Die Teilnehmer nach der Segnungsandacht mit Malteser Diözesangeschäftsführer und Diakon Rainer F. Breinbauer (Mitte, l.) und dem Sorgenbriefträger Sepp Ertl (Mitte r.) - Foto: Thomas König

Sorgenbriefe sind unterwegs nach Altötting

Sepp Ertl pilgert zu Fuß zum Gnadenort

Passau / Moosthenning / Altötting. Jedes Jahr am dritten Sonntag im Juli findet die große Malteser Wallfahrt aller bayerischen Diözesen mit Senioren und beeinträchtigten Mitmenschen nach Altötting statt. Nachdem die Wallfahrt im vergangenen Jahr coronabedingt ausfallen musste, können heuer nur die Malteser im Rahmen einer Gebetswallfahrt nach Altötting kommen und die von ihnen betreuten Menschen leider nicht. Die Passauer Malteser haben sich nun etwas einfallen lassen, damit diese auf eine andere, ganz besondere Weise trotzdem an der Wallfahrt teilhaben können.

So haben sie die Teilnehmer an den Fahrten angeschrieben und ihnen angeboten, ihre Sorgen, Klagen und Bitten niederzuschreiben, welche im Gnadenort vor die Gottesmutter gebracht und gesegnet werden und dann wieder zurück an die Empfänger gehen. Dieses Angebot machten sie auch den Bewohnern des Malteserstift St. Nikola. Die Idee für diese Möglichkeit, sich einmal alles von der Seele zu schreiben, hatte Sepp Ertl. Er ist dabei der „Sorgenbriefträger“.

Eine Woche vor der Wallfahrt trafen sich nun die Beteiligten, darunter die Abholer der Briefe, an der Diözesangeschäftsstelle, von wo sie zu Maria im Walde in den nahe gelegenen Hacklberger Stadtpark gingen. Es ist dies ein wunderbarer Ort der Stille und Einkehr. Hier feierten sie zusammen mit Diözesangeschäftsführer und Diakon Rainer F. Breinbauer eine Segnungsandacht und übergaben die Sorgenbriefe an Sepp Ertl, der sie sage und schreibe 120 Kilometer zu Fuß nach Altötting tragen wird. Der VIA NOVA Pilgerwegbegleiter hatte auch Briefe von seiner Heimatgemeinde Moosthenning im Landkreis Dingolfing-Landau dabei, die er ebenfalls nach Altötting trägt.

Malteser Diözesangeschäftsführer und Diakon Rainer F. Breinbauer (l.) sowie Sorgenbriefträger Sepp Ertl während der Segnungsandacht bei Maria im Walde (Foto: Rosmarie Krenn)

„Grüß Gott zu einem sehr schönen Ereignis“, sagte Rainer F. Breinbauer, bevor die kleine Gruppe sich auf den Weg machte. Dies sei heute„von Maria zu Maria, von Maria im Walde zu Maria in Altötting“, erklärte er. Obwohl es natürlich überall dieselbe Gottesmutter sei. „Wir können als Helfer und Malteser für die, die daheim bleiben müssen, die Sorgen nach Altötting tragen“, so Rainer F. Breinbauer bei der Andacht. „Wir wollen Rast bei Maria im Walde halten, doch soll heute ein Tag des Aufbruchs sein.“

„Ungläubig gestaunt“ habe er, als er erfahren habe, dass Sepp Ertl die Briefe zu Fuß nach Altötting bringen wird. Auch Dorothée von Manteuffel, die die Briefe aus dem Malteserstift an Sepp Ertl übergab, erklärte, dass die Bewohner sehr gerührt gewesen seien, „dass da wirklich jemand so weit geht.“ Unterwegs werden auch immer wieder andere VIA NOVA-Pilgerwegbegleiter ein Stück des Weges zusammen mit Sepp Ertl gehen.

Schon mehrmals hat er Sorgenbriefe getragen, doch noch niemals vorher hat er dafür einen so weiten Weg auf sich genommen. Er führt ihn auf österreichischer Seite den Inn entlang auf der Via Nova. Wenn er losgeht, dann tut er das, ohne irgendetwas vorher zu planen. „Ich lebe dabei von einem Tag in den anderen hinein. Einfallen lassen in den Tag. Das ist für mich die Erfüllung. Jeder Tag ist anders. Das ist eine große Freiheit für mich. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht: Du bist nie allein auf der Welt. Irgendwo kommt immer ein Lichtlein her“, erklärt Sepp Ertl. Für den ersten Tag hat er sich die Etappe von Passau nach Schärding vorgenommen. Es kann aber leicht sein, dass alles anders kommt, wenn es ihm unterwegs irgendwo besonders gut gefällt und er dort länger verweilen möchte. Auf jeden Fall will er am Sonntag rechtzeitig zur Segnung der Sorgenbriefe in Altötting sein.