Insektensterben, Bienensterben, Artenschwund – ist es wirklich so schlimm?

Auf Einladung des Aktionsbündnisses Volksbegehren „Artenvielfalt“ im Landkreis Regen hat Landschaftsplanerin Dorothea Haas im Naturparkhaus in Zwiesel referiert. Aus eigener Erfahrung als Imkerin konnte sie die Konsequenzen des Artensterbens auf das gesamte Leben sehr anschaulich vermitteln.

Mit ca. 35 Besuchern gut besucht war der Vortrag im Naturparkhaus. Naturparkgeschäftsführer Hartwig Löfflmann wertete dies als deutliches Zeichen, dass das Thema Artenschwund viele Menschen zum Nachdenken bringt. Man muss nicht Biologe, Tierforscher oder spezialisierter Wissenschaftler sein. Die Veränderungen in der Natur sind bereits im eigenen Umfeld deutlich zu erkennen. Denn nicht nur die Insekten auf der Windschutzscheibe werden weniger, auch früher häufig vorkommende Vögel werden rar. Und ein bunter Wiesenblumenstrauß wirkt schon fast wieder exotisch.

Dorothea Haas hat in ihrem engagierten Vortrag eigene Beobachtungen mit wissenschaftlichen Forschungsergebnissen untermauert. Noch vor zwanzig Jahren konnte sie rund um Viechtach eine Fülle von Schmetterlingen, Rebhühner, Zweipunkt-Marienkäfer oder Äcker mit Mohn- und Kornblumen beobachten. Vieles davon ist inzwischen verschwunden. Mit dem Verlust von Insekten und anderen Arten verändert sich aber nicht nur das Landschaftsbild. Der Artenrückgang und besonders der Verlust von Insekten, bedeutet auch, dass wir uns die eigenen Lebensgrundlagen zerstören. „Wir ziehen uns den Boden unter den Füßen weg“, so die Referentin. Denn Insekten stehen nicht nur am Anfang der Nahrungskette, sie sorgen auch für die Bestäubung von Obst, Gemüse und Futterpflanzen. Auch als „Müllabfuhr“ bei der Beseitigung von Aas, Kot oder anderem organischen „Abfall“ leisten sie unverzichtbare Dienste. Sehr eindringlich konnte Haas das Fehlen von Bienen und anderer Bestäuber am Beispiel der Lebensmittelauswahl im Supermarkt veranschaulichen. Die Regale wären ziemlich leer.

Wissenschaftliche Studien haben belegt, dass der Bestand an Insekten seit 1989 um etwa 75% gesunken ist. Der Grund dafür sind überdüngte Wiesen, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die zunehmende Monokultur auf großen Flächen, das Fehlen von natürlichen Rückzugsgebieten in Form von Ackerrainen, Gewässerrandstreifen oder Biotopverbünden. Zudem verschärfen eine ungerechte Förderpolitik, die Klimaveränderung und eine zunehmende Globalisierung, auch in der Landwirtschaft, die Gesamtsituation.

„Es ist höchste Zeit zum Handeln,“ ist Haas überzeugt. Mit dem Volksbegehren hat man nun die einmalige Chance das Artensterben zu stoppen. Dazu ist die Zustimmung von 10 % der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger in Bayern notwendig. Sie müssen sich im kurzen Zeitraum vom 31.01. bis 13.02.2019 im Rathaus der Wohngemeinde in die Unterschriftenlisten eintragen. Die Gemeinden bieten hierzu neben den üblichen Öffnungszeiten auch Sonderöffnungszeiten an. In Zwiesel hat das Rathaus am Donnerstag, 07.02.2019 bis 20 Uhr und am Samstag, 09.02.2019 von 10-12 Uhr geöffnet.

Weitere Informationen zum Volksbegehren, die Rathausöffnungszeiten der Gemeinden im Landkreis Regen sowie verschiedene Veranstaltungen sind unter www.regen.bund-naturschutz.de hinterlegt.