Schule in Jugendherbergen. Warum nicht, Herr Minister!?

Landesverband Bayern im Deutschen Jugendherbergswerk begrüßt Einrichtung eines Sonder-Fonds für „Schule außerhalb der Schule“ und bietet seine leerstehenden Häuser zur Entzerrung des schulischen Unterrichts an | Präsenzunterricht ist möglich und nötig | DEHOGA Bayern unterstützt das Projekt

München. In einem gemeinsam unterzeichneten Brief appellieren das Bayerische Jugendherbergswerk (DJH) und der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) an Kultusminister Piazolo, schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen aller Jahrgangsstufen und Schulformen ein Höchstmaß an Präsenzunterricht zu ermöglichen. Dazu bieten DJH und DEHOGA erneut die aktuell ungenutzten Jugendherbergen bzw. Hotels für den schulischen Unterricht an.

Die Corona-Krise trifft Heranwachsende und ihre Familie besonders hart, da durch den bislang umgesetzten Distanzunterricht jeglicher persönliche Kontakt zu Gleichaltrigen – aber auch zu den Lehrkräften unterbrochen wurde. Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass dadurch mittel- und langfristig massive körperliche, psychische und emotionale Schädigungen bei jungen Menschen ausgelöst werden können.

Klaus Umbach, Präsident des DJH: „Das Infektionsgeschehen bleibt selbstredend eine bestimmende Größe für politische Entscheidungen. Gleichzeitig ist es nicht hinnehmbar, dass das Kindeswohl durch Kontaktbeschränkungen und HomeSchooling in Gefahr gerät. Wir begrüßen deshalb ausdrücklich die Ankündigung des Kultusministers, einen Sonder-Fonds einzurichten, der es Schulen ermöglichen wird, den Unterricht in Jugendherbergen oder andere Einrichtungen zu verlagern. Die Jugendherbergen in Bayern verstehen sich als gemeinwohlorientierter Akteur der Zivilgesellschaft und sind seit ihrer Gründung vor fast 100 Jahren unverzichtbarer Teil der Bildungsinfrastruktur und Sozialisationsinstanz im Prozess des Erwachsenwerdens.“ Bislang hatte das Ministerium entsprechenden Initiativen wie „Schule in Jugendherbergen“ oder „Schule im Hotel“ nur unzureichend Beachtung geschenkt.

Das Jugendherbergswerk weist in diesem Zusammenhang abermals auf den Aspekt des sozialen Lernens hin, der den Wissenserwerb in Form schulischer Lernprozesse durch Impulse zur Persönlichkeitsbildung erweitert. Vor dem Hintergrund monatelanger Isolation sind diese Angebote wichtiger denn je, sollen Klassenverbünde gestärkt und Gemeinschaftsgefühl und Solidarität (neu) eingeübt werden. „Wenn allen Akteuren in Politik und Zivilgesellschaft das Wohl von Kindern und Jugendlichen vorrangiges Anliegen ist, wenn schulische und soziale Bildung die Aspekte sind, die künftige Verwerfungen und Benachteiligungen am wirkungsvollsten verhindern können – wenn Bildungsgerechtigkeit und Teilhabe wichtiges Handlungsmotiv für diese Gesellschaft ist, müssen entsprechende Weichen jetzt gestellt werden“, heißt es in dem gemeinsamen Brief von DJH und DEHOGA an Minister Piazolo.

Ministerpräsident Söder hatte nach dem Ministerrat vom 26. Januar geforderten, durch organisatorische Vorgaben und Finanzierungszusagen schon jetzt Perspektiven für die Nach-Corona-Zeit zu schaffen. Der Zeitpunkt für solche konkreten Planungen ist jetzt! Offene Fragen zu Sicherheit, Ausstattung oder Schulorganisation können keine Gründe sein, schulischen Unterricht nicht zu erweitern. Dass flexible und unbürokratisch erarbeitete Modelle im Sinne von Kindern und Jugendlichen möglich und erfolgreich sind, beweist u.a. die Kooperation zwischen dem Bodensee-Gymnasium Lindau und der dortigen Jugendherberge. Schulaufwandsträger, Schulleitung, Lehrer*innen und vor allem die Schüler*innen konnten sich keine besseren Bedingungen für den Präsenzunterricht wünschen. Das Modell ist beispielgebend und wurde binnen weniger Tage realisiert.

Im Sinne des Wohlergehens von Kindern und Jugendlichen fordert das Bayerische Jugendherbergswerk, kurzfristig und umfassend den Lern- und Lebensalltag der Heranwachsenden in die politischen Planungen einzubeziehen und schließlich Szenarien für ein Wiederanfahren aller Bereich der Kinder- und Jugendhilfe – inklusive außerschulischer Jugendarbeit/Jugendbildung – zu entwickeln.