Ermutigende Botschaften aus den Betrieben: Vier von fünf Handwerksunternehmen in Ostbayern wollen jeden Arbeitsplatz erhalten. Die Zahl der Existenzgründungen ist sogar leicht gestiegen

Regensburg (obx) – Ostbayerns Handwerk ist auch in den herausfordernden Corona-Monaten verlässlicher Job- und Wirtschaftsmotor für die Region und Stabilitätsanker für Bayern: Rund 30 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften die rund 38.000 Betriebe, sie beschäftigen aktuell rund 215.000 Mitarbeiter und eröffnen rund 15.000 Menschen mit einer Ausbildung den Weg in eine berufliche Zukunft. „Der regionale Mittelstand ist seiner Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern nachgekommen und hat sie nicht im Stich gelassen“, sagt Jürgen Kilger, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Zwar seien die Auswirkungen der Krise nach Worten von Ostbayerns Handwerkspräsident Georg Haber bis dato noch nicht endgültig zu beziffern. „Wie schon bei der Finanzkrise 2008, reagierten die ostbayerischen Handwerksbetriebe jedoch anpassungsfähig, flexibel, kreativ und vor allem pragmatisch auf den Ausbruch der Corona-Pandemie und dem damit einhergehenden Shutdown“, so Haber. 

Für diese These gibt es jetzt auch Belege: In knapp drei von vier Betrieben (71 Prozent) blieb die Zahl der Beschäftigten trotz gesamtwirtschaftlicher Krise im zweiten Quartal dieses Jahres konstant, wie der von der Kammer jetzt veröffentlichte Konjunkturbericht zeigt. „Sicherlich auch, weil der Großteil der Betriebe alle Register zog, bevor sie auch nur eine Kollegin oder einen Kollegen hätten entlassen müssen“, so Kammerpräsident Haber. Weniger als jeder fünfte Betrieb (18 Prozent) und damit nur geringfügig mehr als in den Vorjahresquartalen, reduzierte seine Mitarbeiterzahl. Auch künftig wollen, laut Umfrage der Kammer, 80 Prozent der Betriebe im laufenden Quartal ihre Mitarbeiterzahl nicht verändern. 

„Dies hat sicherlich auch mit den Strukturen in Handwerksbetrieben zu tun“, so Haber. „Im mittelständischen Handwerksbetrieb geht es, trotz Wettbewerbsdruck, immer noch sehr familiär zu.“ Dies spreche klar für das Handwerk als Arbeitgeber, gerade in Krisenzeiten. Die meisten Betriebe wollen auch weiter ausbilden, wie eine Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks jetzt herausfand „Das ist ein starkes gesellschaftliches Signal, vor allem für junge Menschen, die nach einem krisenfesten Job mit guten Karriereperspektiven und sinnstiftender Tätigkeit suchen“, sagt Haber.

Die Krise machte nach den Worten der ostbayerischen Handwerkskammer vor allem eins deutlich: wie innovativ und lösungsorientiert die Betriebe sind. Zu den herausragenden Beispielen gehört ein Sattler, der innerhalb kürzester Zeit seine Produktion auf Community-Masken umstellte und so beim Engpass der ersten Wochen half, als Schutzmasken noch Mangelware waren. Friseure stiegen quasi „über Nacht“ in den Gutschein- und Produktverkauf ein, um ihre Umsatzausfälle zu überbrücken. Ein ostbayerischer Metallbauer fertigte Gesichtsschilde aus dem 3D-Drucker. Viele Bäcker und Metzger führten in kürzester Zeit mobile Lieferdienste ein. 

Ebenfalls ermutigend: Die Zahl der Existenzgründungen im Handwerk ist in Ostbayern im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Angaben der Kammer sogar um rund zwei Prozent gestiegen. Gleichzeitig sei im selben Zeitraum auch die Zahl der Abmeldungen etwas gesunken. „Und das obwohl die Krise einige Gewerke, wie Friseure, Kosmetiker, Fotografen und Brauer bis ‚ins Mark‘ traf“, sagt Präsident Haber.

×

(Anzeige)

×