8.7 C
Hutthurm
Dienstag, Dezember 9, 2025

Schach matt in drei verhexten Zügen

Lesestoff

Die Schlüsselgewalt im Markt Schönberg ist für Martin Pichler verlorengegangen

Es war von Anfang an klar, dass mit Sankt Bürokratius als Schutzpatron die Schlacht verloren gehen muss. Gesegnet mit der kriegerischen Macht der Unterwelt hatten die Schönberger Hexen leichtes Spiel, als am 11.11. der Kampf und die närrische Macht im Rathaus entbrannte. Bis zum letzten Kehraus der Saison haben sie nun das Sagen.

Der Faschingsauftakt wird in Schönberg stets groß zelebriert. Aber nur eine feierliche Amtsübergabe, das wäre den „vogelwuid´n Woidhexen“ zu wenig. Im Gegensatz zu Faschingsprinzessinnen – die mit purem Charme agieren – wollen sie sich die Oberhand redlich böse verdienen. Was wäre da besser geeignet, als Schach, das Spiel der Spiele; das kultivierte Gefecht auf 64 Feldern. Blöd nur, wie der jetzige Schattenprinz der Narretei, Heimo Hoisl, befand, dass die Marktgarde noch nicht einmal acht schwarze Bauern aufbieten konnte, weil jeder nur regieren statt dienen wolle. Seit er sich selbst in die Organisationsrente der alljährlichen „Woidgaudi“ verabschiedet hat, überlässt er den Hexen das operative Faschingsgeschäft. Aber zu dem Zweck holte er noch einmal den purpurroten Kunstfellzobel als Insignie des komischen Königs aus dem Schrank, um neben seiner weißen Dame ins Feld zu ziehen.

Eine Schlüsselszene zum Schluss: Alle Gegenwehr half Martin Pichler auch heuer nicht. Er hat jetzt bis 17. Februar Zwangsurlaub oder Rathauskerker zur Auswahl. (Foto: Markt Schönberg)

Bei der musikalischen Vorstellung der angetretenen Rivalen war schnell klar, wer als feuriges Ross, Turm in der Brandung oder als spritziger Sprinter über das Feld wirbelte oder wer den iahenden Esel, die bröckelnde Ruine oder kreuzlahmen „Hatscher“ abgeben durfte. So dauerte es wie geplant und mit leicht zurechtgebogener Regel auch nur drei Züge, bis der Regent im Rathaus, Martin Pichler, schachmatt gesetzt wurde. Ein kurzer aber heftiger Kampf um den Rathausschlüssel war kurz und zupackend entschieden. Zum Hexentanz frohlockend schritten die wilden Blocks-, nein Kadernbergerinnen, zur ersten Regierungstat im Ratsstüberl. Die letzten Schönberger Kassenreste wurden in Form von Weißwürsten und geistigen Getränken verprasst.

Ob sie dadurch zur kommunalen Staatsraison gebracht wurden, muss sich zeigen. Bis zum 17. Februar 2026 müssen sie nun vermutlich mit viel Bärwurz unter anästhetischer Kontrolle gehalten werden, um die Amtsgeschäfte regulär laufen lassen zu können. Oder – so die nicht offiziell bestätigte Erfahrung der vergangenen Jahre – vielleicht merkt man den Unterschied zwischen gewählter und närrischer Vertretung der Bürgerschaft ja gar nicht so deutlich, wie eigentlich zu befürchten wäre? Die Rätinnen und Räte nahmen es jedenfalls mit demütigem Humor, wieder einmal traditionell so entmachtet worden zu sein.

- Werbung-

More articles

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

- Anzeige -

Letzte Beiträge