(Quelle: stmelf.bayern.de)

Naturwälder in Stadt und Landkreis jetzt „rechtsverbindlich“

Becker und Mangold: „Ohne das Artenvielfalt-Volksbegehren hätte es diesen Richtungswechsel im Naturschutz nicht gegeben“

Seit Mittwoch (2.12.) ist es amtlich: Mit Inkrafttreten der Bekanntmachung über die „Naturwälder in Bayern“ wird die Fläche der bayerischen Naturwälder rechtsverbindlich vergrößert. Einige Wälder wurden schon bisher aus der Nutzung herausgenommen, andere wichtige Lebensräume sind heuer hinzugekommen. Für die ÖDP-Kreisvorsitzenden Agnes Becker und Urban Mangold ist das „ein  erfreulicher Tag“:  „Auch bei uns gibt es nun rechtsverbindliche Naturwälder, zum Beispiel einzelne Bereiche im Neuburger Wald, im nördlichen Landkreis und im Passauer Stadtgebiet an der Ilz zwischen Unteröd und Reut.

„Erklärungsbedürftig ist allerdings, warum der verbindliche Naturwald an der Ilz unmittelbar vor der möglichen Nordtangententrasse aufhört. Es ist ja unvorstellbar, dass man einen besonders wertvollen Wald seiner natürlichen Entwicklung überlassen will und direkt daneben eine naturzerstörerische Nordtangente baut“, so Becker und Mangold. Trotz dieser Ungereimtheit vor Ort stellen sie aber fest, dass es „ohne das Artenvielfalt-Volksbegehren der ÖDP einen rechtsverbindlichen Status für Naturwälder in Bayern sicher nicht gegeben hätte“.

Schon lange fordert die ÖDP, dass die nationale Biodiversitätsstrategie endlich tatsächlich umgesetzt wird, wonach 10 Prozent der öffentlichen Wälder aus der wirtschaftlichen Nutzung herausgenommen werden sollten. „Die bayerische Forstpolitik hat das früher nicht unterstützt. Und jetzt geht es plötzlich doch! Das ist wirklich eine gute Nachricht für die Artenvielfalt und für alle, die monatelang für den Erfolg des Volksbegehrens gekämpft haben. In der Fachgruppe Wald des Runden Tisches in der Staatskanzlei hatten ÖDP-Vertreter genau darum gekämpft. Es ist schön zu erleben, dass man mit den Instrumenten der direkten Demokratie und viel Einsatz doch etwas bewegen kann“, sagen die beiden ÖDP-Politiker.

Nach dem Volksbegehren wurde bei den Verhandlungen am Runden Tisch das Thema Wald in einer eigenen Fachgruppe intensiv behandelt, berichtet die Volksbegehren-Initiatorin und stellvertretende ÖDP-Landesvorsitzende Agnes Becker (ÖDP). Den Empfehlungen dieser Arbeitsgruppe sei das Ministerium nun gefolgt. Becker erinnert sich an Aussagen von langjährigen Naturschützern, die von „ehemals zähen Verhandlungen“ mit den Ministerien um „jeden Quadratmeter“ nutzungsfreien Wald berichteten und selbst bei naturschutzfachlich höchst wertvollen Flächen immer wieder gescheitert waren. „Nun ist das anders. Diesem Schritt für mehr Artenvielfalt im Wald müssen allerdings noch viele weitere Verbesserungen folgen“, fordert Becker.

Aktuelle Quelle mit Karte: https://www.stmelf.bayern.de/wald/lebensraum-wald/259436/index.php


Hintergrund zur Karte
Wenn Sie diese vergrößern, sehen Sie die grün schraffierten Naturwald-Flächen im Freistaat. In dieser Karte sind die kompletten Naturwälder gekennzeichnet: jene, die schon bisher freiwillig aus der Nutzung herausgenommen waren und jene, die heuer hinzugekommen sind. Neu ist für alle gekennzeichneten Flächen, dass der Schutz nun rechtsverbindlich ist. Das heißt: Mit Inkrafttreten der Bekanntmachung über die „Naturwälder in Bayern“ am 2. Dezember 2020 sind diese besonders naturnahen Waldflächen rechtsverbindlich als Teil des grünen Netzwerks (gem. Art. 12a Abs. 2 BayWaldG) gesichert und ihre natürliche Entwicklung zu den Urwäldern von Morgen dauerhaft und verbindlich festgelegt.