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Freitag, Mai 24, 2024

Schrein des Daseins

Lesestoff

Zeitgenössische Fotografie aus Japan in der Soiz Galerie

(von Tobias Schmidt)

Unter dem Titel „Japan Contemporary“ zeigt die auf zeitgenössische Fotografie spezialisierte Passauer Soiz Galerie derzeit Fotoarbeiten aus Japan sowie des spanischen Künstlerkollektivs Albarrán Cabrera, das japanische Bildästhetik und alte Drucktechniken ins digitale Zeitalter überführt.

Muga Miyahara “Sadness“, 2007

Die Schwarz-Weiß-Fotografien des in Tokio und Los Angeles lebenden Fotokünstlers Hiroshi Watanabe sind auf zahlreichen Reisen durch Japan, Südamerika und Europa entstanden. Man möchte seine Bildästhetik „klassisch“ nennen, denn es finden sich zahlreiche Referenzen zu Stilleben- und Straßenfotografie der 1940er-1970er Jahre darin. Von Edward Weston bis in unsere Tage hinein zu James Maher. In Farbe und stärker an japanische Sujets angelehnt, präsentieren sich die zart-pastelligen, von klassischen Landschaftsgemälden inspirierten Kirschblütenfotos Yumiko Kinoshitas – man möchte sie die Tagtraumvariante der ungleich dunkleren Arbeiten Watanabes nennen.

Yukari Chikura aus Tokio verarbeitet in der Serie „Fluorite Fantasia“ den plötzlichen, frühen Tod ihres Vaters. Sie gilt in der internationalen Fotokunstzene derzeit als Shooting Star.

Muga Miyahara “Power“, 2007

Zu verborgenen Zusammenhängen im Universum möchten Albarrán Cabrera den Betrachter mit der aus kleinformatigen Handdruck-Unikaten in verschiedenen Techniken bestehende Serie „The Mouth of Krishna“ führen: Der Überlieferung nach erblickte die Mutter Krishnas im Mund der noch jungen Gottheit das gesamte Weltall. Der intime Blick durch Zimmertüren ist bei Satomi Shirai durchkomponiert – nur um gerade nicht so zu wirken.

Satomi Shirai “Cleaning“, 2007

Drei große Farbdrucke aus ihrer Serie „Home from Home“ behandeln beengte großstädtische Lebensräume und sind zugleich frech-erotische Selbstporträts.
Und im „Shashinkan“, im Fotostudio Muga Miyaharas wird der Mensch Teil surrealer, in Guckkastenmanier und sepiafarben präsentierter Szenarien.

Höhepunkt der Ausstellung sind jedoch vier Arbeiten aus seiner siezehnteiligen allegorischen Serie „Tokonoma“. Diese gleichnamige, typischerweise für Rollbilder oder Ikeana-Arrangements reservierte Nische japanischer Wohnhäuser gerät hier zum Guckkasten menschlicher Empfindungen und Tugenden.
Ein Schrein des Daseins. Beeindruckend!

Muga Miyahara “Fear“, 2007

Die Ausstellung „Japan Contemporary“ ist noch bis enschließlich 4. August 2017 jeweils Mittwoch bis Freitag 15 bis 19 Uhr und Samstag 11 bis 15 Uhr in der Soiz Galerie, Schustergasse 19 (www.soiz.de) zu sehen. Eintritt frei.

(Titelbild: Muga Miyahara “Fly“, 2009)

(Bildquelle: Soiz Galerie + und angegebene Künstler)

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