Zwei Liebende in Virusverwirrnis und ein starrköpfiger Superstar

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    Lesung mit Steffen Kopetzky und Michaela Karl beim Passauer Pegasus

    (von Tobias Schmidt)

    Passau. Wenn es irgendwann einmal einen Literaturpreis für „den Roman zur Krise“ geben sollte, dann ist Steffen Kopetzky sicherlich einer der Aspiranten. Im November 2019 las er im Passauer Scharfrichterhaus aus seinem danals für den Bayerischen Buchpreis nominierten historischen Roman „Propaganda“. In dessen Mittelpunkt stand ein Propagandaoffizier und Teilnehmer der sogenannten „Allerseelenschlacht“ 1944 nahe Hürtgenwald in der Eifel. Die Zeitläufe bringen es mit sich, dass dieser irgendwann die Moral über das Hüten von militärischen Geheimnissen stellt und zum Whistleblower wird. Wie unserer Tage etwa Edward Snowden oder Julian Assange. Nebenher verwob Kopetzky in diesem Buch auch noch Abenteuerroman und Literaturgeschichte. Bis hinein in die Nebenfiguren. Eine davon war der deutsche Sanitätsoffizier und spätere Medizinprofessor Günter Stüttgen (1919-2003), der hunderte Soldaten auf beiden Seiten der Front rettete. Diesem Dermatologen begegnen die Leser nun erneut in Kopetzkys aktuellem, bei Rowohlt verlegten Roman „Monschau“, den der Autor am 17. November 2021 im Passauer Scharfrichterhaus vorstellen wird.

    Bisweilen als Liebesroman angekündigt, steckt wieder mehr in diesem Buch, nämlich: eine Studie über, von einer Virusepidemie betroffene Menschen. Kopetzky setzt hier das schriftstellerische Brennglas an, projiziert die gegenwärtige Pandemieerfahrung in einen klar umgrenzten Raum mit starken Figuren. Et voilà, fertig ist der Gesellschaftsroman zur Weltvirusverwirrnis.

    Zur Handlung: 1962 wurde Professor Günter Stüttgen in den Landkreis Monschau in der Eifel beordert. Denn dort an der Grenze zu Belgien, waren die hochansteckenden und lebensgefährlichen Pocken ausgebrochen. Ein Techniker eines auf Spezialöfen spezialisierten Unternehmens, brachte die Krankheit aus Indien zurück ins Wirtschaftswunder-Deutschland. An Stüttgens Seite arbeitet der junge griechische Betriebsarzt Nikolaos Spyridakis. Als Kind erlebte er die Gräuel der deutschen Besatung und muss nun Quarantäne-Regeln gegen einen auf dem Offenhalten der Fabrik bestehenden Fabrikleiter durchsetzen, der, wie sich herausstellt, der Ideologie des Nationalsozialismus nicht abgeschworen hat und die feindliche Stimmung gegenüber den Ärzten anheizt. Doch Spyridakis lernt auch Vera Rither kennen. Vollwaise, Alleinerbin des erwähnten Unternehmens, studiert in Paris, bewundert die existenzialistische Philosophin und Feministin Simone de Beauvoir, erlebt den Jazztrompeter Miles Davis während dessen fruchtbarer Zeit in der Metropole an der Seine. Nicht nur Davis‘ Schallplattenaufnahmen gefallen beiden, als bald empfinden beide auch mehr füreinander. Hat diese Liebe in Zeiten des Virus eine Chance?

    Am 24. November 2021 wird Michaela Karl, Spezialistin für unterhaltsam geschriebene Biographien widerspenstiger und widersprüchlicher Frauen, im Scharfrichterhaus zu Gast sein. Diesmal mit „Lasst uns tanzen und Champagner trinken – trotz alledem“, ihrer aktuell im btb Verlag erschienenen Biographie der Tänzerin Isadora Duncan (1877-1927). Sie war ein weiblicher Superstar am Beginn des 20. Jahrhunderts und in ihrem Sein und Tun kompromisslos bis zur Starrköpfigkeit. Radikal selbstbewusst, verwarf sie das formal strenge Regime des Balletts und begründete als vielleicht Erste den modernen Ausdruckstanz mittels klassischer Konzertmusik.

    Buchcover ‚Lasst uns tanzen und Champagner trinken – trotz alledem‘ (Quelle: Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH)

    Diese champagnertrinkende Rebellin mit Hang zum großen Drama, konnte großherzig, bisweilen keck, aber auch entsetzlich herzlos sein. Sie geriet an falsche Männer, musste den Tod aller ihrer Kinder verwinden, doch larmoryant wurde sie darüber nicht, vielmehr versteckte sie sich hinter Ironie (wie man es heutzutage auch oft erlebt): „Mein Leben ist eine Abfolge von Niederlagen. Dagegen bin ich seit einiger Zeit immun.“

    Michaela Karl (Foto: Michele Corleone)

    Die von der Buchhandlung Pustet und dem Passauer Pegasus präsentierten Lesungen beginnnen jeweils um 20 Uhr. Karten zu 14 Euro (ermäßigt 10 Euro) sind unter Telefon 0851 5608913 oder per Email an passau@pustet.de reservierbar.

    Bitte vormerken: Der Passauer Pegasus hat die gerade erst mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Schriftstellerin Antje Rávik Strubel mit ihrem Roman „Blaue Frau“ für eine Lesung am 8. Dezember im Scharfrichterhaus gewinnen können.

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