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Montag, April 29, 2024

Großer Reha-Bedarf bei Post-COVID-Syndrom

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Teilnehmer des runden Tischs sehen deutlich Nachholbedarf

München. Der Verband der Privatkrankenanstalten Bayern e.V. (VPKA) sitzt mit an dem vom Bayerischen Staatsiministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP) initiierten runden Tisch zum Post-COVID-Syndrom. Hier befassen sich Vertreter der Leistungserbringer, der ambulanten und stationären Versorgung, Kostenträger, Wissenschaft und Verwaltung mit Möglichkeiten, den Betroffenen einen schnellen Zugang zu einer spezifischen Behandlung zu eröffnen, um somit chronische Erkrankungen möglichst zu vermeiden. Bei den jüngsten Beratungen sahen die Teilnehmer übereinstimmend deutlichen Nachholbedarf beim Zugang zur Post-COVID-Rehabilitation.

Als Post- oder Long-COVID-Syndrom werden fortbestehende Spät- und Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung bezeichnet. Dazu gehören beispielsweise Beeinträchtigungen der Lunge, des Kreislauf- und Nervensystems, der Muskulatur, Erschöpfungszustände wie das Fatigue-Syndrom bis hin zu Angstzuständen und Depressionen. Die Zahl der Betroffenen steigt stetig an. Laut Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) wurden allein im Jahr 2021 bayernweit 92.500 Patienten aufgrund einer Long-COVID Problematik durch Vertragsärzte verschiedener Fachrichtungen behandelt, wobei die Behandlung überwiegend in der ambulanten Regelversorgung erfolgte. Bei einer großen Zahl der Betroffenen wäre eine Anschlussheilbehandlung oder Anschlussrehabilitation notwendig, betonten Dr. Joachim Ramming (CEO Mediclin AG und Vorstandsmitglied VPKA) und Dr. York Dhein (COO Mediclin AG und Vorstandsmitglied des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken, BDPK) im Rahmen des jüngsten Treffens. Sie führten aus, dass das Post-COVID-Syndrom mit Latenz von einigen Monaten bei circa 13 Prozent der Patienten auftrete. Dies entspricht ca. 800.000 Betroffenen.

Die Kapazitäten für die Rehabilitation von Betroffenen seien aktuell gegeben, so Dr. Joachim Ramming und Dr. York Dhein. Doch während der Zugang zur Rehabilitation aus dem stationären Setting gut funktioniere, sei der Zugang aus dem ambulanten Bereich noch ausbaufähig. Tatsächlich nehme nur ein Bruchteil der Betroffenen eine entsprechende Rehamaßnahme in Anspruch. Dies zeige, dass Einweiser und Betroffene dringend stärker für eine mögliche Antragstellung sensibilisiert werden müssten.

Die beiden Experten führten auch einige der praktischen Herausforderungen an. Dazu gehörten unter anderem die – aufgrund der Einweisung nach führendem Krankheitsbild – unzureichende Vergütung, das Fehlen einheitlicher qualitativer Strukturmerkmale für eine professionelle Post-COVID-Reha sowie nicht funktionale ambulante Post-COVID-Versorgungsstrukturen nach Spezialambulanzen, Selbsthilfegruppen.

Wie eine Post-COVID-Reha aussehen kann, stellten Dr. Ramming und Dr. Dhein am Beispiel der Mediclin-Klinikgruppe dar. In deren teilnehmenden Kliniken erfolgt eine somatische und psychologische Erfassung der Ausprägungen des Post-COVID-Syndroms sowie eine indikationsspezifische Aufnahme entsprechend der führenden Syptomatik. Diagnostik und Therapie sind interdisziplinär, symptom- und funktionsorientiert ausgerichtet und werden wissenschaftlich begleitet. Allen Patienten steht ein Expertenboard aus Neurologie, Kardiologie, Diabetologie, Pneumologie, Psychosomatik, Psychiatrie und HNO sowie ein klinikübergreifendes, telemedizinisches Konsiliarangebot zur Verfügung. Der Forschungsansatz umfasst überdies die Entwicklung von Symptom-Checklisten, Clusterauswertungen, Causality-Modellentwicklungen, Anpassungen der Rehaprogramme sowie Effizienzmessungen.

„Förderinitiative Versorgungsforschung zum Post-COVID-Syndrom“

Als grundlegende Problematik nannten die Vertreter des StMGP die noch unzureichende Forschungslage zum Krankheitsbild und zur bestmöglichen Therapie. Vor diesem Hintergrund wurde im Juli 2021 die „Förderinitiative Versorgungsforschung zum Post-COVID-Syndrom“ mit einem Fördervolumen von insgesamt fünf Millionen Euro gestartet. Sie fördert und evaluiert innovative multidisziplinäre Versorgungskonzepte mit dem Ziel des Erkenntnisgewinns und der Verbesserung der Versorgung von Betroffenen. Bis zum Ende der Einrichungsfrist im Oktober 2021 gingen 25 Förderanträge ein, mit einem Gesamt-Fördervolumen von über 18 Millionen Euro. Einige wenige Projekte sind bereits in Umsetzung, weitere befinden sich noch im Bewilligungsverfahren.

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