spaß. Das hatte ich vorher nicht und musste mich reinfuchsen, aber das habe ich jetzt auch gemacht!“, sagt Simeth.

Neben Berufsschule und Verwaltungslehrgängen unterstützt ihn die DAA, damit Simeth das fehlende Ausbildungsjahr kompensieren kann. Frau Weigl freut sich über das große Engagement des Umschülers, den die DAA bei der Organisation der Maßnahme und auch während seiner Umschulungszeit eng begleitet. Zwei Stunden die Woche hat Simeth etwa in den Räumen der DAA Gelegenheit die Inhalte im Selbststudium zu vertiefen. Ein Betreuer der DAA steht ihm dort zur Seite. Nach den Zwischenprüfungen geht es für ihn dann wieder in die Praxis in die Marktgemeinde Röhrnbach.