Passau / Stuttgart, 15. Juli 2016 – Entscheidung für den Tierschutz: Der Passauer Ausschuss für Bauen und Liegenschaften hat am gestrigen Abend einem Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zugestimmt, dem zufolge Zirkusbetriebe, die mit Wildtieren wie Elefanten, Bären oder Löwen reisen, ab 2019 keine kommunalen Flächen mehr zur Verfügung gestellt bekommen. PETA hatte vor der Abstimmung bei den Ausschussmitgliedern für diese tierfreundliche Regelung geworben. Die Tierrechtsorganisation sieht bayerische Städte und Gemeinden als Vorreiter beim Schutz von Wildtieren im Zirkus: Von bundesweit gut 60 Städten mit kommunalem Wildtierverbot sind allein acht aus dem Freistaat vertreten, darunter auch Erlangen, Erding und Fürstenfeldbruck. Erding erstritt im April dieses Jahres das Recht auf ein kommunales Wildtierverbot vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Erst vor wenigen Monaten hat der Bundesrat ein Verbot bestimmter Tierarten im Zirkus gefordert und in seinem Entschließungsantrag detailliert begründet, warum diese – unabhängig vom jeweiligen Betrieb – in Zirkussen erheblichem Leid ausgesetzt sind. PETA appelliert an bayerische Städte und Gemeinden, Zirkussen mit Wildtieren ebenfalls die „Rote Karte“ zu zeigen.

„Der Beschluss der Stadt Passau spiegelt die Stimmung in der Bevölkerung wider. Zwei Drittel der Deutschen sprechen sich Umfragen zufolge für einen Zirkus ohne Wildtiere aus“, so Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Peitschen, Ketten und Elefantenhaken sind bald nur noch ein Fall für das Geschichtsbuch.“

Über 60 Städte haben der Tierquälerei im Zirkus bereits eine Absage erteilt und lassen bestimmte Tierarten nicht mehr auf eigenen Flächen zu. Seit April 2016 ist ein Urteil des Verwaltungsgerichts München rechtskräftig, das die Rechtmäßigkeit eines kommunalen Wildtierverbots bestätigt [1]. Ein Wanderzirkus mit Elefant und zwei Bären hatte gegen die Verbotsregelung der Stadt Erding geklagt. Der in das Verfahren involvierte Bayerische Verwaltungsgerichtshof betonte ausdrücklich, dass Städte die Entscheidungshoheit darüber haben, an welche Schaustellerunternehmen sie ihre Flächen vermieten [2]. Daraufhin zog der Zirkusbetrieb seine Klage zurück.

PETA fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus, denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod. Bezüglich exotischer Wildtierarten wie Elefanten, Tiger oder Affen sprechen sich auch die Bundestierärztekammer sowie der Bundesrat für ein Verbot aus, ebenso wie die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland. Einer repräsentativen forsa-Umfrage vom Mai 2014 zufolge vertreten 82 Prozent der Deutschen die Auffassung, dass Wildtiere nicht artgerecht im Zirkus gehalten werden können. 18 europäische Länder wie beispielsweise Belgien, Österreich, die Niederlande und Griechenland haben bereits bestimmte oder alle Tierarten im Zirkus verboten. PETA übt in dem Zusammenhang scharfe Kritik an der CDU/CSU-Fraktion, die als einzige Partei im Bundestag ihre Zustimmung zu einem Wildtierverbot verweigert.

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