“Diese Mauern zerstören die Schönheit unserer Stadt“

Passau. Die ÖDP-Stadtratsfraktion will einer Zerstörung der stadtbildprägenden Baumallee an der Gottfried-Schäffer-Straße nicht zustimmen. “Hochwassermauern, deren Errichtung die Schönheit unserer Stadt derart verletzen, können wir nicht mittragen. Diese Position werden wir im November mit der ÖDP-Basis diskutieren und dann weiter nach Alternativen suchen, die Hochwasserschutz ohne derartige Opfer ermöglichen“, kündigen Bürgermeister Urban Mangold und Fraktionsvorsitzender Paul Kastner an.

Auch die im Stadtrat geforderte Visualisierung wird die ÖDP noch in ihre endgültige Entscheidung einfließen lassen. “Unsere Meinung ist aber schon sehr gereift, den favorisierten Mauerbau abzulehnen. Der völlige Verlust der weit über Passau hinaus bekannten Allee ist nicht hinnehmbar. Die Aufenthaltsqualität an der Innpromenade würde sich drastisch verschlechtern“, so Mangold. Vor der endgültigen Entscheidung im Januar müssten auch Varianten geprüft werden, die möglicherweise mehr kosten, aber das gewachsene Stadtbild respektieren. So viel muss Passau auch den staatlichen Stellen wert sein“, fordert Mangold. Es sei ohnehin unklar, ob die veranschlagten Kosten überhaupt eingehalten werden können.

Die ÖDP-Fraktion hat sich bewusst drei Wochen Zeit genommen und mit Fachleuten und Bürgern viele Gespräche geführt. “Die schwierige Abwägung haben wir uns nicht leicht gemacht“, erklärt ÖDP-Fraktionsvorsitzender Paul Kastner. Einerseits gehe es um den Schutz der Einzeldenkmäler vor einem Hochwasser, andererseits um die Bewahrung der Naturdenkmäler und der bestehenden harmonischen Stadtansicht, “die für so viele Menschen ein Stück Heimat ist“. Deshalb habe die ÖDP in der letzten Plenumssitzung die Vertagung beantragt. “Dem Vorhaben, die Grundsatzentscheidung so schnell wie möglich durch den Stadtrat zu bringen, haben wir widersprochen und erfreulicherweise auch Verbündete im Stadtrat gefunden“, so Kastner.

Die vorgeschlagene Maßnahme sei kein Hochwasserschutz, sondern Hochwasserfolgenschutz. Ein Hochwasserschutz, der diesen Namen verdient, besteht in vielfältigen Maßnahmen oberhalb von Passau: “Technische Flutpolder allein reichen nicht. Jede Gemeinde, ob vom Hochwasser betroffen oder nicht, müsse unnötige Versiegelung zurückbauen und schauen, wo man dezentrale Versickerung in der Fläche begünstigen kann. “Nur so gibt es einen flächendeckenden Effekt und natürliche Hochwasserprävention. Das muss als gesamtbayerisches Solidarprojekt gesehen werden. Der natürliche Hochwasserschutz in der Fläche ist die größte zusammenhängende Baustelle Bayerns. Dafür brauchen wir einen gesamtbayerischen Masterplan“, so Mangold: “Passau einzumauern und den natürlichen Hochwasserschutz zu unterlassen, das kann nicht die Lösung sein!“