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Sonntag, März 3, 2024
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Von Fall zu Fall

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Naturpark-Wandertipp der Woche

Arberregion / Bodenmais. Von den Rißlochwasserfällen zum Hochfall führt uns dieser Naturpark-Wandertipp der Woche. Gebietsbetreuer für die Arberregion Johannes Matt empfiehlt eine seiner Lieblingsrunden im Arbergebiet. Gestartet wird vom hinteren, gebührenfreien Rißloch-Wanderparkplatz am Ende des Rißlochweges bei Bodenmais. Bereits am Parkplatz empfängt herbstlicher Bergmischwald und das Rauschen des Rißbachs die Wanderer.

Zunächst folgen wir der Forststraße bergan, bevor wir bei der ersten Infotafel an den Toren des Naturschutzgebiets „Riesloch“ stehen. Hierbei ist interessant, warum es für das Gebiet mehrere Schreibweisen gibt: Rißloch, Rissloch, Riesloch. Die ursprüngliche Bezeichnung geht auf eine geologische Schwachstelle, einen Riß, zurück – entlang dessen sich der Wildbach über Jahrtausende eingegraben hat. Daran ändert auch die neue deutsche Schreibweise mit doppelten „s“ nichts. In der Verordnung zum Naturschutzgebiet von 1939 wurde die Schreibweise „Riesloch“ verwendet, die sich für das Schutzgebiet durchgesetzt und die Namensverwirrung perfekt gemacht hat.

Bevor wir weitergehen, fällt uns gegenüberliegend eine Schneise im Wald auf. Hier befand sich die ehemalige Skisprungschanze von Bodenmais. Ob man nun an der Weggabelung den oberen oder den unteren Weg wählt, bleibt einem selbst überlassen.

Etwas weniger trittfesten Wanderern sei der „bequeme Weg“ empfohlen. Das Naturschutzgebiet umfasst eine Größe von 32,9 Hektar und zeichnet sich mit einem gestuften Bergmischwald mit hohen Alt- und Totholzanteil aus. Der Waldbereich ist zudem Naturwaldreservat, in dem keine wirtschaftliche Nutzung durch die Bayerischen Staatsforsten erfolgt. Altbäume und Totholz verbleiben und dienen vielen Tier- und Pilzarten als Lebensraum. Spechte, wie der Bunt, Schwarz- oder der seltenere Dreizehenspecht zimmern hier ihre Baumhöhlen, welche anschließend von Fledermäusen, Hohltauben oder Sperlingskauz bewohnt werden – auf der Wanderung sollte man darauf achten: „Kaum etwas ist so voller Leben wie Totholz“.

Wir wandern weiter die wilde Rißlochschlucht hinauf. Auf einer Länge von 1,6 Kilometer überwindet hier der Rißbach 260 Höhenmeter. In der Schlucht vereinen sich der Arberbach, Schwellbach, Kleinhüttenbach und Wildauerbach zum Rißbach, der in mehreren Kaskaden hinunter stürzt und die höchsten Wasserfälle des Bayerischen Waldes formt. Bei der „Unteren Wasserstube“ wechseln wir die Bachseite und steigen hoch bis zur Weggabelung zur Schweiklruhe. Wer will, kann hier noch einen kurzen Abstecher zu den Wasserfällen der „Oberen Wasserstube“ machen.

Bergmischwald in der Rißlochschlucht (Foto: J. Matt)

Nach einer Rast auf der Schweiklruhe, einem Aussichtspunkt oberhalb von Bodenmais, folgen wir weiter den schmalen Pfad, bis dieser in eine Forststraße mündet, welche wir nun nach links, bergab folgen. Wir wandern die sogenannte „Glanderstraß“ hinunter, bis diese auf eine Asphaltstraße stößt. Dieser folgen wir kurz zur Lehrlingswerkstatt der Bayerischen Staatsforsten und biegen nach rechts leicht bergan auf einen kleinen Wanderpfad. Dieser führt uns über den Parkplatz Steinhüttlstraß zum Moosbach. Das Quellgebiet des Moosbach liegt zwischen dem Kleinen Arber und dem Enzian auf einer Meereshöhe von etwa 1163 Meter. Wir folgen den Wanderwegschildern zum Hochfall, zu dem wir in ca. 15 Minuten abgestiegen sind.

Der eindrucksvolle Hochfall (Foto: J. Matt)

Der im Jahr 1965 zum Naturdenkmal ausgerufene zweithöchste Wasserfall des Bayerischen Waldes beeindruckt vor allem durch seine kesselförmigen Gumpen. Über viele Jahrtausende hat sich hier das Wasser in den Gneis hinein gemeiselt und wannenartige Rinnen so herausgeschliffen, dass die streifenartige Anordnung der Gesteinsminerale besonders deutlich wird.

Frühherbst in der Rißlochschlucht (Foto: J. Matt)

Am Wegesrand fällt uns ein besonderer Farn auf, der Rippenfarn (Blechnum spicant), der auch Kraftfarn genannt wird. Dieser zeichnet sich durch zwei unterschiedliche Formen der Farnwedel aus. Die sporenlosen Wedel, an der Unterseite glatt, werden 15 bis 50 cm lang. Sie überdauern den Winter oft wintergrün als am Boden liegende Rosette. Die sporentragenden Wedel entstehen meist im Zentrum der Rosette und besitzen sehr schmale, rippenähnliche Fiederblätter. Die Sporen sind auf der Unterseite braun und in Zweierreihen zu erkennen

Wer jetzt im Herbst durch die Wälder rund um Bodenmais streift, der wird neben einigen Ausblicken auch Ruhe und Stille finden. Der „Perspektiv-Wechsel-Weg“ der Pfarrei Bodenmais lädt als Meditationsweg dazu ein. So kann man sich als „Landart-Künstler mit Naturmaterialien ausprobieren oder eine neue Perspektive auf die Natur oder das Umfeld einnehmen. Nach dem Bestaunen des Hochfalls läuft unsere Wanderung über den Parkplatz Klause gemütlich nach Bodenmais und unserem Ausgangsort aus.

Die Gumpen am Hochfall zeugen von der enormen Kraft des Wassers (Foto: J. Matt)

Wer diese 11,5 Kilometer lange Runde gegangen ist, stimmt mit dem Gebietsbetreuer für die Arberregion gewiss überein, dass die Rißlochwasserfälle und der Hochfall wohl die schönsten Flecken rund um Bodenmais sind.

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